Proust

Georges T. Roos 55, Zukunftsforscher

Nach Einblicken in eine Hotelküche und in eine Lkw-Führerkabine studierte Roos an der Universität Zürich Pädagogik, Publizistik und Psychologie. Als Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb-Duttweiler-Instituts befasste er sich mit der Zukunfts­forschung; seit bald zwanzig Jahren führt er sein eigenes Beratungsunternehmen.
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Freitag, 15. März 2019

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Wenn eines meiner Kinder vor mir sterben müsste.

Wo möchten Sie leben?

Am liebsten an mehreren Orten: in einer Weltstadt, auf einer Mittelmeerinsel und in Luzern.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Das vollkommene Glück ist episodisch. Solche Episoden liebe ich, aber ich weiss auch, dass ein gutes Leben mehr ist als eine Folge von Glücksräuschen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Fehler, denen eine echte Einsicht folgt.

Ihre liebsten Romanhelden?

Solche mit Ecken und Kanten, Figuren mit Brüchen im Leben.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Heldentum ist in meinen Augen kein taugliches Konzept. Ich bin Heldinnen (und Helden) gegenüber misstrauisch.

Ihr Lieblingsmaler?

Habe ich nicht.

Ihr Lieblingskomponist?

Auch nicht.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Intelligenz und Sensibilität, Gradlinigkeit, Humor, Gelassenheit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Intelligenz und Sensibilität, Schönheit, Humor, Diskretion.

Ihre Lieblingstugend?

Zuverlässigkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Ich liebe spannende Diskussionen mit intelligenten Menschen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Der Zufall bestimmt so manches – daraus versuche ich, das Beste zu machen. Dazu gehört, nicht damit zu hadern, was noch anderes hätte sein können.

Ihr Hauptcharakterzug?

Zuhören.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Freunden kann man vertrauen. Sie sagen mir auch unangenehme Dinge, und ich kann darauf vertrauen, dass sie diese mir zuliebe sagen.

Ihr grösster Fehler?

Ich neige dazu, alles alleine machen zu wollen.

Ihr Traum vom Glück?

Dass mir das Wichtige gelingt.

Was möchten Sie sein?

Ich möchte mich stetig verbessern.

Ihre Lieblingsfarbe?

Die Farben des Herbsts, wenn die goldige Sonne scheint.

Ihre Lieblingsblume?

Die Rose. Sie steht in meinem Familienwappen.

Ihr Lieblingsvogel?

Bestimmt nicht die Krähe. Mir wäre es recht, wenn sie nicht gleich vor meinem Schlafzimmerfenster krächzt.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Die Nutzbarmachung der Elektrizität und die Entdeckung des Antibiotikums.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Die Bestenliste umfasst mehr als nur einen Namen. Wo ich immer zugreife: John Irving, Ian McEwan, Haruki Murakami, Hans Magnus Enzensberger, Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Es bleibt bei dem, was ich zu den Heldinnen gesagt habe.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Ich bleibe dabei. Aber es gibt ungezählte Frauen, die mit grossem Einsatz die Welt zum Besseren verändert haben. Viele davon wurden von der Geschichte nicht «erfasst».

Ihre liebste Filmfigur?

Forrest Gump, zum Beispiel.

Ihre Lieblingsnamen?

Maria und Juan Alberto.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Boshaftigkeit und Zynismus.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Hitler, Stalin, Pol Pot und andere Verbrecher gegen die Menschlichkeit.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Das ist nicht mein Fachgebiet.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ja.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Singen.

Wie möchten Sie sterben?

Kurz.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Ich denke, sie ist gut, aber vielleicht ist grad dies das Problem.

Ihr Motto?

Alles hat und braucht seine Zeit.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.