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Autorin: Noemi Harnickell
Freitag, 09. Dezember 2022

Frau Stetter, Sie haben sich intensiv mit dem Kranken­hemd beschäftigt. Worauf kommt es bei einem solchen Kleidungsstück an?

Das Krankenhemd muss so einfach zum An- und Ausziehen sein, dass die Patientin von den Pflegenden kaum aufgerichtet werden muss. Wichtig sind zudem möglichst wenig Nähte. Jede Naht ist eine Druckstelle, das gleiche gilt für Falten. Darum wird das Hemd ja auch so angezogen, dass man hinten nackt ist und keine Berührungspunkte mit dem Stoff hat. Wegen der Krankenhausbakterien muss der Stoff eine Reinigung bei hohen Temperaturen aushalten. Dafür kommen aber viele Materialien infrage – mehr als heute verwendet werden. Aus der Sicht von Textil- und Modedesign ist das gängige Krankenhemd also noch nicht das perfekte Ding. Da ist viel Innovation möglich.

Sie haben eine Alternative entwickelt. Was ist das Besondere daran?

Vom Design her ist mein Hemd so gestaltet, dass die Patienten mehr Kontrolle darüber haben, ob man ihren Po sieht oder nicht. So kann es anders als bestehende Hemden selbst geschlossen werden. Das Kleid gibt es in verschiedenen Farben und es hat auch eine kleine Tasche – das haben normale Krankenhemden nicht.

Welchen Einfluss hat die Krankenhauskleidung Ihrer Erfahrung nach auf das Selbstbewusstsein der Menschen, die sie tragen?

Ich erinnere mich an einen Herrn auf der Palliativstation, der nur noch schwach im Bett lag und sich kaum bewegte. Und dann ist er in seine eigene Kleidung gestiegen und auf einmal hatte er wieder einen aufrechten Gang. Selbst Pflegende sagen, dass das Krankenhemd auch krank macht. Es hält dich im Bett, denn du kannst es hinten nicht gut schliessen, du weisst, da schaut dein Po raus. Das führt zu einer gewissen Bewegungsarmut. Allerdings kann ich mich als Kranke auch mit dem Ding identifizieren. Dann wird es zum Hoffnungsträger.

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