Proust

Peter Schneider 58, Psychoanalytiker und Autor

Peter Schneider lebt und arbeitet in Zürich als Psychoanalytiker und lehrt als Privatdozent für Klinische Psychologie an der Universität Zürich und als Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Bremen. Ausserdem betätigt er sich als Satiriker (SRF3 und Sonntagszeitung) und Kolumnist (Tagesanzeiger und Bund). Er ist Autor zahlreicher Bücher.
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Bild: ZVG
Freitag, 12. Februar 2016

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Das sage ich lieber nicht, um das Schicksal nicht auf dumme Gedanken zu bringen.

Wo möchten Sie leben?

Ein kleines Fünf-Zimmer-Apartment mit Sicht auf die Brooklyn-Bridge wäre nett.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Ein Sechs-Zimmer-Apartment mit Sicht auf die Brooklyn-Bridge.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Alle, die nicht auf Bösartigkeit beruhen.

Ihre liebsten Romanhelden?

Jack, Philipp, Lucy, Kiki, Anne, Georgina, Richard, Julian und Timotheus.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Erin Brockovich.

Ihr Lieblingsmaler?

Edward Hopper.

Ihr Lieblingskomponist?

Friedrich Hollaender.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Dasselbe, was ich an einer Frau schätze, abgesehen von den breiten Hüften (siehe unten).

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Liebenswürdigkeit, einen guten Appetit, Intelligenz, Güte, Ironie, Zuverlässigkeit, Sentimentalität im rechten Moment, Trinkfestigkeit, breite Hüften und ein paar wenige andere äussere Werte.

Ihre Lieblingstugend?

Freundlichkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Schlafen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Leonard Zelig.

Ihr Hauptcharakterzug?

Pflichtbewusstsein.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Die Freundschaft.

Ihr grösster Fehler?

Ungeduld und Perfektionismus. Und ich kann schlecht delegieren. Ausserdem sage ich immer genau das, was man von mir erwartet.

Ihr Traum vom Glück?

Eine Acht-Zimmer-Wohnung mit Sicht auf die Brooklyn-Bridge und ein netter Doorman, der mich morgens, wenn ich im Diner um die Ecke die Bagels mit Creamcheese und Lox hole, während meine Frau den Espresso kocht und den Aschenbecher bereitstellt, fragt, ob ich gut geschlafen habe.

Was möchten Sie sein?

Hilfreich und gut und reich und schön.

Ihre Lieblingsfarbe?

Dunkelolivgrün mit zartem dunkelblauem Karo. Vorzugsweise in Cashmere und in Anzugform. Mit Weste.

Ihre Lieblingsblume?

Blühende Moose. Aber das sind im strengen Linnéschen Sinne keine Blumen, oder?

Ihr Lieblingsvogel?

Der Kakapoo.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Das Internet.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Zurzeit Joachim Meyerhoff.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Die Ritchie-Boys, die entfernten Vorbilder der Inglourious Basterds.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Die polnischen Partisaninnen des Zweiten Weltkriegs.

Ihre liebste Filmfigur?

Rick. Der mit dem Café. Und Everett «Ulysses» McGill aus O Brother, Where Art Thou.

Ihre Lieblingsnamen?

Paul, Edgar, Charlotte, Frauke, Gesche, Clara, Marlene.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Dummheit gemischt mit Aggressivität und Sendungsbewusstsein.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Denunzianten.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Die Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ach, wahrscheinlich ist das ja eine wechselseitige Geschichte, die sich mit der Zeit hochgeschaukelt hat.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Vielsprachigkeit und Klavierspielen ohne Üben. Und mit den Tieren reden zu können.

Wie möchten Sie sterben?

Nicht, dass ich grossen Respekt vor dem Sterben hätte; bloss eine Heidenangst. Also am liebsten – vor allem für mich – möglichst unspektakulär.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Danke der Nachfrage.

Ihr Motto?

Üb immer Treu und Redlichkeit. Und: Was nicht dringend ist, zuerst.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.