Leichte Sprache*

«Der Bauer hat für das Getreide aber nicht fünf Schweine bekommen»

Übersetzung von Auszügen aus Karl Marx’ «Das Kapital» von 1867, erster Band, erstes Buch, erster Abschnitt, erstes Kapitel: Die Ware.
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Freitag, 10. Dezember 2021

Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktions­weise herrscht, erscheint als eine «ungeheure Warensammlung», die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.

Kapitalismus ist eine besondere Wirtschafts-Form.

Kapitalismus kommt von dem Wort Kapital.

Damit ist gemeint: Geld, Maschinen, Fabriken.

Im Kapitalismus haben wenige Menschen viel Kapital.

Diese Menschen heissen Unternehmer.

Die Unternehmer stellen mit dem Kapital Waren her.

Die verkaufen sie dann den anderen Menschen.

Die Unternehmer verdienen damit viel Geld.

Darum stellen sie immer mehr Waren her.

Waren sind im Kapitalismus deshalb ganz wichtig.

Aber was sind eigentlich Waren?

Das schauen wir uns jetzt genauer an.

 

Die Ware ist zunächst ein äusserer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z. B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfnis befrie­digt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d. h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.

Menschen haben viele verschiedene Bedürfnisse.

– Sie wollen essen und trinken.

– Sie brauchen Schutz vor Nässe und Kälte.

– Sie möchten sich gut unterhalten.

Dafür gibt es die Waren.

Um diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Im Kapitalismus gibt es ganz viele Waren.

Zum Beispiel:

– Lebens-Mittel

– Kleider

– Bücher

Die Menschen können die Waren in den Läden kaufen.

Manche Waren gibt es aber nicht in den Läden.

Die brauchen die Unternehmer für die Herstellung.

Zum Beispiel bestimmte Maschinen.

Oder Roh-Stoffe für die Lebens-Mittel.

Diese Dinge sind aber auch Waren.

Denn sie dienen auch den Bedürfnissen von den Menschen.

Wenn auch nur indirekt.

Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Waren­körpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigen­schaften den Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. (…) Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachten­den Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des Tauschwerts.

Jetzt wissen wir also:

Waren sind zum Brauchen da.

Deshalb haben Waren für uns einen bestimmten Wert.

Schauen wir uns ein Beispiel an.

Vielleicht brauchen wir für unsere Wohnung einen neuen Tisch?

Dann gehen wir zum Möbel-Händler.

Und suchen uns einen Tisch aus.

Den Tisch können wir für verschiedene Dinge brauchen:

– Wir können daran essen.

– Wir können daran schreiben.

– Wir können Dinge darauf abstellen.

Das ist der Nutzen von dem Tisch.

Der Tisch muss aber erst hergestellt werden.

Das macht der Schreiner.

Der Schreiner hat vielleicht drei Tage an dem Tisch gearbeitet.

Das ist uns aber egal.

Denn wir wollen den Tisch nur benutzen.

Und kümmern uns nicht um die Arbeit von dem Schreiner.

Die Waren haben aber noch einen anderen Wert als den Nutzen.

Dazu kommen wir jetzt.

 

Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. (…) Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen z. B. tauscht sich mit x Stiefel­wichse oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannig­fache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen.

Heute zahlen wir mit Geld für die Ware im Laden.

Vor langer Zeit haben die Leute aber Waren getauscht.

Die Waren hatten alle einen bestimmten Wert.

Zum Beispiel ein Sack Getreide.

Dafür hat ein Bauer zum Beispiel ein paar Schuhe bekommen.

Oder ein Huhn zum Eier Legen.

Der Bauer hat für das Getreide aber nicht fünf Schweine bekommen.

Denn fünf Schweine waren mehr wert als ein Sack Getreide.

Aber wie kannten die Menschen den Wert von den Waren?

 

Ein Gebrauchswert oder Gut hat (…) nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Grösse seines Werts messen? Durch das Quan­tum der in ihm enthaltenen « wertbil­denden Substanz », der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst misst sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Massstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.

Wir haben herausgefunden:
Waren sind nicht nur zum Brauchen gut.

Sie haben auch eine bestimmten Wert für den Tausch.

Für diesen Wert ist die Arbeit wichtig.

Haben wir lange an einer Ware gearbeitet?

Dann ist sie besonders viel wert.

Kehren wir zu dem Schreiner zurück.

Der Schreiner hat drei Tage an dem Tisch gearbeitet.

Dafür bekommt er eine Ware von dem gleichen Wert.

Zum Beispiel neue Kleider.

An denen der Schneider auch drei Tage genäht hat.

Vielleicht tauscht er den Tisch aber gegen einen Sack Kartoffeln?

Dann hat er ein schlechtes Geschäft gemacht.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.