Proust

Georg Kohler 71, Philosoph

Georg Kohler wurde 1945 im Emmental geboren. Ab 1958 besuchte er in Zürich die Mittelschule und die Universität. Als Mitglied in der Leitung einer Familienunternehmung war er «glücklos», wie er selber schreibt, dafür aber «mit gutem Erfolg» Professor für Philosophie an den Universitäten in München, Dresden und Zürich. Und er ist immer noch am Schreiben; derzeit über das «Problem des Liberalismus».
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Autor: Georg Kohler
Freitag, 29. Juli 2016

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Ich fürchte mich vor vielem, aber das grösste Unglück gibt es nicht (mehr) für mich.

Wo möchten Sie leben?

Stets dort, wo ich gerade bin: amor fati, kombiniert mit den glücklichen Umständen, in denen ich seit meiner Geburt lebe.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Bei mir zu sein, ohne es zu merken. Oder: «Ganz entspannt im Hier und Jetzt».

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Meine eigenen, aber vielleicht ist das allzu selbstkritisch. Daher: die mit gutem Willen begangenen.

Ihre liebsten Romanhelden?

Odysseus, David Copperfield, Kommissar Bärlapp.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Angela Merkel und Sophie Scholl.

Ihr Lieblingsmaler?

Felix Vallotton.

Ihr Lieblingskomponist?

J. S. Bach. Franz Schubert. Und Leonard Cohen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Ehrlichkeit und Mut.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Ehrlichkeit, Mut und Grazie.

Ihre Lieblingstugend?

Zuversicht.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Denken.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Thukydides.

Ihr Hauptcharakterzug?

Ich kann bloss sagen, was mir am liebsten wäre: freundliche Unbestechlichkeit.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Witz, Offenheit, Treue.

Ihr grösster Fehler?

Der Versuchung zur Arroganz nicht immer widerstehen zu können.

Ihr Traum vom Glück?

Im Schlaf zu dirigieren; eine Symphonie von Beethoven; mit den Berliner Philharmonikern.

Was möchten Sie sein?

Der, der ich sein kann.

Ihre Lieblingsfarbe?

Der durchsichtig honiggelbe Himmel, kurz vor Sonnenaufgang, beim Blick über das Ionische Meer, vor meinem Haus auf der Insel Ithaka.

Ihre Lieblingsblume?

Kirschblüten, weiss.

Ihr Lieblingsvogel?

Der Spatz. Und der Albatros – wegen seiner Kombination von ausserordentlicher Flugkunst und ziemlich mittelmässiger Landetechnik.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Der Halbleiter.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Gustave Flaubert.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Viele, viele – mitsamt ihren Brüchen. Zum Beispiel Vaclav Havel.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Eva, Beatrice. Und Katharina die Grosse.

Ihre liebste Filmfigur?

Balu in der Disney-Verfilmung des Dschungelbuchs.

Ihre Lieblingsnamen?

Grace, Alice, Sophie. Michael, Matthias, Georg.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Schäbigkeit. Und Selbstherrlichkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Verachten? – Es gibt so viele, die man verachten müsste. Zum Beispiel fast alle von Hitlers Generälen.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Michail Gorbatschows Rückzüge.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Nein. Denn das Menschsein und die Gottesidee sind voneinander nicht abzulösen. Und das Menschsein ist eben keine «Erfindung des Menschen».

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Singen wie Frank Sinatra. Und Tanzen wie Fred Astaire.

Wie möchten Sie sterben?

Bewusst, sacht, versöhnt.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Aufmerksam, nachdenklich, dem Leben zugewandt.

Ihr Motto?

Das delphische, das schon Sokrates inspirierte.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871–1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen – einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.