Proust

Beatrice Müller 56, Kommunikationsexpertin

Nach sechzehn Jahren als Gesicht der «Tagesschau» im Schweizer Fernsehen machte sich Beatrice Müller 2013 mit einer Kommunikationsagentur selbständig. Ihre journalistischen Erfahrungen gibt sie auch als Dozentin und Autorin weiter.
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Autorin: Beatrice Müller
Freitag, 03. November 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Ich weigere mich, darüber nachzudenken.

Wo möchten Sie leben?

Da, wo ich lebe. Aber auch in Lower Manhattan, in Mayfair, in Saint-Germain-des-Prés, in Buenos Aires oder in Syrakus mit Blick aufs Ionische Meer.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Zufrieden sein im Jetzt.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Meine eigenen.

Ihre liebsten Romanhelden?

Pippi Langstrumpf, die Rote Zora.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Das kann von Tag zu Tag ändern. Ich bin da flexibel.

Ihr Lieblingsmaler?

Caravaggio.

Ihr Lieblingskomponist?

Bach.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Wenn er sich selbst nicht verbissen ernst nimmt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Wenn sie keine Zicke ist.

Ihre Lieblingstugend?

Freundlichkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Arbeiten, lesen, reisen, essen, faulenzen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ich bin mit meiner Wenigkeit ganz zufrieden.

Ihr Hauptcharakterzug?

Da müssen Sie meinen Mann und meine Freunde fragen.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie sich nicht aufplustern.

Ihr grösster Fehler?

Leider reicht hier der Platz nicht, alle meine Fehler aufzuzählen.

Ihr Traum vom Glück?

In unserem Haus inmitten der Weinberge in Italien bei Sonnenaufgang einen Teller Spaghetti essen.

Was möchten Sie sein?

Mich selbst.

Ihre Lieblingsfarbe?

Rot.

Ihre Lieblingsblume?

Die Mohnblume.

Ihr Lieblingsvogel?

Die Schwalbe.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Penicillin.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Das kann von Buch zu Buch wechseln. Ich lese viel.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Menschen, die Gutes tun und es nicht an die grosse Glocke hängen.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Judith, die Holofernes den Kopf abschnitt, weil er sie vergewaltigen wollte.

Ihre liebste Filmfigur?

Anna Magnani, die «die Frau aus dem Volke» spielte.

Ihre Lieblingsnamen?

Beatrice: in vielen Sprachen anwendbar.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Bluffer, Angeber, Hochstapler. Da denke ich an ein irisches Sprichwort: Je weniger einer Verstand hat, desto weniger bemerkt er den Mangel.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Die Nazis.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Asterix, der den Römern Paroli bot. Im Ernst: Jene, die dazu beigetragen haben, dass keine militärischen Leistungen mehr notwendig werden.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ja, und es ist nicht die schlechteste Erfindung. Sie trägt dazu bei, Bösewichten das Fürchten zu lehren.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Klavier spielen zu können.

Wie möchten Sie sterben?

Unbemerkt.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Da müssen Sie meine Katze fragen.

Ihr Motto?

Frisch nach Kafka: Verbringe die Zeit nicht mit der Suche eines Hindernisses, vielleicht ist keines da.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.