Proust

Christine Häsler 56, Regierungsrätin Kanton Bern

Von 2002 bis 2015 war Christine Häsler Berner Grossrätin, danach sass sie für die Grünen drei Jahre im Nationalrat. Seit 2018 ist sie Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern. Die vierfache Mutter und zweifache Grossmutter ist in Burglauenen im Grindelwaldtal aufgewachsen, wo sie bis heute lebt.
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Montag, 29. April 2019

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Wenn unserer Gesellschaft die Menschlichkeit und das Mitgefühl verloren gingen.

Wo möchten Sie leben?

Meine Heimat, das Grindelwaldtal, ist ein wunderbarer Fleck. Da möchte ich weiterhin leben.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Lieben zu dürfen und geliebt zu werden.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Fehler passieren. Ich verzeihe schnell.

Ihre liebsten Romanhelden?

Die rote Zora und ihre Bande.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Gertrud Kurz.

Ihr Lieblingsmaler?

Oh, viele! Aber Käthe Kollwitz gehört darunter zu den Wichtigsten.

Ihr Lieblingskomponist?

Die alten Meister. Händel, Telemann oder Carl Philipp Emanuel Bach.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Herzlichkeit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Herzlichkeit.

Ihre Lieblingstugend?

Herzlichkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

An einem sonnigen Tag in die Höhe steigen, um ins Tal und in die Weite zu blicken.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Als Kind wollte ich Kaminfegerin werden. Ich habe dann aber eine kaufmännische Lehre absolviert und bin nun seit 25 Jahren in der Politik tätig. Die Nähe zum Handwerk und zu «handfestem» Wirken ist mir dennoch geblieben.

Ihr Hauptcharakterzug?

Hilfsbereitschaft.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie Freunde sind und bleiben, obwohl die gemeinsame Zeit oft sehr beschränkt ist.

Ihr grösster Fehler?

Ich habe einige Fehler. Zum Beispiel, dass ich mir immer mehr vornehme und auflade, als ich dann letztlich umsetzen kann.

Ihr Traum vom Glück?

Eine friedliche, gerechte Welt.

Was möchten Sie sein?

Ein Mensch, der Gutes bewirkt.

Ihre Lieblingsfarbe?

Blau.

Ihre Lieblingsblume?

Die Mohnblume (obwohl sie rot ist).

Ihr Lieblingsvogel?

Der Adler.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Bildung für alle.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Albert Camus.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Dietrich Bonhoeffer.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Gertrud Stauffacher.

Ihre liebste Filmfigur?

Es gibt viele, aber wirklich schön ist «il postino» aus dem gleichnamigen Film.

Ihre Lieblingsnamen?

Gabriela, Adrienne, Pascal, Angela. So heissen meine Kinder.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Grausamkeit, Gewalt, Oberflächlichkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Die zahlreichen Diktatoren, die um der eigenen Macht willen ihr eigenes Volk aufwiegeln, verraten, unterdrücken und zerstören.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Die Nelkenrevolution.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Nein.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Wir sind mit so vielen Gaben beschenkt, die wir zu wenig schätzen. Ich möchte mir des Werts der natürlichen Gaben bewusst sein!

Wie möchten Sie sterben?

Im Frieden mit mir und der Welt.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Hellwach und interessiert.

Ihr Motto?

In meinem Büro hängt seit Jahren dieses Laotse-Zitat: «… dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Du verstehst, das Harte unterliegt.»

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.