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Donnerstag, 16. April 2026

Männer, die wieder Anführer sein wollen. Regierungen, die Abtreibungsrechte kippen und trans Personen die Existenzberechtigung absprechen. Influencer, die Gebärpflicht propagieren. Und ein US-Präsident, der Gleichstellungs- und Diversity-Programme per Dekret abschafft. Wer die politischen Entwicklungen der letzten Jahre beobachtet, kommt kaum umhin, sich zu fragen: Kehrt das Patriarchat zurück?

Wenn man genauer hinschaut, hält diese These allerdings kaum stand. Klar, die Rechtspopulisten versprechen ihren Fans, die göttliche Ordnung der Natur wiederherzustellen – als Männer noch Männer und Frauen noch Frauen, Familien gross und Kinder gehorsam waren und die Verhältnisse nicht von Feministinnen durcheinandergebracht worden waren.

Was Rechtspopulisten anstreben, ist alles andere als eine Rückkehr zur traditionellen Weltordnung. Die klassischen Patriarchen hatten eine klare Vorstellung davon, wie die Welt geordnet sein sollte: durch die Autorität von Institutionen wie Kirchen, Universitäten, Parlamenten, Gerichten.

Diese Männer beanspruchten für sich Wohlstand und Ansehen, fühlten sich aber im Gegenzug auch bis zu einem gewissen Grad für das Wohlergehen der Menschen verantwortlich, die von ihnen abhängig waren. Frauen, Kinder, arme Menschen, Menschen in den Kolonien hatten im Patriarchat keine Bürgerrechte – aber auch die Familienväter standen nicht über dem Gesetz.

Die Machthaber von heute funktionieren anders. Mit gesellschaftlichen Normen, Gesetzen oder Bibelsprüchen muss man ihnen nicht kommen: Das Einzige, was ihn stoppen könne, sei seine eigene Moral, verkündete Donald Trump in einem Interview mit der «New York Times».

Damit ist es allerdings nicht weit her. Die Trump-Familie hat 2025 ihr Vermögen um 3,4 Milliarden Dollar fast verdoppelt, wie das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzt. Wie dicht der Filz ist und wie weit er unter den Reichen und Einflussreichen verbreitet ist – und zwar nicht nur rechts –, haben zuletzt die Epstein-Files eindrücklich vor Augen geführt.

Es hat sich ein bestimmter Typ Mann herausgebildet, der heute in vielen Regionen der Welt entweder regiert oder durch schieren Reichtum und Beziehungen enorme Macht besitzt. Anders als die klassischen Patriarchen folgt dieser Typ Machthaber keiner konsistenten weltanschaulichen Idee, sondern betreibt das, was die Politikwissenschaftlerin Paula Köhler als «Salatbar-Extremismus» beschrieben hat: Es wird alles Mögliche nach eigenem Gusto zusammengewürfelt – weisser Nationalismus, religiöser Fanatismus, Verschwörungsmythen und natürlich Misogynie und Queerfeindlichkeit.

Religiöse Eiferer reissen Stellen aus der Bibel oder dem Koran willkürlich aus dem Zusammenhang, wenn sie zur eigenen Ideologie passen. Milliardäre wie Peter Thiel und Elon Musk basteln sich aus alten Science-Fiction-Romanen, esoterischen Theorien und Versatzstücken aus der Bibel ein krudes Weltbild zusammen, das auf Transhumanismus, Unsterblichkeit und Marsbesiedelung baut – ohne Anspruch auf Kohärenz, dafür mit umso mehr Geld, Grössenwahn und politischem Einfluss im Rücken.

Nehmen, was man bekommen kann

Diese Männer – und es sind so gut wie immer Männer – kämpfen nicht «für Familie, Volk und Vaterland» wie die Patriarchen von einst. Ihr Motto ist vielmehr das, was Kapitän Jack Sparrow im Hollywood-Blockbuster «Fluch der Karibik» so prägnant auf den Punkt gebracht hat: «Nimm, was du kriegen kannst, gib nichts zurück.» Wir haben es nicht mehr mit Patriarchen zu tun, sondern mit Piraten.

Im Umgang mit ihnen brauchen wir andere, neue Strategien. Es ist sinnlos, von Autokraten Gleichberechtigung einzufordern oder von rechten Kulturkämpfern Anerkennung zu erhoffen. Postpatriarchale Chaoten lachen über unsere berechtigten Forderungen, und aus unserer Empörung schlagen sie Kapital für sich selbst. So wie kürzlich bei einer Studie, nach der angeblich fast ein Drittel der jungen Männer in Deutschland der Meinung sind, dass Ehefrauen ihren Männern gehorchen sollen.

Die Zahlen beruhten zwar lediglich auf einer Online-Umfrage und waren keineswegs repräsentativ, trotzdem ging die Meldung viral und liess die Frauenfeinde am Ende wie Sieger im Kulturkampf dastehen. Die klassischen Aktionsformen politischer Befreiungsbewegungen – Proteste und Petitionen, Appelle an die Vernunft, wissenschaftliche Erkenntnisse – funktionieren nicht, wenn man es mit Leuten zu tun hat, die die Produktion von Fake News für ein legitimes Mittel der Politik halten und an Wahrheit schlicht nicht interessiert sind.

bref+

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