Leichte Sprache*

«Dann stampfen die Leute mit den Füssen»

Übersetzung von Auszügen aus dem Abschnitt «Singen», zu finden auf der Website der Reformierten Kirche des Kantons Zürich.
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Freitag, 19. März 2021

In der evangelischen Kirche wird viel gesungen.
Singen ist ein Markenkern und Alleinstellungsmerkmal
der reformierten Kirche. Denn ohne Singen ist die Kirche
kaum vorstellbar und nirgendwo in der Gesellschaft wird
noch in dieser Weise gesungen. (…) Das Singen im Gottesdienst
und in der Kirche soll die emotionale Gestimmtheit des jeweilig
aktuellen Klangraumes erfassen und ausdrücken. Ausdrücken
meint dabei mit Herz und Mund, mit Leib und Verstand, in Lob
und Klage singen und klingen.

Die Menschen in der reformierten Kirche singen viel.
In der reformierten Kirche ist Singen ganz wichtig.
So wie hier kann man an keinem anderen Ort singen.
Beim Singen zeigen die Menschen
ihre Gefühle.
Zum Beispiel bei einer Beerdigung.
Dann sind die Menschen traurig.
Und sie singen traurige Lieder.
Oder es findet eine Hochzeit statt.
Dann sind die Leute fröhlich.
Und sie singen fröhliche Lieder.
Die Lieder sollen immer gut zu
der Stimmung in der Kirche passen.
Beim Singen haben die Menschen
viele Gefühle.
Sie bewegen ihren Körper zu der Musik.
Und sie müssen auch mitdenken.

1. Merkmale des anregend-fröhlichen Singens

Wie Singen richtig Spass macht

Die Videos zeigen, dass bei den anregend-
fröhlichen Liedern viele Singbegeisterte
versammelt sind. Die Räume, Kirchen und
Veranstaltungs­hallen, in denen gesungen wurde,
sind dicht besetzt und zwischen den Singenden bleiben
keine grossen Lücken.

Wir haben die Menschen beim Singen
in der Kirche gefilmt.
Dann haben wir die Filme angeschaut.
Darum wissen wir: Die Menschen mögen fröhliche Lieder.
Bei fröhlichen Liedern kommen viele Leute in die Kirche.
Diese Menschen wollen alle mitsingen.
Und es gibt fast keine leeren Plätze
in der Kirche.

Das Singen in einer grossen Gruppe Gleichgesinnter
führt zu einer (relativ) fröhlichen Stimmung. Offenbar
vertreibt Gemeinschaft Traurigkeit oder melancholische Stimmung.

Mit anderen Menschen singen ist oft ziemlich lustig.
In einer grossen Gruppe sind die Menschen nicht traurig.
Und sie denken nicht so viel über ernste Sachen nach.

Körperlich sind die Singenden relativ aktiv. Bei den
Gospelsongs stehen sie und klatschen, tanzen und
bewegen sich im Rhythmus. Aber auch bei den eingeordneten
Chorälen wurden vier von sechs mit körperlicher Aktivität gesungen,
vom einfachen Stehen über Einen-Rhythmus-Stampfen und -Klatschen,
Aufstehen bei bestimmten Worten bis hin zu einem Schreittanz durch die Kirche.

Viele Menschen bewegen sich gern
beim Singen.
Zum Beispiel wenn sie Gospel-Lieder singen.
Gospel ist der Name für eine bestimmte Musik.
Gospel-Musik kommt aus Nord-Amerika.
Zuerst haben schwarze Menschen Gospel gesungen.
Aber auch bei uns mögen die Menschen Gospel.
Dazu kann man gut klatschen.
Und man kann tanzen.
Auch bei Chor-Musik bewegen sich
die Menschen meistens gern.
Chor-Musik heisst: Wenn Menschen zusammen singen.
Das berührt die Menschen in
der Kirche.
Dann stampfen sie mit den Füssen.
Oder sie klatschen.
Einige stehen bei bestimmten Stellen
in dem Lied auf.
Und einige gehen und tanzen durch
die Kirche.

2. Merkmale des gemeinschaftslosen Singens

Wann Singen in der Gruppe nicht so Spass macht

Wenn hohe kognitive Anforderungen an die Singenden
gestellt werden, beispielsweise musikalisch-künstlerische
Singweisen oder kontrapunktische Techniken oder die
Aufforderung, dass jede und jeder nur bestimmte Töne
singen soll, dann ist die Konzentration durch die gestellte
Aufgabe gebunden und das Gemeinschaftsgefühl schwindet.

Beim Singen gibt es einfache und schwierige Lieder.
Schwierige Lieder sind:

– Wenn die Menschen besonders schön singen sollen

– Wenn sie nicht alle das gleiche singen

– Wenn sie nur bestimmte Töne singen dürfen

Dann müssen die Menschen gut aufpassen.
Und sie haben nicht so viel Zeit für Spass in der Gruppe.

3. Merkmale des beruhigend-überwältigenden Singens

Wie Singen ganz ruhig machen kann

Fröhliches Mitgerissenwerden ist einfach; selbst
wenn einige Singende traurig und still bleiben,
können andere ausgelassen singen. Eine beruhigende
Stimmung für eine Gruppe zu erzeugen ist viel sensibler,
denn ein oder zwei Störenfriede können die Beruhigung
verhindern. Wie bei den Merkmalen der ersten Gruppe
schon beschrieben, ist es in einer Gruppe schwieriger,
traurig zu sein, als fröhlich.

Fröhliches Singen in der Gruppe
ist einfach.
Beim fröhlichen Singen müssen nicht alle mitmachen.
Einige können auch traurig sein.
Oder sie können still sein.
Das stört die anderen in der
Gruppe nicht.
Und sie können trotzdem fröhlich weiter singen.
Manchmal soll ein Lied aber auch beruhigen.
Das ist viel schwieriger.
Dann müssen alle mitmachen.
Und es darf niemand laut sein.
Sonst stört das sofort.
Und niemand ist mehr ruhig.

4. Merkmale des misslingenden Singens

Wann Singen falsch klingen kann

In den Gottesdiensten und Singveran­staltungen
wurde beobachtet, dass wenn die Singenden
überfordert werden, das Singen misslingt.
Das gilt sicher auch in der anderen Richtung:
Wenn das Singen zu banal ist und keinen reizvollen
Klang hervorruft, ist es einfach langweilig. Dieses
Phänomen wird in der umgekehr­ten U-Kurve für
ästhetisches Erleben dargestellt; sowohl zu niedrige
als auch zu hohe Anforderungen mindern den Singgenuss.

In Gottes-Diensten und an Konzerten hat man gesehen:
Manchmal klappt es mit dem Singen nicht so gut.
Dafür gibt es verschiedene Gründe:
Zum Beispiel kann ein Lied zu schwierig sein.
Dann haben die Sänger Probleme damit.
Oder ein Lied kann zu einfach sein.
Dann wird es schnell langweilig.
Und die Sänger verlieren die Freude daran.

Aufgrund dieser benannten Komplexität brauchen
die Singleiter/innen ein Gespür für das Gelingen des
gemeinsa­men Singens. Manchmal ist es notwendig,
nicht alle überlegten Raffinessen durchzuführen und
die eine oder andere Strophe einfach(er) zu wiederholen.

Jede Sing-Gruppe hat einen Leiter.
Der Leiter übt zusammen mit
der Gruppe.
Manchmal ist ein Lied aber zu schwierig.
Dann kann der Leiter sagen:
Wir machen es ein bisschen einfacher.
Zum Beispiel singen wir immer nur
den gleichen Teil von dem Lied.
Dann haben wir trotzdem Spass.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.