Leichte Sprache*

«Manchmal ist der Pfarrer auch streng»

Übersetzung von Auszügen der Kirchenordnung der Evangelisch-reformierten Kirche Schaffhausen aus dem Jahr 1921, Abschnitt «Der Konfirmandenunterricht»
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Freitag, 16. April 2021

Der Konfirmandenunterricht stellt
den jungen Christen die christlichen
Wahrheiten und die daraus sich
ergebenden Christenpflichten als
zu­sammenhängendes Ganzes vor Augen
mit dem Ziel, sie zu selbständigen Gliedern
der christlichen Gemeinde zu erziehen.
Dies verleiht dem Kon­firmationsunterricht
seinen besonderen Wert. Dadurch wird er
zugleich eine Lebenskunde für die
heranwachsenden Christen, indem er ihnen
den Weg weist durch die Abwege und Irrwege
des Lebens zu dem heiligen Ziel des Gottesreiches.

Die Konfirmation ist ein wichtiges Fest in der Kirche.
Es ist ein Fest für junge Menschen.
Konfirmation ist ein lateinisches Wort.
Es heisst: Bestätigung.
Bei der Konfirmation sagen die jungen Menschen: Wir wollen zur Kirche dazugehören.
Bis zur Konfirmation müssen die jungen Menschen aber viel lernen.
Deshalb gehen sie vorher in den Konfirmanden-Unterricht.
Dort lernen sie viel über den christlichen Glauben.
Sie lernen: Für Christen gibt es bestimmte Pflichten.
Zum Beispiel dass sie anderen Menschen helfen sollen.
Diese Pflichten helfen auch später im Leben.
Die jungen Menschen tun dann meistens das Richtige.
Und sie kommen leichter in das Reich von Gott.
Denn Christen glauben: Irgendwann kommt das Reich von Gott.
An diesem Ort ist Gott der Chef von allem.
Es ist ein schöner Ort.
Alle Menschen sind dort lieb zueinander.

Der Pfarrer wird daher mit allem Eifer,
mit Fürbitte und Ermahnung wachen über
die Seelen der jungen Christen. Es soll ihm
ein Herzensanliegen sein, ihnen das Beste
mitzuteilen, was die christliche Kirche den
Menschenseelen zu geben hat. Und wie er,
so sollen auch die Eltern, die Pfleger, die
Taufpaten so­wie alle Glieder der Kirchgemeinde
durch Wort und Beispiel dahin wirken,
Konfirmanden jedes Ärgernis fern­zuhalten und
dafür zu sorgen, dass dem, was die Kinder in der
Unterweisung erhalten, nicht zu Hause und in ihrer
sonstigen Umgebung durch leichtfertiges Tun und Reden
entgegengewirkt werde.

Der Pfarrer leitet den Konfirmanden-Unterricht.
Er muss gut auf die jungen Menschen aufpassen.
Darum gibt er sich viel Mühe.
Zum Beispiel betet er für sie.
Manchmal ist er auch streng.
Denn für den Pfarrer ist wichtig:
Die jungen Menschen sollen viel Gutes vom Christentum lernen.
Aber auch die Leute in der Kirch-Gemeinde müssen mitmachen.
Zum Beispiel die Eltern von den jungen Menschen.
Sie sollen für die jungen Menschen ein Vorbild sein.
Und gute Christen sein.
Sonst machen sie die ganze Arbeit von dem Pfarrer kaputt.

Der eigentliche Konfirmandenunterricht beginnt in
der Regel anfangs November und umfasst mindestens
50 Stunden. Zum Eintritt in den Unterricht ist ausser
ordentlicher Vorbereitung notwendig, dass am 1. Mai
des Eintrittsjahres das 15. Altersjahr zurückgelegt ist.

Der Konfirmanden-Unterricht beginnt Anfang November.
Die jungen Menschen müssen mindestens 50 Stunden im Unterricht sitzen.
In den Unterricht dürfen die jungen Menschen:
– wenn sie gut vorbereitet sind
– wenn sie am 1. Mai schon 15 Jahre alt sind

Die Konfirmanden sind zum regel­mässigen
Besuch des Unterrichts verpflichtet. Es ist
insbesondere Pflicht der Eltern, Meister,
Lehrherren usw., dafür besorgt zu sein,
dass der Unterricht nicht unter allerlei
Vorwänden oder um unwichtiger Dinge
willen versäumt wird. Art. 75,2 des
Fabrik­gesetzes und Art. 10,2 des
Lehrlingsgesetzes bestimmen, dass die
Stunden für den Religionsunterricht
überall frei gegeben werden müssen;
der Kirchenstand wird darauf achten,
dass dieser Schutz allen zuteil werde, und
dass auch für den Besuch der kirchlichen
Unter­weisung den jugendlichen Arbeitern
und Arbeiterinnen kein Lohnabzug gemacht
wird, damit den ökonomisch Schwächeren
der Unterrichtsbesuch nicht zu einem bitteren
Muss, sondern zu einem Darf gestaltet werde.

Die jungen Menschen müssen in den Konfirmanden-Unterricht.
Ausser sie sind krank.
Vielleicht arbeiten die jungen Menschen aber bereits?
Dann muss ihnen die Firma freigeben.
Das steht so im Gesetz.
Trotzdem sollen sie ihren Lohn bekommen.
Dafür sorgen die Chefs der Kirch-Gemeinde.
Denn für sie ist wichtig: Alle jungen Menschen sollen in den Unterricht kommen.
Und alle sollen Spass haben.
Egal ob arm oder reich.

Falls ein Kind sich während der
Unterweisung durch seine Aufführung
als nicht reif erweist zur Konfirmation,
so kann es nach Rücksprache mit den
Eltern auf Antrag des Pfarrers vom
Kirchenstand auf ein Jahr zurückgestellt
werden. Gegen einen solchen Beschluss
kann innert zehn Tagen Berufung
an den Kirchenrat eingelegt werden.

Im Konfirmanden-Unterricht gibt es bestimmte Regeln.
Die jungen Menschen sollen freundlich sein.
Und sie sollen gut aufpassen.
Manchmal stört ein Schüler den Unterricht.
Zum Beispiel weil er laut ist.
Oder weil er frech zu dem Pfarrer ist.
Dann können die Chefs von der Kirch-Gemeinde sagen: Dieser Schüler darf erst im nächsten Jahr wieder in den Unterricht.
Darüber muss der Pfarrer aber vorher mit den Eltern reden.
Vielleicht sind die Eltern nicht einverstanden damit?
Dann können sie das dem Kirchen-Rat innerhalb von 10 Tagen schreiben.
Der Kirchen-Rat ist eine Gruppe von Männern.
Diese Männer sind die Chefs von allen Pfarrern in Schaffhausen.
Die Männer schauen den Brief von den Eltern gut an.
Dann entscheiden sie.
Die Antwort schicken die Männer in einem Brief an die Eltern.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.