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Donnerstag, 19. Juni 2025

April 2024: Der Krieg in der Ukraine tobt schon seit über zwei Jahren, als die russisch-orthodoxe Kirche beschliesst, ihn auch auf theologischer Ebene eskalieren zu lassen. Der russische Feldzug sei ein aus «spiritueller und moralischer Sicht Heiliger Krieg», lässt die Kirchenführung unter Patriarch Kyrill I. verlauten. Es gehe um nichts weniger als den Kampf gegen den Satanismus, hält sie in einem Dokument fest.

Kriege religiös zu begründen, schien in den letzten Jahrzehnten höchstens noch unter Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat in Mode zu sein. Ihre theologischen Argumentationen und grausamen Taten riefen bei den meisten Menschen Unverständnis und Schrecken hervor.

Bei der russisch-orthodoxen Kirche handelt es sich jedoch nicht um eine radikalisierte Terrormiliz. Sie gilt mit schätzungsweise 150 Millionen Mitgliedern – selbst erhebt sie keine Zahlen – als die grösste der orthodoxen Kirchen und ist damit wohl die zweitgrösste christliche Kirche der Welt. Man stelle sich vor, der Papst rufe zu einem neuen Kreuzzug auf.

Klarstellung verlangt

Der Aufschrei beim Weltkirchenrat nach Kyrills Erklärung war gross. Zum zentralen Organ der ökumenischen Bewegung gehören über 350 christliche Kirchen aus aller Welt – darunter sowohl die russisch-orthodoxe Kirche als auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz. Krieg verstosse gegen grundlegende christliche und ökumenische Prinzipien, hielt der Weltkirchenrat fest und bat den Moskauer Patriarchen Kyrill um eine Klarstellung.

Für Sebastian Rimestad handelte es sich bei Kyrills Verlautbarung bereits um genau das: eine Klarstellung. Der Religionswissenschaftler der Universität Leipzig befasst sich seit zwanzig Jahren mit dem orthodoxen Christentum in Ost- und Nordeuropa. Im Herbst 2022 wurde er von der Universität Zürich eingeladen, ein Seminar zum Thema Heiliger Krieg zu halten.

«Im Grunde hat Kyrill nichts Neues gesagt», erklärt Rimestad. Schon zu Beginn des Konfliktes habe er diesem eine metaphysische Dimension gegeben. Die russische Gesellschaft als Hüterin der traditionellen Werte stehe im Krieg mit dem liberalen Westen und seinem «Genderwahnsinn»: Diese Sichtweise habe Kyrill in den letzten 20 Jahren wiederholt geäussert. Dabei sei er immer radikaler geworden. Wie konnte es so weit kommen?

In Gottes Namen

Die Vorstellung, auf göttliches Geheiss oder mit göttlicher Unterstützung Krieg zu führen, ist – obwohl aus der Mode gekommen – alles andere als ein neues Phänomen. Der 2022 verstorbene israelische Geschichtsprofessor Aharon Oppenheimer führt die Erfindung des Heiligen Kriegs auf das Judentum in der römisch-hellenistischen Zeit zurück. Die älteste der monotheistischen Religionen – also mit nur einem Gott – koexistierte damals mit zahlreichen anderen polytheistischen Religionen, deren Gläubige mehrere Gottheiten verehrten.

Religiöse Überzeugungen hätten schon in Kriegen der Römer und Griechen eine Rolle gespielt, seien aber nie die Hauptursache gewesen. «Die polytheistische Welt zeichnete sich in der Regel durch religiöse Toleranz aus und fühlte keinen Drang, den Kult ihrer Götter anderen Völkern und Kulturen aufzuzwingen», schreibt Oppenheimer in einem Aufsatz. Gingen die Herrscher ausnahmsweise gegen religiöse Kulte vor, sei es ihnen in erster Linie um den Erhalt der öffentlichen Ordnung gegangen.

