Proust

Regula Stämpfli 49, Politologin

Regula Stämpfli ist Politologin, Dozentin und Autorin. Sie lebt nach über zwanzig Jahren in Brüssel wieder in der Schweiz. In ihren Büchern und Kolumnen greift sie politische und philosophische Themen auf. Sie hält Vorträge und gehört zu den Top 100 der Schweizer Businessfrauen.
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Autorin: Regula Stämpfli
Freitag, 17. März 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Bevormundung jeglicher Art. Für meine Unabhängigkeit würde ich sterben.

Wo möchten Sie leben?

Ich bin Nomadin. Definitiv. München, wo ich öfters bin, ist schrecklich. Dafür Paris, Amsterdam, Antwerpen, Berlin, Brüssel, London, ja sogar Zürich: Diese Städte sind mir sehr nah.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Sex, Champagner und einfache Steuermodelle.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Alle. Ausser Verleumdung. Hier ein Gruss an meinen Wikipedia-Troll.

Ihre liebsten Romanhelden?

Susan bei Peer Hoeg, Katniss Everdeen (nur im ersten Buch), Percy Jackson, Odysseus, Harry Potter. Der Interessanteste? Der Grossinquisitor bei den Brüdern Karamasow.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Sophie Scholl.

Ihr Lieblingsmaler?

Mein verstorbener Freund Pascal Danz.

Ihr Lieblingskomponist?

Bach, wenn es mir gut geht. Beethoven, wenn es mir schlecht geht.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Son charme!

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Selbstvertrauen. Was leider viel zu selten vorkommt.

Ihre Lieblingstugend?

Anstand.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Denken.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Barack Obama 2008 bis 2010. Anders als er hätte ich diese grosse Chance für die demokratische Revolution genutzt. Er ist für mich der schlechteste US-Präsident aller Zeiten.

Ihr Hauptcharakterzug?

Schon fast schmerzhafte Intelligenz. Ich weiss, dass ich nichts weiss. Aber das ziemlich schnell.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie mir verzeihen, wenn ich so schnell bin.

Ihr grösster Fehler?

Ungeduld.

Ihr Traum vom Glück?

In einer Welt zu leben, in der Frauen lachen und Grund haben zu lachen. Ganz ehrlich? Die Welt ist nur dann glücklich, wenn endlich auch die Frauen glücklich sind.

Was möchten Sie sein?

Meine Hauskatzen.

Ihre Lieblingsfarbe?

Das Blau Hellas’.

Ihre Lieblingsblume?

Weisse Rosen in der Vase, Lavendel im Garten.

Ihr Lieblingsvogel?

Mein Freund M. G.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Die Schrödingergleichung: Sie ist die radikale Revision der Physik. Seitdem ist das Wesen der Welt ungewiss.

 Ihr Lieblingsschriftsteller?

Homer, was lustig ist, denn er war gerade kein «Schrift»-Steller, sondern eigentlich ein Liedermacher.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Asli Erdogan, Cem Dündar, Edward Snowden. Meine Freundin L. K. und Will Kern.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Rosa Parks, Lilian Lenton, Rosa Luxemburg, Olympe de Gouges und meine Mutter.

Ihre liebste Filmfigur?

Lisa Simpson.

Ihre Lieblingsnamen?

Wenn mir jemand gefällt, kann sie auch Mandy heissen. Nein. Das war gelogen. Egal.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Die Eroberung der Welt als Zahl.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Leopold II., das belgische Monster, das das Land bis heute vergoldet, und Hitlers Anwälte in der Schweiz.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Der Mensch ist eine Erfindung. Sie hingegen ist überall und in allem.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Geduld.

Wie möchten Sie sterben?

So wie meine Mutter letztes Jahr. In den Armen des geliebten Menschen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Immer zwanzig Jahre zu früh. Oder waren es hundert?

Ihr Motto?

Einatmen-Ausatmen.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.