Proust

Milo Moiré 36, Performancekünstlerin

Milo Moiré studierte nach einer Ausbildung zur Primarlehrerin Psychologie an der Universität Bern. Ein Interview mit der Künstlerin Marina Abramović bewegte sie 2006 dazu, eigene Konzepte für Performances zu entwickeln. Unter anderem setzt sie sich mit pornografischen Inhalten in der Kunst auseinander und sorgt mit Nacktauftritten im öffentlichen Raum regelmässig für Furore. Moiré lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Autorin: Milo Moiré
Freitag, 26. Juli 2019

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Wenn Kunst und Porno aussterben.

Wo möchten Sie leben?

Dort, wo die Sonne scheint und Frei­geister leben.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Mich selbst zu lieben.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Alle. Ich möchte nicht der Sklave von Groll sein.

Ihre liebsten Romanhelden?

Siddhartha.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Jeanne d’Arc, ich stehe auf Märtyrerinnen. Auch die intellektuelle Freiden­kerin mit sexuellem Selbstbewusstsein hat es mir angetan: Simone de Beauvoir.

Ihr Lieblingsmaler?

Francis Bacon und die Malerin Cecily Brown.

Ihr Lieblingskomponist?

Kein spezieller, ich mag Bach und Wagner.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Gradlinigkeit, Stehvermögen und galantes Benehmen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Die leibhaftige Schöpferkraft ist das absolute Alleinstellungsmerkmal der Frau. Abgesehen davon schätze ich Frauen, die sich nicht massregeln lassen, insbesondere nicht beim Thema Sexualität.

Ihre Lieblingstugend?

Ehrlichkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Tiefes Atmen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Eine Suggestivfrage. Da ich einzigartig bin, ich.

Ihr Hauptcharakterzug?

Durchhaltewillen.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Keine Tabus zu haben.

Ihr grösster Fehler?

Fehler? «Shit happens» ist der Kompost fürs Wachstum.

Ihr Traum vom Glück?

Ein selbstbestimmtes Leben, in dem sich Arbeit wie Leben anfühlt und Beziehungen nach «Eins-Sein».

Was möchten Sie sein?

Eine Sex-Pionierin der Kunst.

Ihre Lieblingsfarbe?

Hautton.

Ihre Lieblingsblume?

Französische Tulpe.

Ihr Lieblingsvogel?

Ich mag den Klang von Singvögeln.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Die Pille.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Shakespeare und Paulo Coelho.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

All diejenigen mit Zivilcourage.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Alle Frauen, die sich gegen das Patriarchat aufgelehnt haben.

Ihre liebste Filmfigur?

Amélie Poulain.

Ihre Lieblingsnamen?

Habe ich keine.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Massloses Ego.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Ist es nicht so, dass uns die grössten Bösewichte der Geschichte auch irgendwie faszinieren?

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Ich stehe eher auf rhetorisches Verhandlungsgeschick.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ich glaube nicht an Gott, sondern an die universelle Energie. Wir alle bestehen aus Sternenstaub.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Ich hätte gerne die Gesangsstimme von Whitney Houston.

Wie möchten Sie sterben?

In der Natur einschlafen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Und Ihre?

Ihr Motto?

Atme!

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.