Leichte Sprache*

«Aber was heisst eigentlich ‹Gott›? Das ist nicht so klar»

Übersetzung von Auszügen aus Karl Barths «Einführung in die evangelische Theologie» von 1962, Kapitel «Erläuterung»
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Freitag, 14. Mai 2021

Theologie ist eine von den herkömmlich als «Wissenschaften» bezeichneten menschlichen Unternehmungen, einen bestimmten Gegenstand oder Gegenstandsbereich auf dem durch diesen selbst gewiesenen Weg als Phänomen wahrzunehmen, in seinem Sinn zu verstehen, in der Tragweite seiner Exis­tenz zur Sprache zu bringen. Das Wort «Theologie» scheint zu besagen, dass es sich in ihr als einer besonderen (sehr besonderen!) Wissenschaft darum handelt, «Gott» wahrzunehmen, zu verstehen, zur Sprache zu bringen.

Wissenschaftler forschen über viele Dinge.
Forschen bedeutet: etwas untersuchen.
Zum Beispiel forschen die Wissenschaftler über die Natur.
Das heisst dann: Natur-Wissenschaft.
Oder sie forschen über die Vergangenheit.
Das heisst: Geschichts-Wissenschaft.
Auch Theologie ist eine Wissenschaft.
Theologie ist ein griechisches Wort.
Es bedeutet: Lehre von Gott.
Theologen wollen herausfinden: Wer ist eigentlich Gott?
Darüber schreiben die Theologen dann Bücher.
Theologie ist eine ganz besondere Wissenschaft.
Warum?
Darüber reden wir später noch.

Aber mit dem Wort «Gott» kann vieles gemeint sein. Und so gibt es auch vielerlei Theologien. (…) Keine Religion, keine Philosophie, keine Weltanschauung (bis hin zu der des Schweizerpsalms), die nicht in irgendeiner Gründlichkeit oder Oberflächlichkeit auch einer so oder so interpretierten und umschriebenen Gottheit zugewendet und insofern auch Theologie wäre.

Wissenschaftler forschen über viele Dinge.
Forschen bedeutet: etwas untersuchen.
Zum Beispiel forschen die Wissenschaftler über die Natur.
Das heisst dann: Natur-Wissenschaft.
Oder sie forschen über die Vergangenheit.
Das heisst: Geschichts-Wissenschaft.
Auch Theologie ist eine Wissenschaft.
Theologie ist ein griechisches Wort.
Es bedeutet: Lehre von Gott.
Theologen wollen herausfinden: Wer ist eigentlich Gott?
Darüber schreiben die Theologen dann Bücher.
Theologie ist eine ganz besondere Wissenschaft.
Warum?
Darüber reden wir später noch.

Das gilt nicht nur da, wo man diese Gottheit als Inbegriff der Wahrheit oder Macht irgendeines höchsten Prinzips positiv zur Geltung bringen oder doch gelten lassen möchte, sondern auch da, wo man es auf ihre Leugnung abgesehen hat, die ja praktisch doch nur darin bestehen wird, dass man genau ihre Würde und Funktion etwa auf die «Natur», auf einen unbewussten und gestaltlosen Lebensdrang, auf die «Vernunft», auf den Fortschritt oder auf den fortschrittlich denkenden und handelnden Menschen, vielleicht auch auf ein erlösendes Nichts überträgt, in das einzugehen des Menschen Bestimmung sei: Theologien sind auch solche scheinbar «gottlosen» Ideologien. (…)

Gott ist aber nicht nur für gläubige Menschen wichtig.
Auch Menschen mit anderen Welt-Anschauungen haben eine Vorstellung von Gott.
Welt-Anschauung heisst: Was ein Mensch über die Welt und über das Leben denkt.
Manche Menschen glauben zum Beispiel an die Natur-Wissenschaften.
Sie sagen: Alles in der Welt geschieht nach den Gesetzen von der Natur.
Andere Menschen glauben: Es gibt bestimmte Gesetze in der Geschichte.
Und diese Gesetze führen irgendwann zu einer besseren Gesellschaft.
Diese Menschen glauben meistens nicht an Gott.
Sie sagen: Es gibt nur die Gesetze von der Natur und von der Geschichte.
Aber diese Gesetze sind selber ein bisschen wie Gott.
Denn sie geben Antworten auf die gleichen Fragen.
Zum Beispiel: Wie ist die Welt entstanden?
Oder: Was ist der Sinn von unserem Leben?
Darum sind auch Welt-Anschauungen eine Art von Theologie.

Mit «evangelisch» soll hier sachlich die «katholische», die ökumenische (…)Kontinuität und Einheit all der Theologie bezeichnet sein, in der es inmitten des Vielerlei aller sonstigen Theologien und (…) verschieden von ihnen darum geht, den Gott des Evangeliums, d.h. den im Evangelium sich kundgebenden, für sich selbst zu den Menschen redenden, unter und an ihnen handelnden Gott auf dem durch ihn selbst gewiesenen Weg wahrzunehmen, zu verstehen, zur Sprache zu bringen. Wo es sich ereignet, dass er der Gegenstand menschlicher Wissenschaft und als solcher deren Ursprung und deren Norm wird, das ist evangelische Theologie.

Wir wissen jetzt: Theologie ist die Lehre von Gott.
Und wir wissen: Es gibt viele ver­schiedene Theologien.
Eine davon ist die evangelische Theologie.
Das ist eine christliche Theologie.
Evangelisch kommt von dem Wort Evangelium.
Das ist ein griechisches Wort.
Es heisst: Frohe Botschaft.
Die Frohe Botschaft steht in der Bibel.
Die Frohe Botschaft ist eine Nachricht von Gott.
Gott schickt diese Nachricht durch Jesus an die Menschen.
Jesus ist der Sohn von Gott.
Die Nachricht von Gott soll die Menschen froh machen.
Evangelische Theologen forschen über diese Nachricht.
Die evangelischen Theologen kommen aus verschiedenen Kirchen.
Zum Beispiel aus der evangelischen Kirche.
Oder aus der katholischen Kirche.
Denn auch die katholischen Theologen forschen über das Evangelium.
Theologen wollen wissen: Was steht in der Bibel über Gott geschrieben?
Und sie wollen herausfinden: Was will Jesus den Menschen sagen?
Dazu lesen sie die Bibel genau.
Und sie lesen auch Bücher von anderen Theologen.
Theologen haben schon vor langer Zeit über diese Fragen nachgedacht.
Darum gibt es viele Bücher über die evangelische Theologie.
An der Universität kann man diese Bücher studieren.
Am Ende von dem Studium ist man selber Theologe.

* Religionen und Theologie tun sich oft schwer, ihre Botschaft in einfache Worte zu fassen. Die leichte Sprache leistet Übersetzungshilfe: Sie macht Schwieriges verständlich. Das ist manchmal auch entlarvend.