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Donnerstag, 10. April 2025

Wenn ein geflicktes Kleid aussieht wie ein Designerstück, wenn ein farbiges Muster das Loch an der Hose versteckt oder an der Bluse ein neuer Ärmel die Blicke auf sich zieht, dann spricht man von «visible mending». Die geflickte Stelle wird bei dieser Technik nicht versteckt, sondern geschmückt und ausgestellt. Was seit ein paar Jahren als neuer, nachhaltiger Trend gefeiert wird, ist für die 35-jährige Sara Liz Marty seit über einem Jahrzehnt Teil ihrer Arbeit. Und schuf die Basis für ihre Projekte als Künstlerin.

Es war eine Dozentin an der Kunsthochschule im englischen Bath, die ihre Leidenschaft für das Reparieren von Textilien weckte. Bald jedoch wuchs die rein praktische, materielle Auseinandersetzung mit dem Thema in eine theoretische – eine Alternative zu Konsum. Sara Liz Marty nennt das Flicken «einen schweigsamen, aber rebellischen Akt in unserer kapitalistischen Gesellschaft».

Wir treffen sie in der Küche ihrer Ateliergemeinschaft im Zuger Industriequartier. Hier, in dem Raum mit Schachbrettboden und improvisierten Zwischenwänden, serviert sie Tee. Marty wurde im Kanton Zug geboren und wuchs auch hier auf. Als Kind wollte sie Gärtnerin werden oder Floristin. In diesen Berufen, stellte sie sich vor, würde sie ihre Kreativität ausleben können. Im Gymnasium entschied sie sich jedoch dafür, Kunst zu studieren, und nach der Matura absolvierte sie den Vorkurs an der Kunsthochschule Luzern.

Die Tochter legt ihren Kopf auf die Schulter der Mutter: «Lean on Me» heisst die Aufnahme. Sie ist Teil von Martys Ausstellung «Forget Me Not». (Bild: Sara Liz Marty)

Bald schon schälte sich eine Leidenschaft für textiles Arbeiten heraus. «Das war das beste Jahr überhaupt», sagt Marty rückblickend. Als «bestes Jahr» oder «beste Jahre» wird sie auch ihre Studienjahre in England bezeichnen. Dort, in Somerset, an der Bath Spa University studierte sie Textildesign mit Schwerpunkt Stricken und schloss 2014 ihren Bachelor ab.

London: Kleines Budget und grosse Labels

Gemeinsam mit ihrer damaligen Partnerin zog Marty anschliessend nach London. Noch konnte sie sich allerdings nicht entschliessen, in der pulsierenden Modemetropole den Master zu machen. Zu sehr schreckten sie die Geschichten ab, die sie von der Uni zu hören bekam. Es herrsche eine Kultur des Fressens oder Gefressenwerdens. Dieses Konkurrenzverhalten in einer Branche, die von riesigen Budgets und noch riesigeren Egos beherrscht wurde, war nichts für die Designerin. Zudem begann sie zu diesem Zeitpunkt auch immer stärker zu stören, wie die Fashionindustrie mit Ressourcen umging.

Vieles passte nicht zu den Werten, die sie vertritt und lebt. «Nachhaltigkeit ist für mich ein alltäglicher Wert, den mir meine Eltern mitgegeben haben, die mit sehr viel weniger aufgewachsen sind als ich», sagt sie. Es gehe ihr um einen sparsamen und wertschätzenden Umgang mit den Dingen, die man besitze.

Davon hatte sie in den ersten Jahren in London nicht viel. Sie lebte von Monat zu Monat, hatte kaum Geld. «Es erging mir wie allen in London, die nicht gerade im Bankenwesen arbeiten», sagt Marty. Manchmal war sie so knapp bei Kasse, dass sie kaum die Miete bezahlen konnte für die Wohnung, die sie mit ihrer Partnerin in einem heruntergekommenen Haus weit weg vom Zentrum bewohnte.

