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Autor: Marcel Laskus
Mittwoch, 17. April 2019

Herr Heuft, Sie sind praktizierender Arzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und ausserdem Theologe. Jeden Tag sitzen schwer erkrankte und traumatisierte Menschen vor Ihnen. Beten Sie für Ihre Patienten?

Ja. Wenn ich weiss, dass ein Patient in Not ist, kann es schon einmal vorkommen, dass ich ihn in meine Gebete einschliesse.

Wissen Ihre Patienten davon?

Nein, mein Glaube hat nichts zu suchen in der Sitzung mit Pa­tienten. Das ist meine persönliche Sache. Als Psychotherapeut muss ich meine religiösen Überzeugungen und Wertvorstellungen zurückstellen. Nur so erhält der Patient den nötigen Raum, damit eine Therapie überhaupt möglich ist.

Für Ihre Promotion in Theologie haben Sie Patienten zu ihrem Glauben befragt. Was interessierte Sie daran?

Mir fiel auf, dass vermehrt Menschen unsere Ambulanz aufsuchten, die unter einer schweren Krankheit litten und sagten: Wenn das schlimmer wird, dann fahre ich in die Schweiz. Das ist eine Chiffre für Sterbehilfe. Diese Äusserung kam jeweils rasch und selbst dann, wenn die Krankheit noch kaum Auswirkungen auf den Alltag des Patienten hatte. Die meisten waren noch weit von einer Pflegebedürftigkeit entfernt.

Zum Sterben in die Schweiz reisen, die Möglichkeit gibt es doch schon lange.

Das stimmt, aber vor zehn Jahren war das noch kein Thema. Diese Entwicklung war es, die mich neugierig machte: Ich wollte mit einer Studie herausfinden, ob religiöse Menschen besser mit körperlicher und psychischer Not umgehen können als eine Vergleichsgruppe in der Allgemeinbevölkerung. Zudem wollte ich wissen, wie Extremsituationen den Glauben oder die spirituelle Praxis eines Menschen verändern.

Und?

Es hat sich herausgestellt: Gar nicht. Den Patienten geht es zwar schlechter als den gesunden Menschen der Vergleichsgruppe, dennoch beten sie nicht automatisch mehr. Das hat mich überrascht. Ich ging davon aus, dass mehr Menschen der Annahme sind, mit Beten und Meditieren ihren Heilungsprozess unterstützen zu können.

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