Kuratiert von Tobias Peier

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Donnerstag, 05. Februar 2026

Gar nicht so einfach, sich bei dieser Auswahl für das beste Cover zu entscheiden.

Welche bref-Titelseite hat Ihnen besonders gut gefallen? Vermutlich kommen Ihnen ein paar Ausgaben in den Sinn, an die Sie sich gerne erinnern: «Das Cover mit Franz Hohler, ein spannender Mensch!» Oder: «Senegal und der Klimawandel; das Bild hat mich berührt.» Oder: «Das Handy-Cover, weil mich Thema und Farbigkeit angesprochen haben.»

Ein Cover hat nur wenige Augenblicke Zeit, um seine Wirkung zu entfalten. Es muss Aufmerksamkeit erregen, eine Geschichte erzählen und Neugier wecken – und das alles gleichzeitig. Gefallen soll es, vielleicht sogar schön sein? Das sind allesamt wichtige, wenn auch sehr subjektive Faktoren. Denn: Was Ihnen gefällt, stört vielleicht die anderen.

Und damit sind wir mitten im Thema: Was macht ein gutes Magazin-Cover aus? Gibt es ein Geheimrezept? Lässt sich überhaupt objektiv sagen: Das ist ein gutes Cover?

Meine Aufgabe war es, das beste bref-Cover aus zehn Jahren auszuwählen. Nicht einfach ein gutes Cover. Oder eines, das mir besonders gefallen hat. Nein: das beste aus 150 Möglichkeiten.

Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Es war mir wichtig, möglichst objektive Faktoren in der Beurteilung zu berücksichtigen, um einen würdigen Sieger zu ermitteln. Lassen Sie mich erklären, wie ich vorgegangen bin.

Das Cover nimmt in der Magazingestaltung eine Sonderstellung ein. Es hat eine vergleichbare Funktion wie ein Werbeplakat: Es agiert als Marktschreier, preist gegenüber einer geneigten Leserschaft die Inhalte des Magazins an und bestimmt mit seiner Gestaltung bereits die Tonalität der Berichterstattung.

Eine Magazingestalterin (oder ein Magazingestalter) braucht vier Kompetenzen. Erstens muss er oder sie die Inhalte überhaupt verstehen können. Zweitens gilt es, Ideen für das Storytelling zu entwickeln und diese drittens auch nachvollziehbar begründen zu können. Für mich am wichtigsten ist jedoch die vierte und letzte Fähigkeit: Respekt, gegenüber den Inhalten und – allen voran – gegenüber Ihnen, den Leserinnen und Lesern.

Für die Bewertung der bref-Cover habe ich mich für folgende vier Faktoren entschieden:

– Motiv: Ist das Bildmotiv prägnant? Eindeutig? Überraschend?

– Hierarchie: Sind Motiv, Titel und Anrisse verständlich?

– Lesbarkeit: Stimmt die typografische Qualität?

– Zielgruppe: Ist das Thema relevant, passt es zum publizistischen Profil?

Mein Gewinner aus zehn Jahren bref ist das Cover der Ausgabe 11+12/2022, «#nofilter – Ein ungeschönter Blick auf die Geburt». Was passt besser in den Dezember als das Thema der Geburt? bref wagt einen ehrlichen Blick auf dieses archaische Ereignis.

Dem Cover gelingt es, das Thema ungeschönt und ohne Kitsch zu zeigen: Das Neugeborene liegt auf dem Bauch seiner Mutter, überzogen mit Käseschmiere und Blut. Die Brüste und die behutsam schützenden Hände der Mütter sind blutverschmiert. Die auf Anstrengung und Erschöpfung folgende Erleichterung ist förmlich spürbar.

Man kann unmöglich keine Haltung zu dem Cover haben. Ein Cover, das auf Idealisierung verzichtet und den Diskurs nicht scheut. Intim. Stark. Verletzlich. #nofilter eben.

Ganz eindeutig war die Entscheidung aber nicht. Auch die Cover «Vor dem Nichts» (2/2022), «Urgewalten» (10/2020), «Ansichten eines Täufers im Reformationsjahr» (3/2019) und «Diakonie» (4/2018) hätten die Auszeichnung «bestes Cover» verdient.

Die inhaltliche und formale Qualität von bref ist überhaupt bemerkenswert. In die Cover wird mit grosser Kompetenz viel kreative Energie investiert. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es etwas mehr gestalterische Eigenständigkeit – manchmal lässt sich (jedenfalls für den Profi) gut erkennen, welches Magazin bei der Cover-Idee Pate gestanden ist.

Danke, bref-Team, für eure wichtige Arbeit. Herzliche Gratulation zu eurem zehnjährigen Bestehen.

  • bref Magazin - Das Heft zum Jubiläum

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