Proust

Lisa Catena 37, Komikerin

Aufgewachsen in Thun, gründete sie im Alter von 15 eine Punkrock-Band. Später entdeckte sie die Satire und gewann als erste Frau den Swiss Comedy Award. Mit ihren Cabaretprogrammen tourt sie durch die Schweiz und Deutschland, zudem schreibt sie Kolumnen und Programme fürs Radio.
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Autorin: Lisa Catena
Freitag, 06. Oktober 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Wenn es in der Schweiz plötzlich keinen Kaffee mehr gäbe.

Wo möchten Sie leben?

Hier. Wenn man so viel unterwegs ist wie ich, merkt man, wie unfassbar privilegiert wir in der Schweiz sind.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Mit einem Espresso und einer Zigarette in der Hand ein Buch lesen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die unbeabsichtigten.

Ihre liebsten Romanhelden?

Donald Duck. Ein ewiger Verlierer, aber der sympathischste Einwohner von Entenhausen.

Ihr Lieblingsmaler?

Giorgio de Chirico.

Ihr Lieblingskomponist?

Nachbars Kater. Die Ständchen, die er in Frühlingsnächten singt, sind kleine Meisterstücke der Avantgarde.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Intelligenz und Tischmanieren.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Intelligenz und Tischmanieren.

Ihre Lieblingstugend?

Sie ahnen es: Tischmanieren.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

«Einsamkeit und Faulheit umschmeicheln die Phantasie», sagte Dostojewski. Das strebe ich an.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Keith Moon und sein Schlagzeug in Woodstock.

Ihr Hauptcharakterzug?

Ich bin das Produkt einer protestantischen Erziehung. Darum: arbeitsam.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie mich vom Arbeiten abhalten.

Ihr grösster Fehler?

Ich will alles, und das sofort.

Ihr Traum vom Glück?

Nicht mehr alles zu wollen.

Was möchten Sie sein?

Am Ende meines Lebens werde ich sagen können: Ich habe Menschen zum Lachen gebracht. Das ist keine schlechte Bilanz – darum möchte ich das sein, was ich bin, Komikerin.

Ihre Lieblingsfarbe?

Leopardenmuster.

Ihre Lieblingsblume?

Eisblume.

Ihr Lieblingsvogel?

Papagei.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Das Internet.

Ihre Lieblingsschriftsteller?

Siri Hustvedt und Susan Sontag.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Altenpflegerinnen und Krankenschwestern.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Meine Mutter. Sie hat mich alleine grossgezogen.

Ihre liebste Filmfigur?

Alexis Sorbas.

Ihre Lieblingsnamen?

Shinaura Aloha-Vera Emmenegger – sie kommt sogar in meinem Cabareprogramm vor.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Machtgier und Humorlosigkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Die Menschen, die Hitler möglich gemacht haben: seine Helfer, seine Profiteure, seine schweigenden Mitwisser.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Keine. Ich bin eher der Gruppe-Schweiz-ohne-Armee-Typ.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Von wem denn sonst?

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

An zwei Orten gleichzeitig sein zu können.

Wie möchten Sie sterben?

Schnell.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Beschwipst vor lauter Ideen.

Ihr Motto?

In dubio Prosecco! (Polo Hofer).

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.