Leichte Sprache*

Viele sagen: Das Corona-Virus ist gut für die Kirche. Aber das ist dumm.

Übersetzung von Auszügen aus dem Papier «Ansteckungen: Die Corona-­Pandemie aus theologischer Sicht» der Evangelischen Kirche Schweiz.
Die Seite wurde Ihrer Lesezeichenseite hinzugefügt. Klicken Sie auf das Menüsymbol, um alle Ihre Lesezeichen anzuzeigen. Die Seite wurde von Ihrer Lesezeichenseite entfernt.
Freitag, 10. Juli 2020

Das Corona-Virus ist der grosse Gleich­macher. Es zeigt die grund­sätzliche Verletzlichkeit der Menschen: Vulnerabilität ist nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall.

Das Corona-Virus kann Menschen krank machen.
Mit dem Corona-Virus können sich alle Menschen anstecken.
Deshalb betrifft das Corona-Virus alle Menschen.
Von dem Corona-Virus können wir aber auch etwas lernen.
Wir können lernen: Alle Menschen sind verletzlich. Das ist normal.

Die kirchliche Botschaft lautet: Keine Vergötterung des Virus! Wenn das Virus unsere fundamentalen Überzeugungen von Mitmenschlichkeit, Empathie, Solidarität und Beistand untergräbt, opfern wir unsere Gemeinschaft auf dem Altar eines monströsen Corona-Gottes.

Die Kirche hat eine Nachricht.
Die Nachricht ist: Das Corona-Virus macht was es will.
Das Corona-Virus kann vieles kaputt machen.
Das Corona-Virus ist darum ein bisschen wie ein böser Gott.
Wir sollten ihm aber nicht gehorchen.
Denn der böse Gott macht das Zusammen-Leben kaputt.
Und das wollen wir nicht!
Deshalb müssen wir unser Zusammen-Leben vor dem Corona-Virus schützen.
Für unser Zusammen-Leben ist vieles wichtig:
– Dass wir füreinander da sind.
– Dass wir miteinander fühlen.
– Dass wir einander helfen.
Das geben wir nicht wegen dem Corona-Virus auf.

Und das geben wir auch nicht für einen bösen Gott auf.

Es wäre töricht, die Corona-Krise als «Chance» für die Kirche schönzureden, weil menschliche Not die Menschen in die Kirchen treibt. Eine Pandemie ist keine Chance, sondern für viele Betroffenen ein harter und leidvoller Gang durch die Wüste.

Wegen dem Corona-Virus geht es vielen Menschen schlecht.
Deshalb gehen mehr Menschen in die Kirche.
Denn die Kirche tut den Menschen gut.
In der Kirche sind darum viel mehr Menschen.
Darum sagen viele: Das Corona-Virus ist gut für die Kirche.
Aber das ist dumm.
Denn die Kirche ist jetzt nicht so wichtig.
Wichtig sind jetzt die Menschen.
Corona zu haben ist für viele Menschen wie in der Wüste zu sein.
In der Wüste gibt es keinen Schatten und kein Wasser.
Deshalb leiden die Menschen in der Wüste.
Auch wegen Corona müssen die Menschen leiden.
Die Kirche findet darum das Corona-Virus nicht gut.

In Ansteckungszeiten wächst die Sehnsucht nach einer Art Teflon­existenz, an der alle Kontaminierungen durch die Umwelt wirkungslos abperlen. Der Wunsch, zwar Nähe zu erleben, aber davon zugleich unbeeindruckt zu bleiben, geht nicht auf.

Mit dem Corona-Virus kann man sich anstecken.
Zum Beispiel beim Sprechen.
Oder beim Händeschütteln.
Aber die Menschen wollen nicht krank werden.
Deshalb möchten die Menschen am liebsten wie Teflon sein.
Teflon ist ein Kunst-Stoff.
Teflon hat eine besondere Eigenschaft: An Teflon bleibt nichts kleben.
Die Menschen denken: Wir wollen diese Eigenschaft auch haben!
Dann bleibt das Virus nicht an uns kleben.
Aber das ist keine gute Idee.
Denn die Menschen wollen mit anderen Menschen in Kontakt bleiben.
Und wenn sie wie Teflon sind geht das nicht.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.