Aus der Herzkammer

Basel

Die Seite wurde Ihrer Lesezeichenseite hinzugefügt. Klicken Sie auf das Menüsymbol, um alle Ihre Lesezeichen anzuzeigen. Die Seite wurde von Ihrer Lesezeichenseite entfernt.
Autor: Ramin Nikzad
Freitag, 14. August 2020

Zur Gestaltung des Arzt-Patienten-Gesprächs gibt es viele Theorien und Konzepte und Guidelines, und letztlich muss jede Ärztin ihren eigenen Modus finden, denke ich.

Grundsätzlich findet jedes Ärztinnen-Patientinnen-Gespräch im Spannungsfeld zwischen dem Innen und dem Aussen des Behandlungsraums statt.

Drinnen im Behandlungsraum sitzen zwei Menschen, die gern in Ruhe über alles reden wollen.

Draussen ist diese ekelhafte Welt, in der ganze Bevölkerungen medizinisch versorgt und Rechnungen bezahlt sein wollen.

Und so muss man als Arzt oder Ärztin einen Modus finden, um im Alltag nicht bankrottzugehen und, wenn möglich, nicht völlig wahnsinnig zu werden.

Ich habe in meiner Ausbildung das Basler Schema als das für mich geeignetste und sympathischste entdeckt und wende es seither recht erfolgreich an.

Im Basler Schema beginnt jedes Gespräch zwischen Patientin und Ärztin damit, dass der Arzt so lange schweigt und zuhört, bis der Patient aufhört zu reden.

In dieser Zeit kann der Arzt erfassen, worunter die Patientin leidet, wie sie ihr Leid erlebt, wie sie ihr Leid begründet, wie sie ihr Leid im Alltag beeinträchtigt, also im Beruf, in der Beziehung zu ihren Liebsten und in der Beziehung zu sich selbst.

Die Ärztin kann des weiteren erfassen, welches Heilmittel der Patient sich vorstellt und wie sich die Patientin das Gesundsein vorstellt.

Im Anschluss an dieses «Bühne frei» für den Monolog der Patienten sieht das Basler Schema vor, dass der Arzt medizinisch notwendige und klärende Fragen stellt, gefolgt von Angeboten der Ärztin an den Patienten, was Diagnostik und Therapie betrifft.

Aber diese zweiten, dritten und vierten Teile des Basler Schemas beziehen sich immer auf diesen ersten Teil, in dem der Arzt einfach das Maul hält und genau zuhört.

Ganz genau zuhört.

Und zu diesem ersten Teil gibt es eine interessante Studie, die untersucht hat, wie lange Patienten durchschnittlich reden, wenn man sie nicht unterbricht.

Was denken Sie?

Fünf Minuten? Sieben Minuten? Zwanzig Minuten? Eine Stunde?

Es sind neunzig Sekunden.

Und ich finde, die sind es wert.