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Donnerstag, 09. Oktober 2025
Sprache kann mit Floskeln und Phrasen verschleiern, was tatsächlich gemeint ist. Die Leichte Sprache holt die Botschaft hervor — und auch das, was manchmal zwischen den Zeilen steht. Diesmal: Übersetzung von Auszügen aus dem Arbeitspapier der Reformierten Kirche Aargau: «Gedanken zur Struktur einer fusions- und entwicklungsoffenen Grosskirchgemeinde».*
Eine Grosskirchgemeinde bietet die Chance, Strategiearbeit neu zu denken: weg von der Falle, am Ende doch bei operativem Mikromanagement zu landen und dies fälschlicherweise trotzdem Strategie zu nennen, hin zu grundsätzlichen Leitprinzipien, die für die ganze Institution gelten, aber an verschiedenen Orten und in verschiedenen Situationen vor Ort logischerweise auch verschieden umgesetzt und interpretiert werden.
Im Kanton Aargau gibt es viele Kirch-Gemeinden.
Manche Gemeinden sind klein.
Dort hat man wenig Zeit und wenig Geld.
Die Chefs sind mit den dringenden Arbeiten beschäftigt.
Für grosse Ideen bleibt kein Raum.
Nun will man eine einzige Kirch-Gemeinde machen.
Viele Kirch-Gemeinden schliessen sich zusammen.
Das ist eine neue Chance.
In einer grossen Gemeinde ist mehr Raum für Ideen.
Dort kann man sich grosse Ziele setzen.
Diese Ziele gelten für alle.
Aber: Jede Region kann die Ziele anders umsetzen.
So passen sie gut zu den Menschen vor Ort.
Eine Grossfusion ermöglicht den strategischen Denkhorizont in einer Grösse, die nachhaltige Strategiearbeit zu ihrer Entfaltung grundlegend braucht. Solange wirklich als Kirchgemeinde und nicht als kontrollorientierte Hierarchiepyramide gedacht, beendet sie auch das Micromanaging und verortet Umsetzung, Entwicklung und Innovation wieder dort, wo sie hingehört: an der Basis anstatt im strategischen Gremium.
Eine grosse Kirch-Gemeinde hat mehr Mittel.
Das heisst:
– Mehr Personal.
– Mehr Geld.
– Mehr Wissen.
Die Chefs kümmern sich nicht um Kleinigkeiten.
Sie können in Ruhe über die Zukunft nachdenken.
Das heisst auch: Die Chefs bestimmen nicht über alles.
Sie mischen sich nicht überall ein.
Die Mitarbeitenden vor Ort sollen frei sein.
Sie sollen selbst entscheiden können.
Und eigene Ideen entwickeln.
Um mit dem rasanten Tempo gesellschaftlicher Umwälzungen mithalten zu können, muss die neue Struktur anpassungsfähig ausgestaltet sein.
Unsere Welt verändert sich rasch.
Es gibt neue Technologien.
Die Menschen sind mobiler.
Auch die Kirche muss sich anpassen.
Sie muss beweglicher werden.
Deshalb braucht die Kirche eine neue Struktur.
Struktur bedeutet:
Wer arbeitet mit wem?
Wer macht welche Aufgaben?
Wer darf etwas entscheiden?
Ziel soll keine neue hierarchische und entsprechend starre Struktur sein, sondern ein sehr flexibles und «von alleine» schnell anpassungsfähiges Netz- werk. Bei der Strukturierung eines solchen Netzwerkes ist deshalb grosse Vorsicht vor zu viel Struktur gefordert. Zu schnell gleiten die Gedanken ins Gewohnte ab. Jedoch sollte das neue Netzwerk in der Lage sein, Aufgaben, die wir heute z. T. noch gar nicht kennen, auf eine Art und Weise umzusetzen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
In der neuen Gemeinde gibt es keine feste Ordnung.
Niemand entscheidet allein von oben.
Alle sollen mitdenken.
Und alle sollen mitreden dürfen.
Zusammen bilden die Mitarbeitenden ein grosses Netzwerk.
Ein Netzwerk ist offen.
Und es kann sich gut anpassen.
Es gibt nicht zu viele Regeln.
Zu viele Regeln machen die Kirche starr.
Dann wird alles wieder wie früher.
In Zukunft gibt es neue Aufgaben für die Kirch-Gemeinde.
Manche Aufgaben kennen wir heute noch nicht.
Ein Netzwerk kann diese Aufgaben lösen.
Und wie schafft das Netzwerk das?
Das wissen wir heute noch nicht.
Ziel darf nicht die detaillierte Erarbeitung und Darstellung eines ausgefeilten Netzwerks sein, sondern vielmehr das Entwickeln von Prinzipien, die die Ent- stehung dieses Netzwerks leiten und seinen Erhalt und seine Weiterentwicklung ermöglichen (→ echte Strategiearbeit!). Eine Darstellung, so sie denn nötig wäre, müsste wohl mit einer VR-Brille betrachtet werden … und wenn sich in diesem VR-Bild nicht ständig etwas bewegt und verändert, ist es bereits wieder zu statisch gedacht.
Und wie soll das Netzwerk aufgebaut sein?
Das muss man gar nicht so genau festlegen.
Wichtiger ist: Man muss gute Bedingungen schaffen.
Damit ein Netzwerk entstehen kann.
Und damit es sich weiterentwickeln kann.
Man kann das Netzwerk wie ein Bild sehen.
Auf dem Bild sind viele Punkte.
Die Punkte sind Menschen oder Gruppen.
Die Punkte sind durch Linien verbunden.
Das bedeutet: Die Mitarbeitenden stehen in Verbindung zueinander.
Sie reden miteinander.
Und sie tauschen Ideen aus.
Am besten schaut man mit einer besonderen Brille.
Diese Brille nennt man: virtuelle Brille.
Sie zeigt Bilder, die sich bewegen.
Durch die Brille sieht man:
Im Netzwerk bewegt sich immer etwas.
Es verändert sich die ganze Zeit.
Und wenn das Netzwerk plötzlich stillsteht?
Dann stimmt etwas nicht.
Strukturierendes Grundprinzip der Grosskirchgemeinde ist das Netzwerk. Netzwerk ist als Kultur zu denken, die sich überall konsequent zeigen muss! (…) Gelingen die Einführung einer auf selbstgeführten Clustern gegründeten Netzwerkkultur und der Aufbau eines geeigneten Cluster-Managements, so setzt dies dort Ressourcen frei, wo sie zur Weiterentwicklung unserer Institution aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Realitäten nötig ist: an der Basis kirchlicher Arbeit.
In einer grossen Kirch-Gemeinde ist das Netzwerk wichtig.
Das bedeutet: Viele Menschen arbeiten miteinander.
Das gemeinsame Arbeiten soll man überall sehen.
Im Netzwerk arbeiten die Menschen in Gruppen zusammen.
Die Gruppen arbeiten selbstständig.
Die Chefs helfen ihnen dabei.
Aber sie bestimmen nicht alles.
Ein gutes Netzwerk erleichtert die Arbeit.
Die Arbeitsgruppen können vieles selbst entscheiden.
Das spart Zeit und Kraft.
Diese Energie kann man an der Basis brauchen.
Das heisst: Bei den Menschen vor Ort.
* Dieses Dokument wurde für die «Arbeitsgruppe überregionale Zusammenschlüsse» der Aargauer Landeskirche verfasst. Die Gruppe wurde ins Leben gerufen, um sich mit der Idee einer kantonsweiten Kirchgemeinde auseinanderzusetzen.