Leichte Sprache*

«Hier gehöre ich dazu»

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Donnerstag, 16. April 2026

Sprache kann mit Floskeln und Phrasen verschleiern, was tatsächlich gemeint ist. Die Leichte Sprache holt die Botschaft hervor — und auch das, was manchmal zwischen den Zeilen steht.

Diesmal: Übersetzung von Auszügen aus der Dokumentation «Open House» der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen.*

Es gehört zur Kubatur des Open Space rund um eine Kirche, dass sie von einer Architektur der Diakonie gebaut ist. (…) Wo Diakonie gebaut wird, wird es stimmig, so sehr, dass Menschen füreinander und miteinander zu Gesellen gastfreundlicher Augenblicke werden. Die Architektur rund um Kirchen zeigt sich als Architektur von Gastfreundschaft bei Gelegenheit. In der Gastfreundschaft bei Gelegenheit rund um Kirchen macht sich nicht immer, jedoch oft die Stimmung wohltuender Geselligkeit breit, die überrascht.

In der Kirche ist Diakonie wichtig.
Das ist ein griechisches Wort.
Es bedeutet: Dienst am Menschen.
Die Kirche kümmert sich um die Menschen.
Zum Beispiel hilft sie Menschen in Not.
Das soll auch der Raum rund um die Kirche zeigen.
Er soll offen für alle sein.
Die Menschen sollen sich willkommen fühlen.
Dann kann es schöne Begegnungen geben.
Die Menschen sind freundlich zueinander.
Sie reden miteinander.
Und fühlen sich wohl.
Das passiert nicht immer.
Aber manchmal.
Dann sind die Menschen überrascht.

Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Ort «open» ist? Wie wird Offenheit sichtbar, spürbar, erlebbar? Open Place hat darauf nicht nur eine Haltung entwickelt, sondern ein Handeln – und ist damit selbst zu einer ausgestreckten Hand geworden, die auf die Stadt und ihre Menschen zugeht.

Aber was heisst «offen»?
Wie kann man einen Ort so gestalten?
Das Projekt «Open Place» hat das gezeigt.
Alle Menschen in der Stadt sind hier willkommen.

Die Nutzung spiegelt sich im Freiraum wider: Gemeinschaftsgärten, Aufenthaltsbereiche und offene Orte des Dialogs schaffen vielfältige Anknüpfungspunkte für soziales Leben. Unter dem Dach entfalten sich ebenso flexible Zonen, die unterschiedlich bespielt und individuell angeeignet werden können. Die mäandrierende Wegeführung sowie die differenzierte Höhenentwicklung der Nutzungen erzeugen eine räumliche Dynamik und fördern eine individuelle Orientierung innerhalb des Ensembles.

Auf dem Open Place gibt es viel Platz.
Die Menschen können dort viel machen.
Sie können gärtnern.
Sie können draussen sitzen.
Es gibt Orte zum Reden.
Ein Teil ist überdacht.
Auch dort gibt es verschiedene Bereiche.
Die Menschen können sie unterschiedlich nutzen.
Jeder kann eigene Ideen mitbringen.
Die Wege machen Bögen.
Es gibt auch höhere und tiefere Stellen.
Das macht den Ort lebendig.
Die Menschen können sich gut daran orientieren.

Ein Zuhause auf Zeit – nicht öffentlich, nicht privat, sondern ein dritter Ort, der Ankunft ermöglicht und Begegnung initiiert. Der Zwischen.Ort ist ein dauerhafter Sozialkörper an der Schnittstelle von Intimität und Gemeinschaft, von Nachbarschaft und Gastfreundschaft. Entstanden aus der Vision des Open Place, übersetzt er dessen interkulturelles Ethos in Architektur: eine gebaute Einladung, die Schutz und Austausch, Stille und Aktivität, Individuum und Kollektiv in ein Gleichgewicht bringt.

Der Open Place ist ein besonderer Ort.
Er ist anders als die anderen Orte in der Stadt.
Die Menschen fühlen sich hier willkommen.
Sie sind sicher und geborgen.
Fast wie zu Hause.
Die Menschen können hier eine Weile bleiben.
Sie müssen nichts tun.
Sie können mit anderen reden.
Sie können gemeinsam spielen und lachen.
Oder allein sein und die Stille geniessen.

Feste Schotten strukturieren den Raum in klar lesbare Zonen: Sie schaffen Übergänge, markieren Schwellen und bieten ein Gefühl von Beständigkeit. Jeder Übergang markiert eine Entscheidung, lädt ein zur Begegnung oder zum Rückzug. Der architektonische Filter wird zur Geste der Fürsorge.

Der Open Place soll für die Menschen da sein.
Sie sollen sich gut zurechtfinden können.
Deshalb gibt es verschiedene Bereiche.
In manchen Bereichen ist viel los.
In anderen ist es ruhiger.
Dorthin kann man sich zurückziehen.
Feste Wände trennen die Bereiche.
Die Menschen fühlen sich sicherer dadurch.
So können sie leichter entscheiden:
Soll ich hierbleiben oder weitergehen?

Auch im Aussenraum steht Gemeinschaft im Mittelpunkt: Ein neuer Dorfplatz verbindet Nachbarschaften, und der offene Gedankenraum vermittelt die Botschaft – Du bist nicht allein. Als beständiger Anker in einem fragmentierten Stadtraum wird der Zwischen.Ort zum identitätsstiftenden Zentrum – offen für Nachbarschaft, sensibel für das Einzelne.

An dem Ort treffen sich Menschen aus der ganzen Nachbarschaft.

Es ist wie auf einem Dorfplatz.
Niemand muss sich allein fühlen.
In der Stadt ist es oft chaotisch.
Der Open Place gibt den Menschen festen Halt.
Sie sollen das Gefühl haben:
Hier gehöre ich dazu.
Alle dürfen kommen.
Jeder Mensch kann ganz er selbst sein.

* Der Open Place bei der Kirche Kurzrickenbach ist ein Begegnungsort der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen. In der Dokumentation «Open House» präsentieren Architekturstudierende der HTWG Konstanz Entwürfe für bauliche Erweiterungen und neue Nutzungsmöglichkeiten.

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