Es war eine intensive Zeit. Sie strickte und häkelte für eine Strickdesignerin, das Label gewann Preise und zeigte jedes Jahr zwei Kollektionen an den Fashion Weeks in London und Paris. Dann folgten Freelance-Engagements für kleine, familiäre und nachhaltige Marken, und zwischendurch produzierte sie für bekannte Labels wie Alexander McQueen oder Céline. «Doch mir war klar, dass in meinem Kopf noch viel anderes gärte als Handarbeit», sagt sie.

Fashion Futures: Nachhaltigkeit im Blick

Sie hatte ein Auge auf Eindhoven und Antwerpen geworfen. Sowohl in den Niederlanden wie in Belgien gab es eine grosse Designszene, die stark auf Nachhaltigkeit fokussierte. Trotzdem blieb sie in London – ein Masterstudiengang hatte ihr Interesse geweckt: Fashion Futures an der Londoner University of the Arts. «Hier wurde Kleidung ins Zentrum von gesellschaftspolitischen und sozialkritischen Diskursen gestellt.»

Es ging darum, in der Modebranche etwas zu verändern. Man arbeitete mit neuen Technologien und bekam auf Fragen nach der Absurdität des gesellschaftlichen Konsums und seine Grenzen kreative Antworten. «Genau das interessierte mich», sagt Marty. Ausserdem war sie sicher, dass ihr diese Ausbildung lukrative berufliche Möglichkeiten eröffnen würde – in beratender Funktion bei grossen Fashionunternehmen zum Beispiel.

Doch es kam anders. «Während des Studiums begann ich immer mehr zu experimentieren und merkte, dass meine Ideen viel eher in Richtung Kunst gehen. Mir war natürlich klar, dass ich mir das Leben damit schwieriger machen würde», sagt Marty. Sie rückt ihre grosse runde Brille zurecht und grinst. Bereut hat sie den Entscheid bisher nicht.

Mit einem ihrer Projekte war sie im vergangenen Jahr an die Dutch Design Week in Eindhoven eingeladen. Dort fiel ihr einmal mehr auf, wie sich Menschen im Modebusiness bewegen. Viele arbeiten sich ellbögelnd von einem grossen Label zum nächsten. Marty schüttelt sich: «Das bin nicht ich. Und trotzdem fasziniert mich diese Welt.» Deshalb reagiert sie auch allergisch, wenn Leute sagen: «Das sind doch bloss Kleider.» – «Das ist Humbug» sagt sie, «Kleider sind so viel mehr als Mode.»

Jeder Entscheid, den man am Morgen vor dem Kleiderschrank treffe, sende Signale an das Umfeld aus. Kleidung reflektiere die Zeit, die Politik, die Gesellschaft, in der wir uns bewegen. Sie sei ein Mittel, um sich zu zeigen, um Individualität oder Zugehörigkeit auszudrücken. Sie könne dazu dienen, sich zu präsentieren oder sich zu schützen.

Und immer wieder die Frage: Was jetzt?

Mit dieser Thematik, mit der Frage, wie Identität durch Kleidung und Styling gezeigt werden kann, befasste sie sich in ihrer Masterarbeit. Sie trägt den Titel «Filling the Void» – die Leere füllen. In der queeren Community Londons, in der sich auch Marty aufgehoben fühlte, porträtierte sie bisexuelle Menschen, die sich mit ihrer Rolle auseinandersetzen und mit der Frage, wie Kleidung ihre Identität und ihr Wohlbefinden beeinflusst.

Aus der Masterarbeit entwickelte sie eine Ausstellung zur Frage: Wann fühle ich mich komplett? Sie zeigte textile, unvollständige Porträts, die sie mit Textauszügen aus den vorausgegangenen Gesprächen verband. Wer die Werke betrachtet, erkennt: Ob textiles Objekt oder Mensch – Marty geht es um das Sichtbarmachen von Unvollständigkeit, um das Ausstellen und Schmücken der Lücke.

