Der ehrliche Klappentext

«Agrocity. Die Stadt für Afrika» von Al Imfeld

Ideen für das Afrika der Zukunft: «Agrocity. Die Stadt für Afrika» ist das letzte Manifest des kürzlich verstorbenen Al Imfeld. Bis zuletzt visionär, entwirft der Schweizer Querdenker darin eine partizipative Stadt, in der Urban Gardening, Ahnenkult und moderne Technologie Hand in Hand gehen.
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Autorin: Stephanie Zemp
Freitag, 31. März 2017

Über dreissig Jahre lang reiste Al Imfeld immer wieder nach Afrika. Der Priester und Journalist, Agrarwissenschaftler und Soziologe hat miterlebt, wie sich die Staaten südlich der Sahara nach ihrer Unabhängigkeit von den Kolonialmächten entwickelt haben. Und wie die Landflucht der letzten Jahrzehnte die Städte explosionsartig wachsen liess. Agrocity liefert Denkanstösse für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Es ist die letzte seiner unzähligen Publikationen zum Schwarzen Kontinent – im Februar starb Al Imfeld 82jährig. Das Buch versammelt Ideen dazu, wie die Lebensqualität der Menschen in den Slums verbessert werden könnte. In seinen Visionen spiegelt sich Imfelds Grundhaltung: sein spirituelles Weltbild, das jedem Wesen und jedem Teilchen einen Sinn zusprach, und seine Neugier, die stets die geltenden Normen hinterfragte.

Die afrikanische Stadt der Zukunft, so Imfeld, integriert die Landwirtschaft in das Stadtleben. Daraus erhofft sich Imfeld eine «Kultur des Hegens und Pflegens» der Quartiere. Zentral ist für ihn die Vernetzung und Durchmischung, sowohl im sozialen wie auch im agrarischen Bereich. Dabei schenkt Imfeld den kulturellen Besonderheiten und vermeintlichen Kleinigkeiten ein besonderes Augenmerk. Er beachtet die Bedeutung von Staub in der afrikanischen Denkweise, sieht im menschlichen und tierischen Kot Potenzial für die Energiegewinnung und berücksichtigt beim gedanklichen Entwurf der Gebäude den weitverbreiteten Ahnenkult, der davon ausgeht, dass die Verstorbenen spiegelverkehrt unter der Erde weiterleben. Er plädiert dafür, dass die Menschen lernen, auf ihre (vorkoloniale) Geschichte stolz zu sein und sich auf ihr traditionelles Wissen zu besinnen – um es an die urbane Realität anzupassen. «Afrika muss etwas aufbauen, das in der ganzen Welt leuchtet» – diese Aussage steht seinen Ausführungen Pate.

Etwas vage bleibt Imfeld allerdings in der Umsetzung seiner Visionen: Die Regierungen und die Städteplaner sollten die Infrastruktur wie Abfallentsorgung und Trinkwasserversorgung von Anfang an mitberücksichtigen. Die Bevölkerung müsse in die Entwicklung der Städte miteinbezogen werden. Imfeld fordert die Organisationen der Entwicklungshilfe auf, auch politisch aktiv zu werden, statt nach dem Giesskannenprinzip in den einzelnen Stadtteilen zu arbeiten.

Imfelds Ausführungen zeichnen historische Entwicklungen nach und dokumentieren eigene Erlebnisse. Ein Kapitel schildert die Entstehung und die derzeitige Situation von bestehenden Städten. Gegen Ende der Lektüre zeichnet der Visionär ein immer fassbareres Bild: Er liefert Denkanstösse, vom Anbau von Pflanzen über die Gestaltung von öffentlichen Plätzen bis hin zur Bildung, Ernährung und Gesundheit. In den einzelnen Kapiteln wechselt er die Sprache: Mal ist sie narrativ, mal emotional, mal analytisch. Dabei wiederholen sich manche Argumente. Dank Imfelds kurzweiligem Schreibstil sieht man ihm das aber nach. Agrocity ist so etwas wie ein Vermächtnis des Querdenkers, der bis zuletzt voller Visionen und Ideen blieb.

Stephanie Zemp ist freie Journalistin in Bern.

Al Imfeld: Agrocity. Die Stadt für Afrika. Rotpunktverlag; Zürich 2017; 260 Seiten; 33 Franken.