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«Manchmal läuft es in der Ehe nicht so gut»

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Freitag, 12. August 2022

Übersetzung von Auszügen aus der Publikation der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) «10 Fragen – 10 Antworten: Ehe, Elternschaft, Kinder aus evangelisch-reformierter Sicht», Kapitel 1: «Wie viel Gottesbund steckt im Ehebund?», Juni 2022.

Mit dem Bundesschluss (Ex 24) bindet sich Gott selbst an seine Schöpfung und macht die Geschöpfe zu seinen Bundes­partnerinnen und -partnern. Die segnende Kraft der göttlichen Zu­-wen­dung begegnet bereits im Schöpfungs­­segen (Gen 1,22.28). Nach dem Sündenfall erneuert Gott die gestörte Verbindung zwischen ihm und seiner Schöpfung durch einen Gnaden­bund (Noah-, Abrahams-, Sinaibund). In der geschichtlichen Welt verwirklicht sich das Bundesversprechen in Gottes immer neuen segensreichen Begegnung mit seiner Schöpfung.

Jeden Tag schliessen Menschen miteinander Verträge ab.

Zum Beispiel Arbeits-Verträge.

Oder Miet-Verträge.

Ein Vertrag ist eine Vereinbarung.

Das heisst: Zwei Parteien machen untereinander etwas ab.

Daran müssen sich beide Parteien halten.

Sonst ist der Vertrag gebrochen.

Menschen haben schon vor langer Zeit Verträge gemacht.

Auch in der Bibel gibt es so etwas wie Verträge.

Dort nennt man das: Bund.

Die Bibel erzählt von verschiedenen Bünden:

– Zwischen Gott und einem Volk.

– Zwischen Gott und einer bestimmten Person.

– Zwischen zwei Personen.

Ein Bund ist in der Bibel besonders wichtig:

Das ist der Bund zwischen Gott und dem Volk von Israel.

Gott hat das Volk von Israel gesegnet.

Gott hat zu dem Volk von Israel gesagt:

«Ich bringe euch in ein schönes Land.

Und ich will immer für euch da sein.»

Das Volk von Israel musste aber auch etwas tun.

Die Menschen von Israel mussten versprechen:

– Dass sie an Gott glauben.

– Dass sie die Gesetze von Gott befolgen.

Später hat Gott den Bund durch seinen Sohn Jesus erneuert.

Der Bund mit Gott galt jetzt auch für andere Menschen.

Und nicht nur für die Menschen von Israel.

Die Bibel erzählt und deutet die Mensch­heitsgeschichte als Bundesgeschichte, die alle Lebensbereiche umfasst. Für die reformierte Theologie gehören Ehe und Familie selbstverständlich dazu. Deshalb wird der Eheschluss zwar durch einen staatlichen Vertrag besiegelt, gründet aber in dem von Gott gestifteten Bund, um dessen Segen in der kirchlichen Trauung gebeten wird.

In der reformierten Kirche ist auch die Ehe ein solcher Bund.

In der Schweiz müssen Paare erst zivil-rechtlich heiraten.

Das heisst: Sie müssen aufs Standes-Amt.

Danach bekommen sie eine Heirats-Urkunde.

Damit anerkennt der Staat die Ehe.

Die Verheirateten haben nun bestimmte Rechte und Pflichten.

Zu einem Bund wird die Ehe aber erst in der Kirche.

In der Kirche sagen zwei Menschen vor Gott Ja zueinander.

Und sie bitten Gott um ihren Segen.

Damit erinnern sie an den Bund von Gott mit den Menschen.

«Bund» aus biblisch-theologischer Sicht meint wesentlich Begegnung: auf vertikaler Ebene von Gott und auf Gott hin und auf horizontaler Ebene zwischen den Geschöpfen. Merkmal der Bundesbeziehungen zwischen Gott und den Menschen und den Menschen untereinander ist die Treue. Sie zeigt sich in der immer neuen, hinwendenden und anerkennenden Begegnung, die an den Bund erinnert und ihn bestätigt. Der Bund markiert also keinen formalen Status, wie ihn der Ehevertrag herstellt, sondern eine eigene Praxis, die die Wirklichkeit der Ehe als immer neue Begegnung der Bundespartnerinnen und -partner konstituiert.

Der Ehe-Bund ist eine Gemeinschaft von zwei Menschen.

Diese Gemeinschaft soll das ganze Leben halten.

Das haben sich die Ehe-Leute so versprochen.

Darum müssen sie sich treu bleiben.

Sie sollen füreinander sorgen.

Und immer neugierig aufeinander bleiben.

Das ist aber manchmal schwer.

Der Alltag kann nämlich ziemlich stressig sein.

Vielleicht gibt es Ärger auf der Arbeit?

Oder die Kinder nerven?

Dann muss man sich um diese Dinge kümmern.

Und für den Partner bleibt nicht mehr viel Zeit.

Das sollte aber nicht zu lange dauern.

Sonst geht die Ehe schnell kaputt.

Manchmal verändert sich ein Ehe-Partner auch.

Zum Beispiel entdeckt er neue Hobbys.

Oder er hat plötzlich andere Pläne für sein Leben.

Dann kann es eine Krise geben.

Krise heisst: Es läuft nicht mehr so gut in der Ehe.

Dann müssen die Partner aufeinander zugehen.

Und sie müssen sich wieder entdecken.

Wie bei einer neuen Bekanntschaft.

Menschen gehen nicht einfach einen Bund ein. Vielmehr bringt der Bund die Menschen neu als Verbündete hervor. Der Gottesbund bildet kein theolo­gisches Schema für die Ehe, sondern die Ehe erscheint umgekehrt als ein Symptom des Gottesbundes. Beide Bünde bewähren sich in der Verbind­lichkeit der wiederkehrenden Begeg­nungen der dadurch verbundenen Menschen.

Die Ehe ist ein wichtiges Ereignis im Leben.

Die Ehe verändert die Menschen.

In der Ehe versprechen sich zwei Menschen:

Dass sie immer füreinander da sind.

Auch wenn es Krisen gibt.

Das ist ähnlich wie beim Bund mit Gott.

Auch im Bund mit Gott hat es Krisen gegeben.

Das Volk von Israel hat sich von Gott abgewendet.

Aber Gott ist den Menschen treu geblieben.

Und er hat an dem Bund mit den Menschen festgehalten.

Die Ehe-Partner müssen dieses Vertrauen auch haben.

Dann läuft auch die Ehe bald wieder besser.

  • N° 7/2022

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