Leichte Sprache*

«Vielleicht sind die Mitarbeitenden wegen den Chefs so schwierig? Dann müssen die Chefs über sich nachdenken»

Übersetzung von Auszügen aus der Onlinehilfe für Aargauer Kirchgemeinden «WikiRef», Abschnitt «Konflikte in der Kirchenpflege»
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Freitag, 12. November 2021

Wo Menschen miteinander reden, arbeiten und planen, kommt es nebst allen schönen Begegnungen auch zu Missverständnissen, Meinungs­verschiedenheiten, Streit und Ausein­andersetzungen. Unterschiedliche Ziele, Vorstellungen und Wünsche treffen aufeinander. Solche « Auseinander-Setzungen » sind gelegentlich notwendig und wichtig, um Klärungen herbei­zuführen. Auch und gerade auch in der Kirche.

Jeden Tag begegnen wir vielen verschiedenen Menschen.
Mit einigen von ihnen arbeiten wir zusammen.
Das sind unsere Arbeits-Kollegen.
Mit den Kollegen zusammen sein ist meistens sehr schön.
Manchmal kann es aber zu Konflikten kommen.
Konflikt heisst: Wir haben ein Problem mit einer anderen Person.
Das kann viele verschiedene Gründe haben.
Vielleicht haben wir eine andere Meinung von einer bestimmten Sache.
Oder wir haben einander falsch verstanden.
Das kann zu einer schlechten Stimmung führen.
Oder zu Streit.
Konflikte sind aber nicht immer schlecht.
Aus Konflikten können wir etwas lernen.
Dazu müssen wir über unser Problem reden.
Und wir müssen unseren Kollegen gut zuhören.
Dann können wir sie besser verstehen.
Und die Arbeit zusammen macht wieder Spass.
Auch in der Kirche arbeiten viele Menschen zusammen.
Für diese Menschen ist die Bibel wichtig.
Dort steht: Die Menschen sollen einander liebhaben.
Darum sollen sich Mitarbeitende in der Kirche besonders viel Mühe geben.
Damit sie einander verstehen.
Und alle ein gutes Gefühl bei der Arbeit haben.

Konflikte können aber verletzend und zerstörerisch sein. Eine Konfliktsituation kann eine Kirchgemeinde enorm belasten und die Arbeit am eigentlichen Auftrag der Kirchgemeinde erheblich erschweren. Es gehört zu den grossen Herausforderungen für die Kirchen­pflege, das notwendige Mass an Auseinandersetzung zuzulassen und zu pflegen und gleichzeitig die Eskalation von Konflikten zu verhindern.

In einer Kirch-Gemeinde arbeiten viele verschiedene Menschen.
Zum Beispiel: Die Pfarrerin.
Die Lehrer für Religion.
Der Sigrist.
Das ist der Hauswart von der Kirche.
Oder die Mitarbeitenden in den Büros.
Zwischen diesen Menschen kann es zu Konflikten kommen.
Meistens geht das schnell vorbei.
Und die Mitarbeitenden haben sich bald wieder lieb.
Manchmal gibt es aber richtig schlimmen Streit.
Dann sagen sich die Menschen böse Dinge.
Und tun einander sehr weh.
Das ist für die ganze Kirch-Gemeinde schlecht.
In einer Kirch-Gemeinde gibt es viele tolle Angebote.
Dafür müssen aber alle gut zusammenarbeiten.
Und es darf keinen schlimmen Streit geben.
Dafür müssen die Chefs von der Kirch-Gemeinde sorgen.
Sie müssen gut auf die Mitarbeitenden aufpassen.
Für die Chefs ist wichtig: Mitarbeitende dürfen manchmal auch streiten.
Und sie dürfen sich die Meinung sagen.
Aber sie dürfen einander nicht verletzen.
Das ist eine schwierige Aufgabe für die Chefs.

Probleme mit Mitarbeitenden müssen nicht zwingend zu Konflikten führen. Ein gutes Mass an Toleranz, ein Blick auf die Mitmenschen als Geschöpfe Gottes und eine gute Feedback-Kultur können helfen, einander mit allen Stärken und Schwächen anzunehmen. Wichtig sind auch Selbstreflexion und Selbstkritik der Kirchenpflege, denn Probleme mit Mitarbeitenden können auf Führungs- und Organisationsmängel hinweisen.

In jeder Kirch-Gemeinde gibt es schwierige Mitarbeitende.
Das ist normal.
Die Chefs sollen zu ihnen nicht zu streng sein.
Sie sollen sich sagen: Mitarbeitende sind auch nur Menschen.
Sie haben Stärken und Schwächen.
Und Gott liebt diese Mitarbeitenden auch.
Genau so wie die Chefs von der Kirche.
Die Chefs sollen aber auch viel mit den Mitarbeitenden reden.
Zum Beispiel wenn sie etwas gut gemacht haben.
Dann sollen die Chefs sagen: Das hast du toll gemacht!
Oder wenn sie einen Fehler gemacht haben.
Dann sollen die Chefs sagen: Du hast dir viel Mühe gegeben.
Du kannst das aber noch besser.
Vielleicht sind die Mitarbeitenden aber wegen den Chefs so schwierig?
Dann müssen die Chefs über sich selber nachdenken.
Und sie müssen anders mit den Mitarbeitenden umgehen.

Unterschiedliche Vorstellungen und Ziele, Werte und Frömmigkeitsprofile sollen ausgesprochen und diskutiert werden. Eine wertschätzende Auseinan­dersetzung, welche verschiedene Überzeugungen respektiert, erlaubt kreative Problemlösungen, auf die Einzelpersonen meist nicht kommen. Dabei geht es nicht um billige Kompromisse, sondern um einen Konsens, eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten.

Die Chefs sollen mit den Mitarbeitenden über alles reden.
So können sie die Mitarbeitenden gut kennenlernen.
Manche Mitarbeitende denken über viele Dinge anders als die Chefs.
Zum Beispiel über das Zusammenarbeiten.
Sie finden vielleicht: Wir wollen bei der Arbeit Spass haben.
Darum wollen wir mit den Kollegen viel lachen.
Auch der Glaube ist nicht für alle Mitarbeitenden gleich wichtig.
Manche Mitarbeitende lesen jeden Tag in der Bibel.
Sie sagen: In der Bibel steht schon alles geschrieben.
Daran dürfen wir nichts ändern.
Die Chefs sollen dafür Verständnis haben.
Dann vertrauen ihnen die Mitarbeitenden.
Und gemeinsam können sie viel einfacher Probleme lösen.
Sie dürfen es sich dabei aber nicht zu leicht machen.
Beide Seiten sollen zufrieden sein.
Sonst gibt es bald neue Probleme.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.

  • N° 10/2021

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