Während des Dreissigjährigen Kriegs im 17. Jahrhundert verloren religiöse Argumente ihre Wirkung unter der leidenden Bevölkerung Europas. Diverse Rechtsgelehrte, darunter der reformierte Theologe Hugo Grotius, suchten deshalb nach universell gültigen Regeln für Kriege. Die Überlegungen dazu reichen in die Antike zurück. Ein Krieg gilt dann als legitim oder «gerecht», wenn er gewisse ethische und rechtliche Anforderungen erfüllt.

Auf diesem Gedanken basiert auch das heutige Kriegsvölkerrecht. Es regelt, unter welchen Umständen ein Staat Krieg führen darf («ius ad bellum») und was ein Staat im Krieg tun darf («ius in bello») — beispielsweise in Bezug auf den Einsatz gewisser Waffentypen oder den Umgang mit Zivilisten oder Kriegsgefangenen.

Seit 1928 gelten Kriege grundsätzlich als völkerrechtswidrig. Die UN-Charta erlaubt den Staaten nur, sich gegen Angriffe zu verteidigen — weshalb auch Russland versucht, seinen Angriffskrieg als Selbstverteidigung darzustellen. Ganz verschwunden ist das Konzept des Heiligen Kriegs aber nie. In der kolonialistischen, imperialistischen und nationalistischen Rhetorik lebte es bis zum Zweiten Weltkrieg weiter. Auch in späteren Bürgerkriegen — etwa in Nordirland oder im ehemaligen Jugoslawien — verwendeten die Kriegsparteien gelegentlich religiöse Argumente, um ihre Gewalt zu rechtfertigen. In der jüngeren Zeit nahm etwa die Rhetorik im Krieg gegen den Terrorismus religiöse Züge an («Achse des Bösen»). Im aktuellen Krieg im Nahen Osten sprechen sowohl Vertreter der Hamas als auch von Israel von einem Heiligen Krieg.

Eine erste Abweichung von dieser Religionspolitik bildete laut Oppenheimer das Verbot der jüdischen Religionsausübung unter dem Seleukiden-Herrscher Antiochos IV. Epiphanes im Jahr 167 vor Christus. Antiochos wollte damit in Jerusalem innerjüdischen Machtkämpfen um das Amt des Hohepriesters ein Ende setzen, die er zunehmend als Gefahr für seine eigene Herrschaft empfand.

Was folgte, war laut Oppenheimer die erste gezielte Religionsverfolgung in der Menschheitsgeschichte. Juden wurden aktiv gezwungen, gegen ihre religiösen Vorschriften zu verstossen. So mussten sie etwa heidnischen Göttern Opfer erbringen oder verbotene Speisen wie Schweinefleisch essen. Andere Völker mit vergleichbaren Bräuchen liess der Herrscher laut Oppenheimer weiterhin gewähren.

Erst Widerstand, dann Aufstand

Da sich der grösste Teil der jüdischen Bevölkerung im Herrschaftsgebiet der Seleukiden befand, drohte dem Judentum durch das strikte Religionsverbot die Auslöschung. Die Haltung der jüdischen Bevölkerung war gespalten. Während Teile der Oberschicht schon seit längerem den griechischen Lebensstil übernommen hatten und die Hellenisierung mit Unterstützung des Herrschers Antiochus sogar vorantrieben, regte sich bei anderen Widerstand– es kam zum Aufstand gegen Antiochus unter der Leitung der Familie der Makkabäer.

Weil es der Fraktion der Makkabäer vor allem um die Wahrung der göttlichen Lehre und den Erhalt der religiösen Institutionen ging, hält Oppenheimer den Aufstand für den ersten Heiligen Krieg. Und nicht nur das: «Zum ersten Mal in der Weltgeschichte trat die Bereitschaft zum Märtyrertod in grossem Stil zutage», schreibt der Historiker.

Das Konzept des Heiligen Kriegs fand später auch im Christentum und im Islam Anklang. Oppenheimer führt als Beispiel nicht nur die Kreuzzüge im Heiligen Land an, sondern auch die Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten im 16. und 17. Jahrhundert. Der Monotheismus habe die Religion zu einem zentralen Motiv des Konflikts gemacht, lautet sein Fazit.

