Leichte Sprache*

«In der Kirche lernen Junge viel über sich selbst»

Übersetzung von Auszügen aus dem «Leitfaden für den Lernort Kirche» der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen aus dem Jahr 2020.
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Freitag, 13. August 2021

Am Lernort Kirche existieren für Kinder und Jugendliche (…) Räume, in denen gemeinsam gehandelt, gelernt und gefeiert wird. Kennzeichnend für diesen Lernort ist, dass Erleben, Lernen und Feiern gleichberechtigt und miteinander verbunden sind. Neben das «klassische» reflektierende Lernen treten das Erpro­ben der selbstbestimmten Zugehörig­keit zur christlichen Gemeinde im gemeinsamen (Er-)Leben und in der verbindenden Feier (…) sowie die Praxis der Diakonie, verstanden als tätige Mitwirkung in Kirchgemeinde und Gesellschaft.

Die Kirche hat für junge Menschen tolle Angebote.
Hier können Kinder und Jugendliche viel lernen.
Lernen heisst: über etwas nachdenken.
Die Kirche ist aber nicht nur zum Nachdenken da.
Junge Menschen dürfen in der Kirche auch feiern.
Zum Beispiel wenn die Schülerinnen in die Ober-Stufe kommen.
Dann macht die Kirche einen Gottes-Dienst.
Das ist eine Feier mit Gott.
Im Gottes-Dienst spricht die Pfarrerin zu den Menschen.
Und die Menschen singen gemeinsam Lieder.
In der Kirche können die Jungen aber noch viel mehr erleben.
Sie können gemeinsam etwas unternehmen.
Zum Beispiel Party machen.
Oder eine Reise ins Ausland.
Das ist genau so wichtig wie Lernen und Gottes-Dienste feiern.
Dabei merken die jungen Menschen:
Wir gehören zu einer Gemeinschaft.
Diese Gemeinschaft ist christlich.
Darum ist in der Kirche noch etwas anderes wichtig:
Hier lernen junge Menschen etwas über Diakonie.
Diakonie ist ein griechisches Wort.
Es heisst Dienst.
Junge Menschen wissen dann:
Anderen zu helfen ist wichtig.
Nicht nur den Menschen in der Kirche.
Sondern auch allen anderen.

Am Lernort Kirche werden für die Kinder und Jugendlichen ihre Erfahrungen und (…) Grundfragen in unterschiedlichen Kontexten und Formen zum Thema. Beispielsweise in der Auseinandersetzung mit biblischen Texten, im unmittelbaren Erleben von spirituellen Erfahrungen oder in der Konfrontation mit dem Gelingen und Misslingen des eigenen Tätigwerdens.

Junge Menschen haben in ihrem Leben auch schon Erfahrungen gemacht.
Vielleicht haben sie etwas Schlimmes erlebt.
Zum Beispiel einen lieben Menschen verloren.
Oder sie fühlen sich von anderen Jugendlichen abgelehnt.
Junge Menschen haben deshalb viele Fragen ans Leben.
Sie wollen wissen: Was ist eigentlich der Sinn von allem?
In der Kirche können sie darüber reden.
Dabei kann auch eine Geschichte aus der Bibel helfen.
Junge Menschen können in der Kirche aber auch ganz neue Erfahrungen machen.
Vielleicht diese: Es gibt noch mehr als unsere sichtbare Welt.
Diese Erfahrung ist eine spirituelle Erfahrung.
Spirituell kommt von dem lateinischen Wort spiritus.
Es heisst Geist.
Spirituelle Menschen glauben: Es gibt einen Geist in der Welt.
Dieser Geist ordnet Menschen, Natur, einfach alles.
Und er gibt dem Leben einen Sinn.

Ein Grundprinzip ist dabei die Wahrneh­mung und Wertschätzung von Diversität und Heterogenität unter den Kindern und Jugendlichen. Damit dies gelingt, braucht es bei den Mit­wirkenden eine ausgeprägte herme­neutische («ent­deckende») Kompetenz. Sie sind sensibel für die Vielschichtig­keit und Mehrdimensi­­onalität, sowohl in den Äusserungen der Kinder und Jugendlichen als auch in den religiösen Texten und Traditionen.

In der Kirche dürfen alle jungen Leute mitmachen.
Und alle dürfen helfen.
Das geht nicht immer gut.
Manchmal gibt es Streit.
Dann helfen erwachsene Menschen.
Die Erwachsenen müssen die jungen Menschen gut beobachten.
Denn diese sind alle verschieden.
Und die Erwachsenen müssen Freude an dieser Verschiedenheit haben.
Denn sie sollen zu jedem jungen Menschen eine Beziehung aufbauen.
Schaffen die Erwachsenen das nicht?
Dann sollen sie besser nicht mit Jugendlichen arbeiten.

Kinder und Jugendliche können am Lernort Kirche erfahren, dass sie gebraucht werden. Sie finden Raum zum selbst wirksam Werden, um so religiöse Selbstkompetenz zu erlangen. Das geschieht in aller Regel durch Begegnungen, die als bedeutsam erfahren werden. Am Lernort Kirche werden deshalb keine Angebote («der Kirche») für Familie und Kind, Jugend oder junge Erwachsene konzipiert, sondern mit ihnen Begegnung gestaltet. Nicht das Erlernen des Bestehenden, sondern die Mitgestaltung des kirchgemeindlichen Lebens zusammen mit den Kindern, Jugendlichen und Familien ist das Ziel am Lernort Kirche. Der Weg zur Konfirmation dient nicht alleine der Vermittlung dessen, was Kirche war, sondern ist vor allem eine feiernde, lernende und handelnde Erprobung und Verwirklichung dessen, was Kirche ist.

Die jungen Menschen in der Kirche sollen spüren: Sie sind wichtig.
Das merken sie am besten bei Treffen mit anderen Menschen.
Dabei lernen die Jungen viel über sich selbst.
Zum Beispiel: Ihre Vorstellung von Religion ist nicht die einzige.
Es gibt sehr viele Vorstellungen von Religion.
Darum sagt die Kirche nicht: Ihr müsst das und das lernen.
Und sie will den jungen Menschen nicht zu viel vorschreiben.
Denn die Jungen sollen die Kirche mitgestalten.
Und in der Kirche sollen sie auch Wissen erwerben.
Zum Beispiel wie die Kirche entstanden ist.
Aber das ist nicht das Wichtigste.
Die jungen Menschen sollen merken:
Die Kirche ist auch heute noch ein spannender Ort.
Hier können sie viele Dinge ausprobieren.
Nur so können sie die Kirche selber verändern.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.