Proust

Robert Kolinsky, 46 Pianist und Regisseur

Robert Kolinsky leitet die jährlich im November in Basel stattfindenden Festtage zu Ehren des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů. Sein Dokumentarfilm «To Make A Comedy Is No Fun» über den Oscarpreisträger Jiří Menzel feierte Premiere an den Solothurner Filmtagen und erhielt am Heimatfilmfestival Freistadt den Publikumspreis. Kolinsky lebt mit seiner Familie in Berlin und Zürich.
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Bild: ZVG
Freitag, 11. November 2016

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Daran will ich gar nicht denken.

Wo möchten Sie leben?

Im «Hier und Jetzt». Ich muss mich nur noch für das passende Ratgeberbuch entscheiden.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Wenn man bereits friedlich unter der Erde liegt?

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die meinen.

Ihre liebsten Romanhelden?

Ich hab keinen. Die meisten leiden ja so – und ich bin kein Masochist.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

«Anna» und «Elsa» – zurzeit nennen sich unsere beiden Töchter so.

Ihr Lieblingsmaler?

Er heisst Stefan und hat unser Wohnzimmer tadellos hinbekommen.

Ihr Lieblingskomponist?

Keine Frage: Bohuslav Martinů.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Wenn er mir zuhören kann.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Wenn ich ihr zuhören darf.

Ihre Lieblingstugend?

Das Zuhören.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Fragebogen für einen guten Zweck ausfüllen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ich möchte mit niemandem tauschen.

Ihr Hauptcharakterzug?

Ratlosigkeit.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Wenn sie sich bei mir melden.

Ihr grösster Fehler?

Dass ich mich bei ihnen nicht melde.

Ihr Traum vom Glück?

Ich träumte noch nie vom Glück.

Was möchten Sie sein?

Sie kennen mich doch gar nicht.

Ihre Lieblingsfarbe?

Das hängt von der Sonnenbrille ab.

Ihre Lieblingsblume?

Die, die mir letzte Woche «Elsa» gemalt hat.

Ihr Lieblingsvogel?

Es ist der aus der Beethoven-Pastorale.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Kontaktlinsen – seit ich sie trage, steht meine Frau so richtig auf mich.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Ist es der, von dem ich die meisten Bücher gelesen habe? Dann wäre es Reinhold Messner, der Bergsteiger.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Obama. Das mein ich ernst!

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Angela Merkel. Das auch!

Ihre liebste Filmfigur?

Zurzeit der Räuber Rumcajs, eine tschechische Zeichentrickfigur.

Ihre Lieblingsnamen?

Clint oder Eastwood.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Wenn es sehr stinkt.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Diejenigen, die unbedingt was Wichtiges und Bedeutendes erreichen wollten.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Die vorgetäuschten.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ich glaube es nicht nur, ich weiss es.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Immer gut drauf sein.

Wie möchten Sie sterben?

Zufrieden und lächelnd, vielleicht mit einem Geo-Magazin in der Hand?

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Absolut gegenwärtig.

Ihr Motto?

Flucht nach vorn.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.