2020 schloss Sara Liz Marty den Master mit Auszeichnung ab, trennte sich von ihrer Partnerin und stand erneut vor der Frage: Was jetzt? Sie entschloss sich, nach zehn Jahren in England ein paar Monate bei ihrer Familie zu verbringen und ihre kleinen Neffen besser kennenzulernen, die in den vergangenen Jahren auf die Welt gekommen waren. Als sie in die Schweiz reiste, war sie überzeugt, dass sie schon bald wieder nach England zurückkehren würde. Sie hatte bereits erste Schritte eingeleitet, um den englischen Pass zu bekommen. Doch dann kam Corona. Ihre Mutter wurde krank, sie verliebte sich, und irgendwann war klar, dass sie für die nächsten Jahre hierbleiben würde.

Heute ist sie in Zürich zu Hause. Sie hat dort eine kleine, hübsche Dachwohnung gefunden und in Zug ein Atelier, das sie sich mit anderen freischaffenden Personen teilt. «Das Atelier ist Gold wert. Wie eine kleine Familie», sagt sie. Sie schätze die Multidisziplinarität ihrer Atelier-Gspändli, die gemeinsamen Mittag- und Abendessen, den Austausch und das gegenseitige Aushelfen.

Zug: Eine Bekanntschaft wird zum Glücksfall

Obwohl sie einen Grossteil ihres Lebensunterhalts bei einer Outdoormarke als Managerin für Unternehmensverantwortung verdient, versteht sich Marty seit ein paar Jahren klar als Designerin und Künstlerin. Das hat mit einer Begegnung im Jahr 2022 zu tun. Damals wurde sie von der Kunstpause, einer Plattform für die Förderung von junger Kunst, angefragt, ob sie ihr Masterprojekt «Filling the Void» in der Zuger Chollerhalle ausstellen wolle.

Dort fielen ihre Arbeiten dem Galeristenpaar Gert und Gaby Billing auf. Ohne zu zögern, boten sie ihr noch vor Ort eine Solo-Ausstellung in ihrer Galerie an. «Ich dachte, es handle sich um ein Missverständnis», sagt Marty. «Ich versuchte, ihnen zu erklären, dass ich nicht Kunst studiert hatte. Doch sie meinten nur: Das interessiert uns nicht, denn was du machst, ist Kunst.»

Die Ausstellung in der Galerie Billing war ein Glücksfall. Das Einzige, was feststand, war das Datum der Vernissage. Alles andere liess das Galeristenpaar offen. Marty packte die unverhoffte Chance und machte sich daran, ein Projekt zu verwirklichen, das sie seit einer Weile beschäftigte: zusammen mit ihrer Mutter eine Arbeit machen. Anlass dafür war die Diagnose Demenz, welche die Mutter zwei Jahre zuvor bekommen hatte. Thema der Arbeit: Identität – was bleibt von uns, wenn wir beginnen, zu vergessen? Wie verändern wir uns, wie verändern sich unsere Beziehungen, wenn wir an Demenz erkrankt sind?

Wie kleiden sich queere Menschen, um sich erfüllt und komplett zu fühlen? Dieser Frage ging die Künstlerin und Designerin in ihrer Arbeit «Filling the Void» nach. (Bild: Sara Liz Marty)

Weil die Künstlerin noch nicht wusste, wie sie die Identitätssuche visualisieren wollte, gingen Mutter und Tochter erstmal zusammen spazieren. «Wir sprachen darüber, was sich für sie verändert, welche Auswirkungen das Vergessen auf ihre Identität hat. Und was zwischen uns, aber auch in der Familie geschieht, wenn sie ein Stück weit ein anderer Mensch wird.»

Die Gespräche zwischen den beiden drehten sich auch darum, was man von den Eltern übernimmt, wie ähnlich man ihnen ist, obwohl man sich oft vornimmt, anders zu sein. Ihre Mutter sei manchmal sehr ängstlich, sagt Marty. «Bei einem unserer Gespräche sagte sie plötzlich, auch ihre Mutter sei oft ängstlich gewesen, so habe sie nie werden wollen.» Marty lacht. Sie habe auf diesen Spaziergängen viel Neues über ihre Mutter gelernt. Irgendwann sei ihr klar geworden, dass die Arbeit mehr umfassen soll als Porträts – sie wollte die Beziehung zwischen ihnen zeigen.

