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Bilder: Goran Basic
Freitag, 18. März 2022

Die Kirche Horgen ist eine meiner Lieblingskirchen», sagt Jasmin Schäfer. Man versteht die Bauingenieurin. Wer in das Gotteshaus eintritt, wähnt sich in einer Kathedrale. Durch Rundbogen- und Ovalfenster flutet das Licht der Sonne in den hohen Raum und beleuchtet die sakrale Ausstattung. Die imposante Orgel und die weisse Decke mit den prächtigen Stukkaturen. Die geschwungenen Emporen, die den ovalen Grundriss auf drei Seiten säumen, und das Kirchengestühl, das hufeisenförmig auf die Kanzel ausgerichtet ist.

Am Taufstein, im Zentrum der Kirche, stehen Jasmin Schäfer und Christoph Sigrist. Auch sie sind sichtlich beeindruckt von der Atmosphäre, die der Raum erzeugt – obwohl Kirchenräume für beide, auf ihre Weise, Alltag sind. Christoph Sigrist ist Pfarrer am Grossmünster in Zürich und Titularprofessor für Diakoniewissenschaften an der Universität Bern. Das Zusammenspiel und das Spannungsfeld zwischen Raum und Nutzung in der Diakonie ist einer seiner Forschungsschwerpunkte. Jasmin Schäfer hat für ihre Doktorarbeit an der ETH Zürich die Dachkonstruktionen von 43 reformierten Kirchen in sieben Deutschschweizer Kantonen untersucht. «Die Kirche Horgen ist ein architektonisches Meisterwerk», sagt sie.

Erbaut wurde sie von 1780 bis 1782. Den Auftrag dazu erteilte die reformierte Gemeinde dem Baumeister Johann Jakob Haltiner aus dem St. Galler Rheintal. Er erstellte sämtliche Pläne und übernahm auch die Bauherrschaft. «Damalige Baumeister waren Universalisten», sagt Jasmin Schäfer. «Der Beruf des Architekten entstand erst im ausgehenden 18. Jahrhundert.» Das Material, das Haltiner für den Bau der Kirche brauchte, besorgte die Gemeinde Horgen. Gestein und Bauholz liess sie aus den Steinbrüchen und den Wäldern der näheren Umgebung heranschaffen und dann von ihrem Güterumschlagplatz am Zürichsee aus weiter-transportieren. «Um den Bau schneller voranzutreiben, musste sich jedes männliche Gemeindemitglied verpflichten, 15 Tage lang am Kirchenbau mitzuhelfen», erzählt Schäfer.

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