Leichte Sprache*

«Soll der Teufel doch ausrasten»

Übersetzung von Auszügen aus Zwinglis «Pestlied» von 1519
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Freitag, 11. September 2020

Im anfang der kranckheit
Ich fühl mich krank

Hilff, Herr Gott
hilff in dieser not!
Ich mein, der tod
sig an der thür;

Hilf mir Gott!
Mir geht’s schlecht.
Ich glaub ich muss sterben.

stand, Christe, für,
dann du jn überwunden hast!
Zuo dir ich gliff.

Hilf mir Christus.
Du bist doch auch mit dem Tod
fertig geworden!
Ich fleh dich an.

Ist es din will,
züch uss den pfyl,
der mich verwundt,
nit lasst ein stund
mich haben weder ruow noch rast!

Bitte mach diesen Schmerz weg.
Es tut so weh.
Ich kann nicht mehr schlafen.
Und ich kann überhaupt nicht mehr
entspannen.

Wilt du dann glych
tod haben mich
in mitz der tagen min,
so soll es willig sin.

Und wenn ich dann doch sterben muss:
Dann ist das auch okay.
Obwohl ich noch jung bin.

Thuon, wie du wilt; mach gantz ald brich!

Mach was du willst.
Du kannst mich gesund oder kaputt machen.

In mitten der kranckheit
Mir geht’s richtig schlecht

Tröst, Herr Gott, tröst!
Die Krankheit wachsst;
Wee und angst fasst
min seel und lyb.

Du musst mich jetzt trösten Gott!
Mir geht’s richtig beschissen.
Alles tut weh.
Und ich hab so Angst.

Nun ist es umb;
min zung ist stumm,
mag sprechen nit ein wort;
min sinn sind all verdort.

Ich glaub das war’s.
Ich kann nicht mehr sprechen.
Ich kann kein Wort mehr sagen.
Und ich schmecke und rieche und sehe
nichts mehr.

Darumb ist zyt,
das du min stryt
fuerist fürhin,
so ich nit bin
so starck, das ich
mög dapfferlich
thuon widerstand
des Tüffels facht und fräffner hand.
Doch wirt min gmuet
stät blyben dir, wie er joch wuet.

Darum musst du Gott jetzt für
mich kämpfen.
Ich hab keine Kraft mehr.
Ich kann nichts machen gegen den
bösen Teufel.
Und ich kann auch nichts machen gegen
seine Tricks.
Aber dich mag ich weiter.
Soll der Teufel doch ausrasten!

 

In der Besserung
Ich fühl mich besser

Gsund, Herr Gott, gsund!
Ich mein, ich ker
schon widrumb här.

Gott, ich bin gesund, gesund!
Ich glaub ich hab die Kurve gekriegt.

Wiewol ich muoss
des todes buoss
erlyden zwar ein mal,
vilicht mit grösserm qual,
dann yetzund wer
geschähen, her,
so ich sust bin
nach gfaren hin,
so will ich doch
den trutz und boch
in dieser wält
tragen frölich umb widergelt
mit hilffe din
on den nüt mag vollkommen sin.

Ich weiss irgendwann muss ich doch
sterben.
Und das tut vielleicht mehr weh als jetzt.
Aber jetzt will ich alles fröhlich ertragen.
Alles was im Leben schlecht läuft.
Und alles was im Leben weh tut.
Denn du hilfst mir dabei.
Mit dir ist alles super.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.