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Donnerstag, 18. Juni 2026

Lunch in 250 Metern Höhe

Die Weltwirtschaftskrise lähmt die Welt. Gleichzeitig schiessen in New York Wolkenkratzer in den Himmel: Fortschritt trotz Krise.

Das Rockefeller Center ist fast fertig. Am 20. September 1932 setzen sich elf Arbeiter auf einen Stahlträger zuoberst auf dem Bauwerk, sie rauchen, trinken und reden. Sie lassen ihre Füsse in 250 Metern über der Innenstadt New Yorks baumeln. Dass sie nicht gesichert sind, scheint sie nicht zu kümmern.

Das Bild erscheint in einer Sonntagsbeilage der «New York Herald Tribune», dann verschwindet es in einem Archiv mit elf Millionen historischen Fotografien aus den USA. In den Neunzigerjahren entdeckt ein Mitarbeiter einer Bildagentur das Glasnegativ, das in billiges Manila-Papier eingepackt und in fünf Stücke zerbrochen ist.

Bald interessieren sich auch Historiker für das Bild. Sie finden weitere Aufnahmen desselben Shootings. Einmal werfen sich die Männer einen Football zu, ein anderes Mal scheinen sie zu schlafen. Schnell wird klar: Die angeblich spontane Mittagspause wurde für Werbezwecke gestellt.

Und doch bleibt das Bild authentisch, denn gefährliche Arbeitsbedingungen entsprachen durchaus der Realität. Insbesondere von den indigenen Mohawk kamen viele sogenannte Skywalker in US-Städte, um Hochhäuser zu bauen.

Aufmacherbild: «Lunch atop a Skyscraper», Urheber unbekannt. New York, 1932 (Bild: Wikimedia Commons).

Erdaufgang im Seitenfenster

«Earthrise», William Anders. Apollo-8-Mission, 1968 (Bild: NASA / Bill Anders).

«Oh my God», sagt der US-Astronaut William Anders, als er an Heiligabend 1968 durch das Seitenfenster des Apollo-Raumschiffs schaut. «Here’s the Earth coming up. Wow, is that pretty!»

Die Mission von Apollo 8 ist es, eine spätere Mondlandung vorzubereiten. Es ist der erste bemannte Flug zum Mond. Mit seinen Kollegen Frank Borman und James Lovell umkreist Anders den Mond zehnmal. Und nun sehen sie als erste Menschen überhaupt die Erde aufgehen.

Anders’ Job ist es, Bilder der Mondoberfläche zu machen. Schöne Weltall-Fotos sieht das Protokoll nicht vor. Trotzdem greift der 35-Jährige zur Kamera, drückt ab. Dann legt er einen Farbfilm ein und macht zwei weitere Aufnahmen.

Wenig später spricht das Trio in einer Live-Übertragung aus dem Mondorbit zum Fernsehpublikum – für die damalige Zeit eine technische Sensation. Die Astronauten lesen die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel vor.

In die Geschichte eingehen wird aber vor allem das Foto von William Anders. Es ziert Briefmarken, Poster und trägt entscheidend zur Entstehung der Umweltbewegung bei.

Es ermöglicht einen Perspektivwechsel: Im Kontrast zur kargen Mondoberfläche wirkt die Erde auf dem Bild wie eine zerbrechliche Glaskugel in den unendlichen Weiten des Weltalls – eine, die es zu schützen lohnt.

Blockade mit Einkaufstüten

«Tank Man» / «Unknown Rebel», Jeff Widener, Peking 1989 (Bild: AP Photo / Jeff Widener).

4. Juni 1989 in der Nähe des Tian’anmen-Platzes in Peking. Am selben Tag sind Demonstrationen von Studenten, die am 17. April begonnen hatten, gewaltsam niedergeschlagen worden, viele Menschen wurden Opfer des Massakers. Sie hatten anlässlich eines Besuchs des sowjetischen Reformers Michail Gorbatschow eine politische Öffnung der totalitären Volksrepublik China gefordert.

Ein Mann steht allein auf der Fahrbahn, zwei Einkaufstüten in der Hand. Als die Panzer vor ihm auffahren, stellt er sich ihnen in den Weg. Er steigt auf den vordersten Panzer und beginnt, mit dem Fahrer zu diskutieren. Danach blockiert er die Weiterfahrt der Panzer erneut, indem er sich vor die Kolonne stellt.

Nach einigen Minuten wird er von vier Personen weggezogen. Mehrere Fotografen halten den Moment fest. Der «Tank Man» wird in der westlichen Welt zum vielleicht bekanntesten Symbol für zivilen Widerstand.

Zur Identität des mutigen Mannes gibt es nur Gerüchte, genauso wie zur Frage, was aus ihm wurde. Nach manchen Quellen wurde er verhaftet und hingerichtet. Die Journalistin Jan Wong, die als Augenzeugin vor Ort war, ist überzeugt, dass der «Tank Man» untertauchte.

In China sind die Ereignisse am Tian’anmen-Platz noch heute ein rotes Tuch – genauso wie das Foto des «Tank Man». Zu einer politischen Öffnung kam es nie.

Kuss zum Kriegsende

«Kissing the War Goodbye», Victor Jorgensen. New York, 1945 (Bild: Wikimedia Commons).

14. August 1945 mitten in Manhattan. Am Abend wird Harry S. Truman eine Ansprache halten. Stunden vorher sickert durch, dass der US-Präsident die Kapitulation Japans und damit das endgültige Ende des Zweiten Weltkriegs verkünden wird. Spontan versammeln sich zahlreiche Menschen in New Yorks Zentrum.

bref+

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