Die Kriegsmuffel unter den Christen

Umso überraschender ist, dass ausgerechnet das orthodoxe Christentum nie durch die Ausrufung eines Heiligen Kriegs aufgefallen ist. Wiege des orthodoxen Christentums war das Byzantinische Reich, auch als Oströmisches Reich bekannt. Dieses existierte vom 4. bis ins 15. Jahrhundert und erstreckte sich in seiner Blütezeit von Südspanien über Italien bis nach Ägypten und Nordafrika.

In einem Aufsatz vertritt der US-amerikanische Byzantist Warren Treadgold die These, dass dem oströmischen Reich das Konzept des Heiligen Kriegs fremd war. Obwohl die Byzantiner mit dem Wort «heilig» um sich geworfen hätten – fast alles was der Kaiser tat und besass, war «heilig» –, tauche in keiner historischen Quelle die Kombination des Wortes mit «Krieg» auf. Treadgold vermutet, dass die Byzantiner Krieg als eine profane Notwendigkeit betrachteten. «Unter den richtigen Bedingungen war er zwar nicht unbedingt verwerflich, aber er war niemals heilig.»

Das hat laut Treadgold mit den Schriften von Basilius von Caesarea zu tun. Der Bischof aus dem 4. Jahrhundert war eine prägende religiöse Figur im oströmischen Reich und wird in der orthodoxen Kirche bis heute verehrt. Caesarea habe argumentiert, dass Krieg von Natur aus eine schmutzige Angelegenheit sei. Soldaten setzte er zwar nicht mit Mördern gleich, empfahl aber dennoch, sie für drei Jahre von der Messe auszuschliessen, sollten sie getötet haben.

Tatsächlich sei das Byzantinische Reich dadurch aufgefallen, dass es wenige Angriffskriege geführt habe, so Treadgold – zu unbeliebt waren die Herrscher in der Bevölkerung und zu klein war der Mehrwert eines noch grösseren Imperiums für sie. Viel eher war das Reich mit defensiven Kriegen oder Bürgerkriegen beschäftigt.

Nicht selten duldeten die Byzantiner sogar Überfälle der Hunnen, Türken oder Araber, schreibt Treadgold. Genau betrachtet hätten sie am wenigsten Mühe bekundet, gegen ihre eigenen Leute zu kämpfen – und damit Menschen mit demselben Glauben.

Auslöser für die Bürgerkriege waren meist Meutereien von unzufriedenen Soldaten oder Versuche von Aristokraten, die Macht an sich zu reissen. Immerhin: Wer auch immer bei diesen Machtkämpfen Erfolg hatte, musste nach der Überzeugung der Mehrheit die Unterstützung Gottes auf seiner Seite gehabt haben.

Orthodox gegen orthodox

Wenn die russisch-orthodoxe Kirche also knapp sechshundert Jahre nach dem Byzantinischen Reich den Heiligen Krieg ausruft – ausgerechnet gegen eine andere mehrheitlich orthodoxe Bevölkerung –, tut sie das kaum in Anlehnung an eine religiöse Tradition. Sie tue es vielmehr aus Unterwerfung unter den Staat, sagt Religionswissenschaftler Sebastian Rimestad.

Zur Zeit der Sowjetunion wurde die orthodoxe Kirche aus ideologischen Gründen unterdrückt. Bestes Beispiel dafür liefert die Biografie von Patriarch Kyrill, der mit bürgerlichem Namen Wladimir Michailowitsch Gundjajew heisst. Sein Vater, ebenfalls ein Priester, war in der Zeit des Stalinismus drei Jahre lang in einem Gulag inhaftiert.

Das hinterliess Spuren. Kyrill und viele Bischöfe der russisch-orthodoxen Kirche seien mit der sowjetischen Mentalität aufgewachsen, zu der absoluter Gehorsam gegenüber der politischen Führung gehört, sagt Rimestad – ein Muster, das bis heute weiterbesteht.

