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Autorin: La Lupa
Freitag, 01. März 2019

Das Bild L’Amore alla fonte della vita stammt aus dem Jahr 1896 und befindet sich heute in der Galleria d’Arte Moderna in Mailand. Bild: akg-images

Entdecke ich ein Bild, gesellt sich in meinem Kopf oft ein Lied dazu. So geht es mir auch beim Betrachten von Giovanni Segantinis Gemälde L’Amore alla fonte della vita. Zwei junge Menschen bewegen sich darauf eng umschlungen zu der engelhaften Figur am Fuss einer Quelle hin. Es ist die Quelle der Liebe, die die beiden aufsuchen.

Mich erinnert diese Szenerie an das Lied Era de maggio, es war im Mai. Geschrieben hat es der neapolitanische Poet Salvatore Di Giacomo. Das Gedicht besingt eine Liebe, die in einem Garten begann. In einer der Strophen erinnert sich der Liebende an den Brunnen, an dem er und seine Geliebte einst zueinanderfanden und wo sie wieder aufeinandertreffen. So wie das Wasser, das darin nie versiege, so versiege diese Liebe nie:

De te, bellezza mia, mme ’nnammuraje / si t’allicuorde, ’nnanz’a la funtana / Ll’acqua, llá dinto, nun se sécca maje, / e ferita d’ammore nun se sana

Für mich ist die Aussage von Segantinis Bild dieselbe wie die des Gedichtes: Die Liebe ist immer wieder neu. Sie mag sich verändern, erscheint in immer neuer Form, aber sie versiegt nie. Sie bleibt als Quelle des Lebens. Segantini hat die Liebenden mit diesem überirdischen, gleissenden Licht des Bergell umfangen, wie nur er es auf die Leinwand zu bannen vermochte. Er hat sie in Ewigkeit getaucht. Als Sinnbild für jede Liebe.

La Lupa, mit bürgerlichem Namen Maryli Maura Herz-Marconi, wurde im Tessin geboren und lebt seit bald 50 Jahren als Sängerin in Zürich. 1989 begann sie an den Tagen vor Karfreitag Klagelieder von der reformierten St.-Peter-Kirche und später vom Grossmünster zu singen. Diese sogenannten Lamenti stammen aus der Pestzeit aus Venedig und sollen an den Tod erinnern. Bis heute singt sie am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, in der Krypta des Grossmünsters. Am 18. März 2019 steht La Lupa mit dem Programm Ars Amandi auf der Bühne des Theaters am Hechtplatz. Das Stück kontrastiert die Liebesgedichte Ovids mit neapolitanischen Liedern.