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Donnerstag, 18. Juni 2026

Die Fotografie zeigt eine historische Filmszene während Dreharbeiten. Nadine Reding arbeitet konzentriert an der Oberfläche eines Glasnegativs, als ihr ein Malheur passiert: Eine Schicht löst sich ab. Tausende Male hat Reding, die erfahrene Restauratorin, Fotografien gereinigt und instand gesetzt, selten passiert ein Missgeschick. Ausgerechnet bei dieser wertvollen Aufnahme läuft etwas schief.

Reding nimmt das Telefon zur Hand und ruft Andreas Gruber an. Gruber arbeitete unter anderem für die Wiener Albertina, eines der grössten Kunstmuseen Europas. «Kunststoffbox drüber, heimgehen», rät er. Erzählt Reding heute – Jahre später – vom Zwischenfall, schmunzelt sie. Tatsächlich sei es ihr am folgenden Tag gelungen, den Schaden zu beheben.

Reding, olivgrüner Pulli, graue Schürze, silbergraue Haare, arbeitet seit bald 30 Jahren in ihrem Metier. Sie wollte Fotografin werden, für die Kunsthochschule reichte es jedoch nicht, und eine Fotografinnenlehrstelle fand sie keine. So kam es, dass sie sich zur Fotoretuscheurin ausbilden liess. 1997 schloss sie ab, als Letzte ihres Fachs, danach gab es die Ausbildung nicht mehr.

Schwämme, Leim und Japanmesser

Anfang der 2000er-Jahre hängte sie in Bern ein Fachhochschulstudium in Restaurierung und Konservierung von Grafik, Schriftgut und Fotografie an und absolvierte bei namhaften Fotofirmen wie Kodak Praktika. 2004 machte sie sich in der Bundesstadt mit eigenem Atelier selbständig.

Dort liegt die Temperatur konstant bei 22 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 45 Grad. Das ist zwingend, die Objekte würden auf Klimaschwankungen reagieren und könnten Schaden nehmen. Doch Redings Aufgabe ist es, die Fotografien, die sie bekommt, von Schäden zu befreien und möglichst wieder in den Originalzustand zu bringen.

Sie zieht eine Holzschachtel hervor, in der sich Diaaufnahmen aneinanderreihen. Einige Glasplatten kleben regelrecht aufeinander, sie sind mit einer beigen Schlammschicht überzogen. Eine Privatperson hatte die Schachtel im Keller unsachgerecht gelagert, eine Überschwemmung hat die Dias stark beschädigt. Reding zieht Latexhandschuhe an, mit Schwämmchen und Lappen wird der Schlamm sorgfältig entfernt.

Aktuell reichten die Aufträge aus, sagt Reding, die grossen grauen Arbeitstische in ihrem Atelier sind voll belegt. Neben Modeaufnahmen liegt eine 10 Meter lange Baryt-Fotografie, ein Abzug auf besonders hochwertigem Fotopapier für analoge Schwarz-Weiss-Fotografie, auf Textil kaschiert, sie zeigt das Luzerner Stadtpanorama von ca. 1900.

bref+

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