Leichte Sprache*

«Die Pfarrer müssen alle gleich lieb haben.»

Übersetzung von Auszügen aus dem Text «Der Pfarrberuf», gefunden auf der Website bildungkirche.ch, der Aus- und Weiterbildungsplattform für reformierte Pfarrerinnen und Pfarrer
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Freitag, 09. Oktober 2020

Kernaufgabe eines Pfarrers oder einer Pfarrerin ist die Interpretation von biblisch-christlicher Tradition in jeweils lebensgeschichtliche Kontexte. Auf der einen Seite intellektuell anspruchsvoll, weil es gilt, anhand biblischer und theologischer Erkenntnisse das Leben, die Welt, die Liebe, die Hoffnung und das Vertrauen zu deuten. Es geht dabei immer um existenzielle Fragen von Menschen.

Die Pfarrerinnen wollen den Menschen mit der Bibel und dem Christentum helfen. Deshalb müssen die Pfarrerinnen die Bibel und das Christentum gut kennen. Denn die Menschen haben viele schwierige Fragen. Zum Beispiel wollen sie wissen: Was ist das Leben? Oder sie wollen wissen: Was ist die Liebe? Das ist auch für die Pfarrerinnen nicht einfach. Deshalb müssen die Pfarrerinnen viel nachdenken.

Auf der anderen Seite sind ausgeprägte kommunikative und soziale Fähigkeiten notwendig, um sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft zuwenden und sich ihrer annehmen zu können. Es geht darum, Anwalt oder Anwältin der Vielfalt zu sein. Vielfalt der Menschen und ihrer Glaubenswege.

Pfarrer müssen aber auch gut mit den Menschen reden können. Und sie müssen gut mit den Menschen umgehen können. Pfarrer kommen mit ganz verschiedenen Menschen zusammen:
– Mit jungen und mit alten.
– Mit armen und mit reichen.
– Mit gläubigen und mit nicht so gläubigen.
Die Pfarrer müssen alle Menschen gleich lieb haben. Und sie müssen für alle Menschen gleich da sein. Egal wie die Menschen sind.

Das klassische Einzelpfarramt wird seltener, die Arbeit im Team wichtiger. Längst nicht mehr jeder Pfarrer oder jede Pfarrerin wohnt in der Gemeinde, in der er oder sie arbeitet, und immer mehr von ihnen arbeiten Teilzeit. Die Zahl von Spezialpfarrämtern (Spital, Schulen, Gefängnis u. a.) nimmt zu. Es braucht für diese Aufgaben vielfältige Menschen.

Früher haben die Pfarrerinnen alles selber gemacht. Heute arbeiten die Pfarrer mit anderen Menschen zusammen. Manche Pfarrerinnen wohnen nicht mehr an ihrem Arbeits-Ort. Und manche haben daneben noch einen anderen Beruf. Es gibt heute Pfarrer an vielen verschiedenen Orten: Zum Beispiel in Spitälern, in Schulen und in Gefängnissen. Deshalb müssen Pfarrerinnen ein bisschen alles können.

Bereits heute fehlen den reformierten Kirchen der Deutschschweiz Pfarrerinnen und Pfarrer. Dieser Mangel wird sich aufgrund einer Pensionierungswelle in den nächsten 6 bis 12 Jahren massiv verstärken. Die Berufsaussichten für angehende Pfarrerinnen und Pfarrer sind entsprechend attraktiv.

Die reformierten Kirchen in der deutschen Schweiz haben ein Problem. In den reformierten Kirchen gibt es nicht genügend Pfarrerinnen. In ein paar Jahren wird alles noch viel schlimmer. Dann gehen viele Pfarrer nämlich in den Ruhestand. Deshalb dürfen junge Pfarrerinnen sich freuen. Denn sie finden immer eine freie Stelle.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.