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Darf man sich als Christenmensch darüber freuen, wenn Vermögende empfindliche finanzielle Einbussen erleiden müssen – etwa nach einem Banken-Crash? Für eine Rechtfertigung solcher Schadenfreude finden sich in der Bibel jedenfalls genügend Stellen. Jesus predigt: «Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.» Und er stellt klar, dass man entweder Gott oder dem Mammon dienen könne. Beides gehe nicht. Der Mammon wird fortan mit dem Adjektiv «schnöde» versehen, wird zum Dämon stilisiert, der von seinem Besitzer Besitz ergreift, Habgier und Geiz weckt.
Doch diese Verdammung der «Wurzel allen Übels» und die damit einhergehende Veredelung der Armut hat auch ihre Schattenseiten. Wer sich solch goldene Worte ausdenkt wie «Armut schändet nicht», dem fehlt es in der Regel an nichts. Und dass eine immer prunksüchtigere Institution wie der mittelalterliche Vatikan in Rom die Hungrigen auf das Jenseits vertröstete, wäre allein schon ein Grund für eine Reformation gewesen.
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