Also wurde der Vater eingebunden, um digitale 3D-Aufnahmen von Ehefrau und Tochter zu machen. «Bei dieser Technik muss man exakt den richtigen Winkel erwischen, man muss dreimal rundherum und von oben und unten filmen. Mein Vater aber hatte die Technik nicht im Griff, die Aufnahmen wurden unvollständig – fehlerhaft», sagt Marty. Sie habe sich ziemlich aufgeregt. Doch als sie die Bilder nochmals betrachtete, erkannte sie: Genau so müssen sie sein. Einmal mehr war die Lückenhaftigkeit perfekt.

Marty reduzierte die 3D-Visualisierungen, verpixelte sie und verarbeitete einen Teil davon textil. Grosse gestickte Bilder sind entstanden, die zeigen, wie Mutter und Tochter im Schneidersitz auf dem Boden sitzen, die Tochter legt ihren Kopf auf die Schulter der Mutter. Ein anderes Bild zeigt die Mutter, die im Garten zwischen den Pflanzen fast verschwindet. «Forget Me Not», Vergissmeinnicht, nennt sie die Ausstellung in der Galerie Billing.

Auf diesen Titel bringen sie die Blumen, die auf den Spaziergängen mit der Mutter den Weg säumten. Marty zeigt Arbeiten mit einer unverwechselbar eigenen, lückenhaften Bildsprache, entstanden aus der Kombination von inhaltlicher Auseinandersetzung, handwerklicher Technik und neuer Technologie. Aus einigen der gestickten Bilder hängen lange Fäden. Aus anderen textilen Porträts wachsen kleine Wollpuschel und fügen sich wie Pixel zu einem Bild zusammen. Es ist eine eigene Art der Abstraktion.

Ein derart persönliches Familienthema in die Öffentlichkeit tragen, aus dem Schicksalsschlag Kunst machen – ist das nicht zu privat? Natürlich habe sie diese Frage zu Beginn der Arbeiten umgetrieben, sagt Marty. Doch als Künstlerin ziehe sie Inspiration vor allem aus den Themen, die sie persönlich am stärksten beschäftigen. «Das Persönlichste ist doch das Universellste», sagt sie. Das habe sie schliesslich auch in der Ausstellung erlebt. «Ich habe mit so vielen Menschen geweint, auch mit solchen, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte.»

Mit Besucherinnen, die weder Marty noch ihre Mutter und auch nicht die Krankheit kannten, sich aber dennoch mit dem Gefühl identifizieren konnten, das die Bilder vermitteln. Weil sie um einen Menschen trauerten oder sich damit auseinandersetzen mussten, dass sie bald jemanden Geliebten verlieren würden. «Wir verbinden uns über diese emotionalen Themen, die alle betreffen», sagt Marty.

Knochenarbeit: Einen eigenen Weg gehen

Sosehr Sara Liz Marty sprudelt, wenn sie von ihrem Engagement erzählt, so sehr wird auch ihre selbstkritische Seite im Gespräch spürbar. An diese erinnert sich auch Dora Stähli, ihre ehemalige Lehrerin im Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten an der Kanti Menzingen. «Sara dachte lange, begabt zu sein, bedeute, die Natur möglichst gut abbilden zu können», sagt Stähli, die sich gern an ihre damalige Schülerin erinnert, «doch die Schönheit liegt nicht im Schönzeichnen.»

Sie sei überrascht gewesen, als sie die Ausstellung «Forget Me Not» in der Galerie Billing besuchte. «Sie ist etwas Neues, definitiv kein Déjà-vu. Ich sehe, dass Sara eine äusserst sinnliche Abstraktionsebene entwickelt hat, dass sie einen eigenen Weg geht – das ist die grösste Knochenarbeit in der Kunst.»