In den 1970er-Jahren spionierte Kyrill sogar mit grosser Wahrscheinlichkeit für den sowjetischen Auslandsgeheimdienst KGB, wie die «Sonntagszeitung» und «Le Matin Dimanche» 2023 berichteten. Im Visier hatte er den Weltkirchenrat in Genf, wo er als Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche tätig war.

Realitätsfremde Grossmachtfantasien

War die Staatstreue der russisch-orthodoxen Kirche lange eine Überlebensstrategie, wird sie zunehmend zu einer Hypothek. «Kyrill hat sich mit seiner Kriegserklärung von der restlichen orthodoxen und christlichen Welt abgekapselt», sagt Rimestad. Er vermutet, dass der Patriarch von Moskau wie der russische Präsident Wladimir Putin kaum noch mit gegensätzlichen Meinungen konfrontiert ist.

Die Belagerung und Eroberung der Stadt Antiochia in den Jahren 1097 bis 1098 waren Teil des ersten Kreuzzugs (Bild : KEYSTONE / akg-images).

Für dieses Argument sprechen die realitätsfremden Grossmachtsphantasien, die die russisch-orthodoxe Kirche gleichzeitig mit der Ausrufung des Heiligen Kriegs formuliert hat. Demnach soll die russische Bevölkerung in den nächsten hundert Jahren von 144 auf 600 Millionen Menschen ansteigen und mehrheitlich in ländlich geprägten Siedlungen statt in Metropolen leben.

Die Vereinten Nationen hingegen rechnen für denselben Zeitraum mit einem Bevölkerungsrückgang von knapp 20 Millionen Menschen in Russland. Noch stärker fiele er ohne Arbeitsmigration aus. Das sind schlechte Nachrichten für die russisch-orthodoxe Kirche, die schon jetzt keine Freude an der Zuwanderung aus dem islamisch geprägten Zentralasien hat.

Die von der russisch-orthodoxen Kirche angestrebte Geburtenrate erfüllt höchstens noch das eigene Personal. «Viele Priester stammen aus ärmlichen Verhältnissen und sind Alleinversorger von Grossfamilien», sagt Rimestad. Kritik an der Kirchenführung zu äussern komme für sie einer existenziellen Bedrohung gleich.

Wer kann, verlässt das Land

Um als Kritiker zu gelten, braucht es nicht viel. Mehreren Priestern, die sich weigerten, für Russlands Sieg im Krieg gegen die Ukraine zu beten, wurde die Priesterweihe entzogen. Andere wurden degradiert und dürfen keinen Segen mehr sprechen – zum Beispiel Dmitrij Safronow, der am Grab des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexei Nawalny die Totenmesse las.

Kyrill-Kritiker, die die Möglichkeit hatten, hätten das Land schon lange verlassen, sagt Rimestad. Sie verurteilen Kyrills Verhalten in theologischen Blogs oder haben sich aus Protest dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt. Allerdings hält sich der Widerstand der autonomen russisch-orthodoxen Exilgemeinden in Grenzen.

In der russisch-orthodoxen Kirche in Zürich wird etwa weiterhin für Kyrill und die russische Armee gebetet, wie eine Recherche der «NZZ» letztes Jahr ergeben hat. Laut Priester Daniel Schärer handle es sich um eine jahrhundertealte religiöse Tradition ohne jeglichen Bezug zur Tagespolitik.

Zum Angriff Russlands auf die Ukraine will er sich nicht äussern. Schärer betont lediglich, dass seine Gemeinde weder Geld noch Instruktionen aus Moskau erhalte. Ganz anders in Afrika, wie ein weiterer Artikel der «NZZ» aus diesem Jahr zeigt. Dort bezahlt Russland Hunderte Priester dafür, dass sie von der griechisch-orthodoxen zur russisch-orthodoxen Kirche wechseln und die Sichtweise Russlands verbreiten.

In der Ukraine gibt es zwei orthodoxe Kirchen: Bei der ersten handelt es sich um die ukrainisch-orthodoxe Kirche mit dem Metropoliten Onufrij. Sie erhielt 1991 von der russisch-orthodoxen Kirche den Status als autonome Kirche. Aufgrund der Invasion und weil der Moskauer Patriarch Kyrill I. den russischen Angriffskrieg unterstützt, sagte sie sich 2022 ganz von der russisch-orthodoxen Kirche los. Die ukrainische Staatsführung wirft ihr dennoch vor, mit der russischen Regierung zu kooperieren, und will sie verbieten.

