Proust

Esther Girsberger 56, Unternehmerin, Publizistin, Moderatorin

Esther Girsberger ist promovierte Juristin. Nach Führungsfunktionen bei Medienunternehmen, u.a. als Chefredaktorin des Tages-Anzeigers, machte sie sich selbständig. Sie ist Autorin verschiedener Bücher (Eveline Widmer-Schlumpf – Die Unbeirrbare) und führt als Inhaberin die Agentur speakers.ch AG – Vermittlung von Persönlichkeiten und Inhalten.
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Freitag, 19. Mai 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Ich bin froh, dass ich das nicht weiss.

Wo möchten Sie leben?

In den nächsten Jahren in der Altstadt Zürichs, danach je drei Monate in einem alten – noch zu findenden – Häuschen in Jaffo bei Tel Aviv, auf einem Tauchkreuzfahrtschiff mit höchstens zehn Leuten, im Appenzell und in der Altstadt Zürichs.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Entspannt aufzuwachen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die, die auch ich immer wieder mache.

Ihre liebsten Romanhelden?

Der kleine Muck, Odysseus, Katharina Blum.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Kersti Kaljulaid, Präsidentin von Estland. Bewundernswert, was dieses Land schafft.

Ihr Lieblingsmaler?

Varlin.

Ihr Lieblingskomponist?

Johannes Brahms.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Das sage ich lieber nicht, sonst kriege ich Ärger mit meinem Mann.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Humorvollen Tiefgang.

Ihre Lieblingstugend?

Integrität.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Situationsbedingt – mal tauchen, mal lesen, mal Geige spielen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ein Flusspferd in einem kleinen privaten Tierpark Kenias.

Ihr Hauptcharakterzug?

Spontaneität.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie mich durchschauen.

Ihr grösster Fehler?

Spontaneität.

Ihr Traum vom Glück?

Bedingungsloses Leben.

Was möchten Sie sein?

13 Zentimeter grösser und 10 Kilo leichter.

Ihre Lieblingsfarbe?

Das Blau der Augen meines zweiten Sohnes.

Ihre Lieblingsblume?

Der Flieder – wegen des Geruchs.

Ihr Lieblingsvogel?

Der Paradiesvogel.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Ich weiss definitiv nur, welches die überflüssigste Erfindung der letzten hundert Jahre ist: der Laubbläser.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Joseph Roth.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Die, die mich jeden Tag ertragen.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Simone de Beauvoir. Hannah Arendt.

Ihre liebste Filmfigur?

Jack Nicholson in One flew over the cuckoo’s nest.

Ihre Lieblingsnamen?

Die alttestamentarischen Klassiker wie Miriam, David, Jonathan oder Benjamin.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Überheblichkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Despoten.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Graf von Stauffenbergs leider misslungenes Attentat auf Hitler.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Beim Geschwätz vieler Fanatiker über ihren Gott manchmal schon.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Improvisationstalent.

Wie möchten Sie sterben?

Entweder ruckzuck oder – sollte ich an einer unheilbaren Krankheit leiden – wie Jacques Mayol in Le Grand Bleu: Er taucht so tief hinunter, bis ihn die Tauchkrankheit erfasst und er mit den Delfinen ins Nirgendwo taucht.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Das werden die Leserinnen und Leser bei dieser Lektüre schon merken.

Ihr Motto?

Imre Kertész schrieb einmal: «Die Sätze, die uns nötig sind, finden früher oder später zu uns.» Das kommt also noch.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871–1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen – einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.