
Klimaschutz hat gegenwärtig in der öffentlichen Debatte einen schweren Stand. Zuerst Corona, danach Kriege und Konflikte haben das Thema auf der politischen Agenda von den vordersten Plätzen verdrängt.
Nun mischen sich fünf Philosophinnen und Philosophen ein. Mit ihrem Buch «Besser um die Zukunft streiten» versuchen sie es – noch einmal – mit einem Appell an die menschliche Vernunft.
«Die Argumente aller Seiten ernst zu nehmen und kritisch, aber ergebnisoffen zu prüfen», sei «ein Geschäft, das die Philosophie seit Jahrhunderten pflegt und verfeinert», begründen sie ihren Beitrag im Vorwort.
Auf nur 136 Seiten wägen Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser und Christian Seidel zwanzig oft gehörte Thesen zu Klimaerwärmung und -schutz ab, von «Der Diskurs über den Klimawandel ist unerträglich moralistisch» über «Die Katastrophe lässt sich ohnehin nicht mehr aufhalten» bis zu «Im Alleingang kann ich ohnehin nichts bewirken».
Das selbst erklärte Ziel der Autorinnen: Konstruktiv über das Klima streiten.
Es ist vorhersehbar, wie das herauskommt. Die den Kapiteln vorangestellten Klima-Thesen werden eine um die andere wegargumentiert. So lautet einer der häufigsten Sätze im Buch: «So einfach ist es aber nicht.»
Trotzdem sind die Kurztexte wegen ihrer Klarheit und Allgemeinverständlichkeit lesenswert. Sie entlarven die Thesen gekonnt als das, was sie letztlich sind: Ausreden.
Erhellend ist das insbesondere dort, wo die Autorinnen und Autoren in ihrem Kerngebiet unterwegs sind; wenn es um Begriffe wie Moral, Gerechtigkeit oder Freiheit geht.
«Gäbe es noch Opernhäuser, Spitzensport und Feinkostrestaurants, wenn wir dauernd fragten, ob wir mit dem dafür nötigen Geld nicht Menschenleben retten oder Umweltschutz betreiben könnten?», fragen sie an einer Stelle, ehe sie philosophisch verhandeln, ob, wann und wie wir die Moralbrille ohne Skrupel absetzen dürfen – und inwieweit das einem glücklichen Leben zuträglich ist.
An anderer Stelle entzaubern die Autorinnen das gängige Freiheitsideal. Auf überraschende Weise zeigen sie auf, dass strikte Verbote manchmal freiheitsschonender sein können als «Marktinstrumente» wie steuerliche Anreize.
Wären beispielsweise Inlandflüge verboten, würde das Menschen mit kleinerem Budget weniger stark einschränken als eine CO2-Steuer auf alle Flüge. Denn eine zusätzliche Abgabe würde sie de facto vom Fliegen ausschliessen. Bei einem Teilverbot hingegen könnten sie sich nach wie vor den einen oder anderen Auslandflug leisten.
Wenn von Freiheit gesprochen werde, müsse immer die Frage gestellt werden, «welche Freiheiten genau gemeint sind», bilanzieren die Autorinnen und Autoren.
«Jene der Touristen, die gerne mehrmals im Jahr Ferien machen möchten? Oder jene der Einwohner von Inselstaaten, die wegen der Erderwärmung fürchten müssen, ihre von Überflutung bedrohte Insel zu verlieren?»
Wer auf Freiheit setze, müsse «die Freiheit aller meinen».
Solche Argumente sitzen. Sich an ihnen zu orientieren, wäre vernünftig, und man würde sich wünschen, dass sachliche Diskussionen tatsächlich Blockaden in der festgefahrenen Debatte lösen könnten, wie es die Autorinnen in ihrem Nachwort schreiben.
Doch ein Aspekt wird im Buch fast vollständig übergangen: dass es nicht wenige Menschen und Organisationen gibt, die Klimaschutz einzig und allein darum torpedieren, weil sie rücksichtslos ihre eigenen Interessen verfolgen. Dagegen helfen auch die besten Argumente nichts.
Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser, Christian Seidel: «Besser um die Zukunft streiten». Hanser, 136 Seiten; 25.90 Franken.