Gleichzeitig unterstützt die Regierung aktiv die Orthodoxe Kirche der Ukraine. Sie entstand 2018 aus dem Zusammenschluss zweier Kirchen, die sich bereits in den 1990er-Jahren von der russisch-orthodoxen Kirche abgespalten hatten. Die Orthodoxe Kirche der Ukraine wird vom Metropoliten Epihanij geleitet und untersteht dem Patriarchen von Konstantinopel.

Bleibt die Frage, was sich Kyrill genau vom Heiligen Krieg erhofft. Motivation für die russischen Soldaten? Rimestad winkt ab. «Ich glaube nicht, dass die russischen Soldaten davon beeindruckt sind, zumal viele von ihnen ethnischen Minderheiten angehören und dazu noch Muslime oder Buddhisten sind.» Dass sich Russen nun aus religiösem Eifer der Armee anschliessen, bezweifelt er. Dafür spiele die Religion im Alltag der Menschen eine viel zu kleine Rolle.

Propagierte Wiedervereinigung

Rimestad vermutet vielmehr, dass sich die Adressaten ausserhalb von Russland befinden. So wurde das Papier der russisch-orthodoxen Kirche zum Heiligen Krieg am Weltkonzil des russischen Volkes präsentiert. Dabei handelt es sich um eine Organisation mit internationalen Ambitionen. Seit dreissig Jahren propagiert sie die «Wiedervereinigung» des russischen Volkes. Dazu gehören nach Ansicht der russisch-orthodoxen Kirche auch die belarussische und die ukrainische Bevölkerung – ob sie wollen oder nicht.

Vor knapp zwanzig Jahren publizierte das Weltkonzil einen Gegenentwurf zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und hielt darin fest, dass Glaube, Moral und Heimatland nicht weniger wichtig seien als Menschenrechte.

Willkommen in «Grossrussland» sind darüber hinaus alle, die mit der liberalen Demokratie abgeschlossen haben. Mit dieser Botschaft erreiche die russisch-orthodoxe Kirche ein gewisses Publikum in Europa und den USA, sagt Rimestad. «In Nordamerika gibt es beispielsweise eine kleine Gruppe von Leuten, die eher aus politischen als aus religiösen Gründen zum orthodoxen Christentum konvertieren.» Sie fühlten sich politisch abgehängt und fänden in der orthodoxen Kirche eine neue Heimat.

Ein Beispiel für diese Art von Konversion ist etwa der Vizepräsident der USA, J. D. Vance, der allerdings zum Katholizismus übergetreten ist. In einem Essay bezeichnet er seine Entscheidung als einen «Akt des Widerstands» gegen den «liberalen Mainstream» und dessen moralische Dekadenz.

Ein Argument wie aus dem Repertoire der russisch-orthodoxen Kirche – und nicht das einzige. In den Sozialen Medien bekundete Vance seine Sympathien für die ukrainisch-orthodoxe Kirche, die bis zum Kriegsbeginn Teil der russisch-orthodoxen Kirche war. Die ukrainische Regierung wirft ihr vor, den russischen Angriffskrieg zu unterstützen.

Rimestad sieht noch einen weiteren Grund für Kyrills Heiligen Krieg: einen Versuch zur Emanzipation. Beschränkte sich die russisch-orthodoxe Kirche bisher darauf, die ideologischen und politischen Argumentationen des Staates zu wiederholen, präsentiert sie mit der religiösen Rechtfertigung ein eigenes Produkt. Für Rimestad hält sich der Erfolg dieser Aktion allerdings in Grenzen: «Die russisch-orthodoxe Kirche bleibt eine Marionette des Staats.»

Aufmacherbild: KEYSTONE / HERITAGE IMAGES / © FINE ART IMAGES

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