Kuratiert von Nicoletta Cimmino

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Freitag, 01. November 2019

Der schottische Künstler und Dichter Robert Montgomery ist bekannt für seine urbane Poesie auf Leuchtreklamen, Hauswänden oder verlassenen Gebäuden. Die Leuchtinstallation heisst Florence Poem und stammt aus dem Jahr 2013.

«In der Stille deiner Knochen und Augen sitzt vergessener Zauber, der auf Feuer wartet.» Dieses Billboard des britischen Künstlers Robert Montgomery steht als leuchtendes Memento mori mitten in der Landschaft. So hell, dass man nicht schlafen kann.

Und das ist gut so, denn in den schlaflosen Nächten, diesen zeitlosen Stunden, trauen sich die richtigen Fragen aus ihrem Versteck: Was sind wir, wenn alles abfällt, was uns zu pflichtbewussten Bürgerinnen und Bürgern macht? Was bleibt, neben dem Hypotheksvertrag, der Steuererklärung, dem Parteibüchlein, der Versicherungsprämie, dem Blutspenderausweis, Samstagseinkäufen, Pauschalreisen, Vereinsabenden, Paartherapien, Elternabenden?

Montgomerys Kunst entdeckte ich vor ein paar Jahren. Eine Freundin schickte mir dieses Bild in einer E-Mail. Sie wusste um meine Liebe zur Poesie im öffentlichen Raum. Zu Gedichten, die den Menschen auf der Strasse begegnen, im Bus, an einer Hausmauer, auf Trottoirs, oder eben wie hier: als Leuchtreklame in Florenz.

Dieses Billboard erinnert mich immer aufs neue daran, dass es etwas gibt, das mir in den Knochen steckt, und in den Augen – jenseits meiner alltäglichen Pflichten.

Man mag es den göttlichen Funken nennen. Oder die Essenz eines Menschen. Die Begabungen, die uns ausmachen. Und die Träume, die wir in uns tragen.

Was wartet darauf, entflammt zu werden?

Nicoletta Cimmino ist Journalistin. Seit 2016 moderiert sie die Informationssendung Echo der Zeit auf Schweizer Radio SRF. Sie lebt in Biel.