Kuratiert von Romano Zerbini

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Freitag, 15. März 2019

Bild: Archiv Robert Lebeck, Berlin.

Lauter Männer! Die Fotografie zeigt heimgekehrte deutsche Kriegsgefangene an einer Willkommenszeremonie in Friedland 1955. Es sind Vertreter der wenigen Tausende von Millionen, die einst gegen die Sowjetunion in den Krieg gezogen sind. Es sind die wenigen Tausende von Hunderttausenden, die nun aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren.

Das Bild stammt von Robert Lebeck, einem der bekanntesten Fotoreporter im Nachkriegsdeutschland. Sein Werk verfügt über eine ungeheure Energie. Die Gesichter auf dieser Fotografie sprechen Bände.

Dem Krieg schenkt man sein Leben nur einmal. Man überlebt den Krieg oder man stirbt im Krieg. Die ihn überleben, tragen ihn fortan mit sich. Er wird Teil von ihnen und er wirkt in den Traumata weiter: ob in der Arbeit, in der Partnerschaft, im Vereinsleben, in der stetigen Beschäftigung, in der Depression, der Gewalt, dem Alkohol oder dem Rückzug. Nichts löst diese Verwicklung auf.

Lauter Männer – Täter und Opfer zugleich. Auch ihre Enkel tragen den Krieg in sich. Obschon sie, die Kriegsenkel, nicht einmal darum wissen. Und doch: Oft sind sie die ersten, die endlich wieder hinschauen, die die Geschichte wieder aufnehmen und erzählen können. Oft sind sie auch die ersten, die den Schmerz überhaupt wieder ertragen können.

Romano Zerbini ist Sohn eines italienischen Soldaten. Er ist in Zürich aufgewachsen und gründete die Photobastei, deren Direktor er bis heute ist. Der Ort am Sihlquai in Zürich sei «weder Museum noch Galerie, weder Offspace noch Auktionshaus, weder Establishment noch Avantgarde allein, sondern alles zusammen», wie er sagt.