Leichte Sprache*

«Wir lassen uns das wegen der ‹Ehe für alle› nicht kaputt machen»

Übersetzung von Auszügen aus dem Positionspapier «Kirchliche Trauung für alle? Zum Gespräch zwischen Landeskirche und evangelischen Gemeinschaften», verfasst von den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und den evangelischen Gemeinschaften EGW, jahu und Vineyard aus dem Jahr 2021.
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Freitag, 17. September 2021

Auch zwischen der Landeskirche und den evangelischen Gemeinschaften bestehen in der Frage des kirchlichen Umgangs mit gleichgeschlechtlicher Liebe im Blick auf die Eheschliessung deutliche Differenzen (…). Beide Seiten sehen, dass die Thematik das Potential hat, ihre guten Beziehungen zu belasten. Gleichzeitig betrachten sie es als ihre Aufgabe, gerade angesichts des langen und vertrauensvollen gemeinsamen Unterwegsseins Möglichkeiten der Verständigung zu suchen. Sie sind überzeugt, dass der bisherige Weg sie dazu verpflichtet, auch bei dieser anspruchsvollen Frage beieinander zu bleiben und (…) ein geschwisterliches Miteinander zu leben.

In der Schweiz gibt es verschiedene christliche Kirchen.
Eine davon ist die Evangelisch-reformierte Kirche.
Evangelisch-reformiert ist eine bestimmte Glaubens-Richtung.
In fast jedem Kanton gibt es eine Evangelisch-reformierte Kirche.
Die Evangelisch-reformierten Kirchen sind von den Regierungen von den Kantonen anerkannt.
Darum heissen sie auch: Landes-Kirchen.
Eine der grössten Landes-Kirchen sind die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.
Dafür gibt es eine Abkürzung:
Ref-be-ju-so.
Zu Ref-be-ju-so gehören Kirch-Gemeinden aus drei Kantonen:
Aus Bern, Jura und einem Teil von Solothurn.
Neben Ref-be-ju-so gibt es aber noch weitere evangelische Gemeinschaften in diesem Gebiet.
Diese Gemeinschaften haben mit Ref-be-ju-so vieles gemeinsam.
Beide glauben: Das Wort von Gott ist nur in der Bibel zu finden.
Ref-be-ju-so und die Gemeinschaften sind sich aber nicht immer einig.
Zum Beispiel denken sie unterschiedlich über die Ehe für alle.
Ehe für alle heisst: Dass auch zwei Männer oder zwei Frauen heiraten können.
Bis heute dürfen in der Schweiz nur ein Mann und eine Frau heiraten.
Im September stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Ehe für alle ab.
Sagt das Volk Ja: Dann darf ein Mann auch einen Mann heiraten.
Oder eine Frau eine Frau.
Die Paare dürfen aber vorläufig nur zivil heiraten.
Zivil heisst: Auf dem Standes-Amt.
Vielleicht wollen sie aber auch in der Kirche heiraten?
Darüber müssen die Kirchen selber entscheiden.
Ref-be-ju-so und die evangelischen Gemeinschaften haben dazu total unterschiedliche Meinungen.
Und das macht beiden grosse Sorgen.
Bis jetzt haben sich Ref-be-ju-so und die evangelischen Gemeinschaften nämlich gut verstanden.
Und sie hatten immer grosses Vertrauen zueinander.
Darum sagen sie jetzt: Wir lassen uns das wegen der Ehe für alle nicht kaputt machen.
Wir wollen einander gut zuhören.
Und wir wollen die andere Seite verstehen.
Dann können wir auch in Zukunft zusammen bleiben.
Ein bisschen so wie Bruder und Schwester.

Wir sind uns (…) einig, dass unsere Haltung zur Ehe und kirchlichen Trauung für alle sich am biblischen Zeugnis zu orientieren hat. Wir stellen fest, dass sich innerhalb der evangelisch-reformierten Kirche wie auch in den evangelischen Gemeinschaften «ein breites Spektrum von Methoden der Bibelauslegung» findet.

Ref-be-ju-so und die evangelischen Gemeinschaften haben lange über die Ehe für alle nachgedacht.
Dazu haben sie viel in der Bibel gelesen.
Dort wollen sie Antworten auf ihre Fragen finden.
Für Ref-be-ju-so und die Gemeinschaften ist die Bibel nämlich ganz wichtig.
Die Bibel sagt den Menschen:
Ihr sollt so und so leben.
Daran wollen sich auch Ref-be-ju-so und die Gemeinschaften halten.
Aber sie haben schnell gemerkt:
Die Bibel gibt nicht auf alle Fragen eine klare Antwort.
Und jeder versteht sie ein bisschen anders.
Das kann zu Streit führen.

Trotz dieser «fundamentalen» Differenzen sprechen wir einander in Bezug auf das Bibelverständnis die Ernsthaftigkeit nicht ab. Wir anerkennen, dass selbst dann, wenn unser Gegenüber zu anderen Ergebnissen kommt, auch dessen Lektüre der Bibel vom Bemühen um das Erkennen der Verheissung und des Willens Gottes bewegt ist.

Ref-be-ju-so und die Gemeinschaften wollen darüber aber nicht streiten.
Denn sie wollen weiter gut miteinander auskommen.
Darum sagen sie nicht zueinander: Ihr habt die Bibel falsch gelesen!
Oder: Wir haben die Bibel viel besser verstanden!
Sondern sie sagen: Wir haben die Bibel anders gelesen als ihr.
Aber ihr habt euch beim Lesen auch viel Mühe gegeben.

Wir sind überzeugt, dass es möglich ist, auch über solche Differenzen hinweg geschwisterlich beisammen zu bleiben, weil wir uns als durch Christus verbundene Schwestern und Brüder zu sehen vermögen. Deshalb wollen wir Schwierigkeiten als Ansporn zum noch aufmerksameren Hören auf Gottes Wort und zum noch besseren gegenseitigen Verstehen nehmen.

Die Menschen von Ref-be-ju-so und von den Gemeinschaften sehen sich als Brüder und Schwestern.
Denn sie sind durch den Glauben an Jesus verbunden.
Darum halten sie immer zusammen.
Auch wenn sie unterschiedliche Meinungen haben.
Unterschiedliche Meinungen haben ist manchmal sogar gut.
Dann muss man noch genauer auf das Wort von Gott hören.
Und man muss dem anderen besser zuhören.
Dadurch fühlt man sich noch stärker verbunden als vorher.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.