Proust

Jacqueline Burckhardt 71, Kunsthistorikerin

Als Diplomatenkind in Basel geboren, wuchs Jacqueline Burckhardt in verschiedenen europäischen Städten auf. Nach der Ausbildung zur Restauratorin studierte sie in Rom und Zürich Kunstgeschichte. Burckhardt lehrte als Dozentin an der Accademia di Architettura in Mendrisio. Bis 2015 leitete sie die Sommerakademie im Zentrum Paul Klee in Bern. Sie ist zudem Mitbegründerin und Redaktorin der Kunstzeitschrift Parkett.
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Freitag, 30. August 2019

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Eine böse, pflegebedürftige Hexe zu werden, die den Weltuntergang erlebt.

Wo möchten Sie leben?

In Zürich, da wo ich jetzt bin.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Wunderbare Gespräche mit inspirierenden Menschen zu führen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Zerstreutheit. Aber nicht beim Autofahren.

Ihre liebsten Romanhelden?

Die Götter der griechischen Mythologie.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Meret Oppenheim, Pipilotti Rist, Laurie Anderson.

Ihr Lieblingsmaler?

Sigmar Polke und viele andere, je nach Seelenzustand.

Ihr Lieblingskomponist?

Claudio Monteverdi und viele andere, je nach Seelenzustand.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Guter Charakter, geistige Agilität und physisches Geschick.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Dieselben wie beim Mann.

Ihre Lieblingstugend?

Gut gemeinte Aufmerksamkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Meine mir selbst gestellten Aufgaben lustvoll und gut verrichten zu können.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Hauptsächlich ein Mensch. Doch am Morgen ein Vogel und gegen Abend ein Delphin.

Ihr Hauptcharakterzug?

Aufmerksam zu sein.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Grosszügigkeit und Zuwendung.

Ihr grösster Fehler?

Leicht ablenkbar zu sein.

Ihr Traum vom Glück?

Dass mir das, was ich tun will, gut gelingt.

Ihre Lieblingsfarbe?

Das bestimmte Orange der Logofarbe von Hermès.

Ihre Lieblingsblume?

Ein grosser Busch Bougainvillea mit Blüten in verschiedenen Rottönen, der an einer honigfarbenen Steinmauer hochklettert.

Ihr Lieblingsvogel?

Amsel.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Die Entdeckung des Penicillins.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

William Shakespeare.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Greta Thunberg und die Kämpferinnen und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt und Gewalt im allgemeinen.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Isabella d’Este, Artemisia Gentileschi, Agnès Varda.

Ihre liebste Filmfigur?

Anna Magnani.

Ihre Lieblingsnamen?

Lancelot, Gwendolyn und Arabella.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Ichsüchtiger und fanatischer Machtmissbrauch sowie Feigheit.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Adolf Hitler und all jene, die vor und nach ihm mit ähnlich teuflischen Charakterzügen ausgestattet waren.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Friedensschluss und die zivilen Dienstleistungen der Armee.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ja, vor allem jener Gott, den wir als «Unser Vater, der du bist im Himmel» ansprechen. Doch gibt es die phänomenalen Kräfte, welche die Schöpfung des Universums und des Lebens bewirken. Die kann unser Vorstellungsvermögen nicht erfassen.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Immer bestens auszuführen, was ich mir vornehme.

Wie möchten Sie sterben?

Gesund und sanft nach erfülltem Leben in den Tod übergleitend.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Dankbar für meinen guten Zustand.

Ihr Motto?

Go with your faults and charm the cat. Der Performer und Theaterregisseur Robert Wilson hat mir dieses Motto geschenkt.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.