Die zahlt sich aus. Sara Liz Marty hat ein Zentralschweizer Atelierstipendium gewonnen und fliegt im Herbst nach New York. Vier Monate lang wird sie in Manhattan leben, neue Eindrücke gewinnen, neue Leute kennenlernen. «Ich freue mich auf neue Begegnungen, auf Reaktionen auf meine Arbeiten. Das gibt mir viel Energie», sagt sie und stützt ihren Kopf auf die mit Ringen geschmückten Hände.

Sie hat eine einnehmende Art. Ihre Sprache, hörbar geprägt von zehn Jahren England, erhält durch die Verwendung gewisser eingedeutschter Formulierungen eine eigene Poesie. So taucht beispielsweise das Wort «roh», abgeleitet von der englischen Vielbedeutung «raw», immer wieder auf, vor allem wenn sie von Kunst spricht.

«Common Goods»: Jacken zum Teilen

Eine gewisse Rohheit ist auch ihrem neusten Projekt eigen, einer Kooperation mit der Fashionspezialistin Nadja Zürcher. Marty lernte sie 2021 an der Designmesse in Winterthur kennen. Die Lehrerin für Bildnerisches und Textiles Gestalten aus dem zugerischen Baar und die Künstlerin aus Zug erkannten schnell, dass ihre Begegnung Potenzial für ein gemeinsames Projekt birgt.

Zürcher erzählte Marty von Matteo Gehringer, einem Tessiner, der das über 100-jährige Handwerk des Blaudrucks von seiner Grossmutter erlernt hat und als einer von wenigen noch heute beherrscht. Der Meister des traditionellen Handwerks, das auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes steht, druckt eine farbresistente Paste, die sogenannte Pappe, durch geschnitzte Holzmodel auf Leinen- oder Baumwollstoff. Anschliessend taucht er den Stoff in ein blaues Bad, das seine Farbe von den Pigmenten der Indigostrauch-Blättchen bekommt. Die Stellen, die von der «Pappe» bedeckt sind, bleiben ungefärbt – es entsteht ein weisses Muster auf blauem Grund.

Marty war begeistert. Zusammen mit Zürcher startete sie eine gemeinsame Arbeit mit Gehringer. «Common Goods» nennt sich das Projekt, das nicht nur die Tradition des Blaudrucks zeigen will, sondern auch den aus dem Ruder gelaufenen Kleiderkonsum unserer Gesellschaft thematisiert. Im Fokus des Projekts stehen acht Jacken aus schwerem Leinen, mit klaren, reduzierten Schnitten und abstrakten weissen Mustern auf Tessiner Blaudruck-Grund. Zum Verkauf stehen die einzigartigen Stücke nicht. An Ausstellungen oder Messen im In- und Ausland kann das Publikum die «Wanderobjekte» anprobieren und über die Common-Goods-Website für eine zweimonatige Miete reservieren.

Ihre Arbeit umfasst Kunst, Design und Flicken

Zürcher und Marty ergänzen sich gut. Sie sei eher der Anker, der das Projekt am Boden halte, sagt Zürcher. Sara sei für das Verfeinern zuständig und dafür, beständig dranzubleiben. «Sie ist eine Ideenquelle, sieht immer eine ganze Flut an Möglichkeiten.» «Das ist tatsächlich so», sagt Marty. Das führe aber auch dazu, dass ihr die Gewichtung manchmal schwerfalle. Kunst, Design, Flicken – ihre Arbeit umfasst alle drei Teile. «Oft hatte ich in den vergangenen Jahren das Gefühl, einen davon aufgeben zu müssen, um mich stärker auf die anderen konzentrieren zu können.»

Schliesslich jedoch erkannte sie, dass alle drei Teile zu ihr gehören und dass es eine Bereicherung ist, sich in allen zu bewegen. «Es entsteht eine Reibung und eine gegenseitige Ergänzung.» Besonders das Flicken – obwohl am «wenigsten sexy», wie sie sagt – mache noch immer einen grossen Teil ihrer künstlerischen Arbeit aus und bringe sie vom ganz Praktischen, der Arbeit mit den Händen, auf immer neue Ideen.

«Ich bin meine Kreationen. Vielleicht»

Jeanine Osborne zeichnet und malt, schreibt und singt. Einige ...

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