Kuratiert von Matthias Burki

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Donnerstag, 09. Mai 2019

Bild: Stefan Rohner.

In der Kunst sind mir diejenigen Künstler und Künstlerinnen am liebsten, die aufs Ganze gehen und das Publikum irritieren. Eine schön zurecht­gelegte Theorie, mit der ich im Kunstalltag allerdings schon mal an meine physischen und psychischen Grenzen stosse. Kürzlich etwa beim geplanten Besuch der Installation The House of Friction von Christoph Büchel in der Lokremise beim Bahnhof St. Gallen: Wer den anspruchsvollen Parcours im ehemaligen Wasserturm absolvieren will, wird wie bei einer Operation über die Risiken aufgeklärt und muss mit einer Unterschrift bestätigen, dass er oder sie die Räume auf eigene Gefahr betritt. Dazu gehört auch ein stark heruntergekühltes Zimmer mit Bett. Das war definitiv zu viel für mein ängstliches Gemüt, und so kenne ich das Kunstwerk nur aus der Erzählung meiner Freundin und von den wenigen Beschreibungen im Internet, die ich während ihres fünfzehnminütigen Rundgangs mit Beklemmung und Sorge gelesen habe. Büchels ungemütliches Spiel mit der Angst wirkte bei mir also selbst ausserhalb des eigentlichen Werks – starke, unheimliche Kunst, die mich bis heute verfolg.

Matthias Burki ist Mitgründer und Leiter des Spoken-Word-Verlags Der gesunde Menschenversand in Luzern. Zu den Autoren, die Burki verlegt, gehören unter anderem Nora Gomringer, ­Michael Fehr sowie Pedro Lenz. Für seine Pionierarbeit im Bereich Poetry Slam und Spoken Word wurde Burki schon mehrfach ausgezeichnet. Die Installation The House of Friction (Pumpwerk Heimat) befindet sich hinter dem Bahnhof St. Gallen und ist sonntags von 11 bis 18 Uhr zugänglich. Ab 18 Jahren, geschlossenes Schuhwerk und robuste Kleidung sind dringend empfohlen. www.lokremise.ch.