Proust

Tom Kummer 56, Schriftsteller und Künstler

Tom Kummer, geboren in Bern, begann seine Karriere als Reporter und Hollywood-Korrespondent für das Magazin der «Süddeutschen Zeitung» und «Das Magazin». 2000 lösten seine teilweise inszenierten Interviews mit Stars einen Medienskandal aus. Kummer versteht seinen Schreibstil als Kunst. Im Frühjahr 2017 erschien sein Roman «Nina & Tom». Seit 2016 lebt er in Bern.
Die Seite wurde Ihrer Lesezeichenseite hinzugefügt. Klicken Sie auf das Menüsymbol, um alle Ihre Lesezeichen anzuzeigen. Die Seite wurde von Ihrer Lesezeichenseite entfernt.
Autor: Tom Kummer
Freitag, 08. Dezember 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Wenn meine beiden Söhne den Kontakt zu mir abbrechen würden.

Wo möchten Sie leben?

In der kalifornischen Wüste.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Der Moment, wenn das erste Kapitel zum neuen Roman fertiggeschrieben ist.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Menschliche Fehler.

Ihre liebsten Romanhelden?

Empfindsame Einzelgänger.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Kreative Chaotinnen.

Ihr Lieblingsmaler?

Rothko.

Ihr Lieblingskomponist?

Nick Cave.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Sensibilität.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Draufgängertum.

Ihre Lieblingstugend?

Loyalität. Ich war dreissig Jahre mit meiner Jugendliebe zusammen. Bis Nina starb.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Die Langeweile zelebrieren.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Entdecker und Förderer bedeutsamer Kunst.

Ihr Hauptcharakterzug?

Phantastisch-realistisches Denken.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Ehrlichkeit. Vergeben.

Ihr grösster Fehler?

Egomanie vielleicht.

Ihr Traum vom Glück?

Zweisamkeit. Familie. Kinder. Viel freie Zeit.

Was möchten Sie sein?

Ich bin Autor und Vater. Ich bin, was ich schon immer sein wollte.

Ihre Lieblingsfarbe?

Schwarz.

Ihre Lieblingsblume?

Kakteen jeder Art.

Ihr Lieblingsvogel?

Geier.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Grüne und rote Lichtlein, die im Parkhaus einen freien Platz signalisieren.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Raymond Carver.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Präsident Obama. Ich mag grosse Rhetoriker, Denker.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Joan Didion. Eine frühe Vertreterin des «New Journalism» – bei diesem Schreibstil wird Reportage mit persönlichen Erfahrungen, sozialen Analysen und mit phantastischem Realismus verbunden. Mein Ding.

Ihre liebste Filmfigur?

Travis Bickle in Taxi Driver.

Ihre Lieblingsnamen?

Jack und Henry und Cloe.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Morgenmelancholie.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Ich verachte niemanden.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Keine.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ja, aber es gibt sowas wie «göttliche Momente» und «sakrale Landschaften». Darum haben wir in der kalifornischen Wüste die Asche meiner Frau verstreut.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Schneller und noch intensiver schreiben.

Wie möchten Sie sterben?

In der Wüste. Langsam austrocknen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Unruhig, suchend, glücklich.

Ihr Motto?

Gib nie auf.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.