Proust

Yves Bossart, 33, Moderator

Yves Bossart wurde 1983 geboren, hat in Luzern, Zürich und Heidelberg Philosophie studiert und an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Er arbeitet als Redaktor und Moderator der Sendung «Sternstunde Philosophie» beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF und lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Zürich.
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Autor: Yves Bossart
Freitag, 13. Januar 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Eingesperrt, einsam, fern von Freunden und Geliebten, im Wissen darum, dass ich Böses getan habe, mich selbst hassend.

Wo möchten Sie leben?

Da wo mein Herz mich hinzieht. Zurzeit ist das die Schweiz.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Wenn ich das wüsste …

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Fehler, die verträumte Menschen machen.

Ihre liebsten Romanhelden?

Solche, die keine sind. Ich lese nicht gerne Romane mit Helden.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Menschen, von denen man nichts hört, nichts liest, die sich aber täglich aufopfern, helfen und dabei ganz bei sich sind.

Ihre Lieblingsmaler?

Da bin ich bei der grossen Masse: Caravaggio, Rothko, Richter.

Ihr Lieblingskomponist?

Ich höre Jazz. Da wird improvisiert, nicht komponiert. Keith Jarrett vielleicht.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Oje, jetzt muss ich aufpassen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Nächste Frage.

Ihre Lieblingstugend?

Das ist klar: die Liebe. Vielleicht die einzige Tugend, die das Leben nicht nur besser macht, sondern ihm auch einen Sinn verleiht.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Beobachten.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Arzt. Aber ich kann kein Blut sehen.

Ihr Hauptcharakterzug?

Vielseitigkeit.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie mich verstehen. Dass sie mich so mögen, wie ich bin. Und dass sie auch für mich da sind, wenn ich sie nicht brauche.

Ihr grösster Fehler?

Gefallsucht.

Ihr Traum vom Glück?

Gelassenheit, Liebe und geistige Klarheit.

Was möchten Sie sein?

Ein guter Philosoph und ein guter Mensch.

Ihre Lieblingsfarbe?

Heute: Blau.

Ihre Lieblingsblume?

Vergissmeinnicht.

Ihr Lieblingsvogel?

Oje, da muss ich erst googeln. Ja, doch: Weisskopfadler.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Das Internet.

Ihre Lieblingsschriftsteller?

Dostojewski, Proust, Kafka, Mann. Jetzt bräuchte ich noch eine Frau …

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Meine Frau.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Anne Frank vielleicht.

Ihre liebste Filmfigur?

Sehr klar diese Antwort für mich ist: Jedi-Meister Yoda aus Star Wars.

Ihre Lieblingsnamen?

Jeder Name kann schön werden durch den Menschen, der ihn trägt.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Strategische Schauspielerei.

Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten?

Machtgeile Psychopathen. Davon gab es leider mehr als genug.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Ich stehe nicht so auf Militär.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ja, das scheint mir plausibel. Ich glaube allerdings auch, die Menschenrechte sind eine Erfindung des Menschen. Trotzdem brauchen wir sie.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Herzenswärme.

Wie möchten Sie sterben?

Glücklich.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Heiter.

Ihr Motto?

Jeden Tag ein neues.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.