Aus der Herzkammer

Schwarz

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Autor: Ramin Nikzad
Freitag, 19. März 2021

Von 1989 bis 1994 lernte ich das Klavierspielen von meinem lieben Klavierlehrer Schwarz in der Musikschule St. Pölten. Ich hatte danach noch einige andere Lehrer, und ich denke heute, dass Herr Schwarz didaktisch nicht besonders gut war. Aber ich verdanke ihm das Allerwichtigste, das Grundlegende für mein heutiges Klavierspiel:

Meine Liebe zum Klavier.

Meine Liebe zum Klavierspiel.

Am Klavier bin ich so glücklich wie nirgendwo sonst.

Ich kann heute mit vierzig sagen: Kein Mann hat mich im Bett je so glücklich gemacht, wie ein geglückter Debussy oder ein geglückter Mozart oder ein geglückter Schubert oder ein geglückter Bach mich am Klavier glücklich macht.

Das Klavierspiel ist mein grösstes Glück.

Denn beim Laufen oder beim Kochen oder beim Yoga oder beim Pilates und bei allen anderen sogenannten Freizeitaktivitäten, die ich je betrieben habe, konnte ich dennoch immer meinen Erinnerungen nachwassern, konnte ich dennoch immer meine Sorgen und Selbstzweifel vor mir herumjonglieren. Denn kein Mensch kann Edvard Griegs Nocturne am Klavier spielen und gleichzeitig an irgendetwas anderes denken, irgendeiner anderen Sache nachwassern als einzig und allein Griegs wundervoller Nocturne.

Oder am besten gesagt: Kann in irgendetwas anderem sein als in Edvard Griegs wunderbarer Nocturne.

Und so bin ich in nichts anderem als in Edvard Griegs wunderbarer Nocturne, wenn ich Griegs wunderbare Nocturne am Klavier spiele, und bin dann also gedankenlos und besinnungslos glücklich.

Na jedenfalls war mein Klavierlehrer Herr Schwarz didaktisch eine Katastrophe, aber all seine didaktischen Versäumnisse in Harmonielehre, Fingertechnik und Blattlesen et cetera konnte ich später mit meinen anderen Klavierlehrerinnen und Klavierlehrern nachholen.

Doch in dieser meiner Lebenszeit von 1989 bis 1994, als ich also 10 bis 15 Jahre alt war, hat mein lieber Lehrer Schwarz den Grundstein für meine grosse Liebe gelegt:

Die Freude und die Liebe am Klavierspiel.

Weil er mir wie niemand sonst vermitteln konnte, welch ein unendliches Abenteuer das Musikmachen ist. Weil er mir wie niemand sonst vermitteln konnte, dass die Musik nie aufhört, gemacht werden zu wollen.

Dass die Musik wie nichts anderes unendlich ist.

Dass nur die Musik unendlich ist.