Leichte Sprache*

«Die Jungen sollten wieder mehr Kinder machen»

Übersetzung von Auszügen aus der Rede von Papst Franziskus an der General­audienz vom 5. Januar 2022 im Vatikan.
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Freitag, 11. Februar 2022

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag! Heute werden wir über den heiligen Josef als Vater Jesu nachdenken. Die Evangelisten Matthäus und Lukas stellen ihn als Nährvater Jesu und nicht als seinen biologischen Vater dar. Matthäus bringt dies zum Ausdruck, indem er das Wort «zeugen» vermeidet (…). Vielmehr bezeichnet er ihn als den «Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird».

Hallo!

Heute spreche ich über Josef.

Josef ist eine wichtige Figur in der Bibel.

Er war der Vater von Jesus.

Josef lebte mit seiner Frau Maria zusammen.

Maria hat Jesus geboren.

Gemeinsam haben sie Jesus grossgezogen.

Josef war aber nicht der leibliche Vater von Jesus.

Das heisst: Er hat ihn nicht selber gezeugt.

Denn Jesus war der Sohn von Gott.

 

Dieser besondere Aspekt der Gestalt des Josef gestattet uns heute, über die Vaterschaft und die Mutterschaft nachzudenken. Und ich glaube, dass das sehr wichtig ist: heute über die Vaterschaft nachzudenken. Denn wir leben bekanntlich in einer Zeit der Verwaisung. Es ist merkwürdig: unsere Zivilisation ist etwas verwaist, und man spürt es, dieses Verwaist-Sein.

Josef hat Jesus als Sohn angenommen.

Und er hat ihn geliebt.

Obwohl er ihn nicht selber gezeugt hat.

Das ist eine schöne Geschichte.

Wir lernen daraus viel über das Vater-Sein.

Das ist heute besonders wichtig.

Viele Paare wollen nämlich keine Kinder mehr haben.

Dadurch werden die Familien immer kleiner.

Und die Menschen fühlen sich einsam und traurig.

 

Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man. Und man wird zum Vater nicht einfach dadurch, dass man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, dass man sich verantwortungsvoll um es kümmert. Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übt er ihm gegenüber in einem gewissen Sinne Vaterschaft aus. Ich denke dabei insbesondere an all jene, die sich öffnen, um das Leben anzunehmen auf
dem Weg der Adoption, die eine so grossherzige und schöne Haltung ist.

Was heisst eigentlich Vater-Sein?

Ein Vater hat viel Verantwortung.

Er muss gut zu seinem Kind schauen.

Damit es immer gesund bleibt.

Und glücklich aufwachsen kann.

Der Vater muss aber nicht der leibliche Vater sein.

Er kann auch ein Kind bei sich aufnehmen.

So wie in der Geschichte von Josef.

Dafür gibt es ein eigenes Wort: Adoption.

Das ist ein lateinisches Wort.

Es bedeutet: Annahme.

Manchmal können Paare selber keine Kinder bekommen.

Dann können sie ein Kind bei sich aufnehmen.

Diese Paare haben ein grosses Herz.

Das ist sehr schön.

Man braucht keine Angst zu haben, den Weg der Adoption zu wählen, das «Risiko» der Annahme einzugehen. Und heute gibt es neben der Verwaisung auch einen gewissen Egoismus. Kürzlich habe ich über den demografischen Winter gesprochen, der heute herrscht: Die Menschen wollen keine Kinder haben oder nur eins und nicht mehr. Und viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen, oder sie haben nur eins, weil sie keine anderen wollen, haben aber zwei Hunde, zwei Katzen …

Viele Paare wollen aber keine Kinder aufnehmen.

Und sie möchten auch keine eigenen Kinder zeugen.

Oder höchstens eines.

Darum gibt es heute immer mehr alte Menschen.

Und die Bevölkerung wird immer älter.

Das ist aber nicht gut für ein Land.

Ein Land braucht auch junge Menschen.

Das ist den Paaren aber egal.

Sie denken vor allem an sich.

Und wollen keine Verantwortung für Kinder übernehmen.

Darum haben sie lieber Hunde und Katzen.

Das ist viel einfacher.

 

Ja, Hunde und Katzen nehmen den Platz von Kindern ein. Ja, man lacht darüber, das verstehe ich, aber es ist die Wirklichkeit. Und diese Verneinung der Vaterschaft und der Mutterschaft schwächt uns, nimmt uns die Menschlich­keit. Und so wird die Zivilisation älter und unmenschlich, weil man den Reich­tum der Vaterschaft und der Mutterschaft verliert. Und es leidet das Vater­land, das keine Kinder hat. Jemand hat einmal etwas humorvoll gesagt: «Und wer bezahlt jetzt die Steuern für meine Rente, wo es keine Kinder gibt? Wer wird für mich Sorge tragen?» Er lachte, aber es ist die Wahrheit. Ich bitte den heiligen Josef um die Gnade, die Gewissen zu wecken und daran zu denken: Kinder zu bekommen.

Deshalb gibt es heute so viele Hunde und Katzen.

Und so wenige Kinder.

Das klingt lustig.

Aber es ist traurig.

Kinder haben ist nämlich etwas sehr Schönes.

Kinder machen unser Leben reich.

Sie sind aber auch für den Staat wichtig.

Und für die alten Menschen.

Alte Menschen können nicht mehr arbeiten.

Sie bekommen eine Rente vom Staat.

Die jungen Menschen bezahlen diese Rente.

Damit die Alten gut versorgt sind.

Darum braucht es in einem Land mehr junge Menschen.

Und nicht so viele Hunde und Katzen.

Denn die können keine Rente zahlen.

Und dann geht es den Alten schlecht.

Dafür bete ich jetzt zum heiligen Josef.

Damit die Jungen wieder mehr Kinder machen.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.

  • N° 1/2022

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