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Donnerstag, 03. September 2026

Die grossen Musiker der Jazzgeschichte sind für ihre Anhänger Identifikationsfiguren. Als Solisten, als Improvisatoren, als Innovatoren: Der Jazzmusiker ist eine Art Held. Nach rund einem Jahrhundert Jazzgeschichte gibt es viele. Etwa Louis Armstrong, den ersten Solisten, Duke Ellington, den Erfinder des sinfonischen Jazz, und Virtuosen auf allen Instrumenten, in allen Genres und allen Epochen.

John Coltrane ist gewiss einer von diesen Helden. Er war ein Saxofonvirtuose. Seine Innovationen und Errungenschaften sind zahlreich, und sein Werk ist enorm vielseitig, es spricht die Hörerinnen und Hörer aus ganz unterschiedlichen Gründen an. Indessen sind sich die Coltrane-Fans untereinander keineswegs einig darüber, worin genau Coltranes Bedeutung liegt.

Die Bewunderung für den Musiker geht über seine Saxofontechnik und über die künstlerische Innovation einer einzelnen Werkphase hinaus. Coltrane ist ein Gigant der Jazzgeschichte, die Faszination für seine Person und seine Wirkmacht geht von seinem Leben und Wirken insgesamt aus. Plakativ gesagt: Coltrane ist der Jazz-Held schlechthin. Und dies in mehrerer Hinsicht.

Meister der Technik

Als Erstes machte John Coltrane als Virtuose auf dem Tenorsaxofon Furore, als er 1959 das Album «Giant Steps» einspielte. Da war er schon 33-jährig. Zu einem erstklassigen Solisten hatte er sich erst in den vergangenen drei Jahren als Sideman von Miles Davis und Thelonious Monk gemausert.

Miles Davis, der sein Leben lang Talente entdeckt und aufgebaut hatte, liess ihn ab 1955 bei seinem Comeback an seiner Seite spielen und gab ihm alle Zeit und Freiheit für seine immer mutigeren Solos. Monk brachte ihm anschliessend die Finessen seiner hochkomplexen Kompositionen bei und forderte ihn durch seinen legendär unberechenbaren Begleitstil heraus.

John Coltrane und Miles Davis (im Hintergrund) in New York bei einer Studioaufnahme für Columbia Records im Jahr 1958. (Bild: Keystone / Dennis Stock / Magnum Photos)

Nach diesen entscheidenden Lehrstellen machte Coltrane als Leader seines eigenen Quartetts Furore. Auf «Giant Steps» trieb er die harmonische Komplexität und die rasend schnelle Spielweise des Bebop auf die Spitze.

Seine Kompositionen modulieren innert weniger Takte mehrmals zwischen drei Tonarten hin und her, die sich fremd sind, das heisst wenige gemeinsame Töne haben. Die Improvisation über diese ungewohnten Akkordfolgen, die sogenannten «Coltrane Changes», in halsbrecherischem Tempo ist eine Etüde für Fortgeschrittene. Coltrane war lange Zeit der Einzige, der sie beherrschte.

Seither steht «Giant Steps» unter Jazzschülern für ein Extrem der Komplexität und für technischen Drill. Der Komponist des Stücks steht für das Streben nach Meisterschaft auf dem Instrument und für die maximalen Ansprüche des Solisten an sich selbst. Dieser Coltrane ist der Held der Selbstüberwindung.

Willenskräftig und innovativ

Dass ihm sein Können nicht in den Schoss gefallen war, dokumentieren zahlreiche Anekdoten zu seiner Disziplin. So soll er etwa ohne Pause geübt haben, bis er abends mit dem Mundstück im Mund einschlief. Und nach seinen Solos ging er zuweilen von der Bühne, um während des Klaviersolos in der Garderobe weiterzuspielen, bis er wieder dran war.

Doch der eindrücklichste Beleg für Coltranes Willenskraft ist die Geschichte seines Drogenentzugs. Wie viele Jazzmusiker der späten 1940er- und 1950er-Jahre war er heroinabhängig. Jahrelang trat seine Karriere an Ort und Stelle, und er war wegen seiner Unzuverlässigkeit aus mehreren Bands geworfen worden, etwa von Johnny Hodges und von Miles Davis.

Im Mai 1957 zwang er sich in seinem Haus in Philadelphia, betreut von seiner Mutter und seiner Frau, zu einem kalten Entzug von Heroin und Alkohol. Das Jahrzehnt, das ihm von da bis zu seinem frühen Tod im Alter von 40 Jahren an Leberkrebs verblieb, war enorm produktiv und erfolgreich.

bref+

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