Proust

Dominic Deville 40, Unterhalter

Dominic Deville lebt und arbeitet in Zürich und Hamburg. Er ist Schlagzeuger in einer Punkband, ausgebildeter Kindergärtner, Kabarettist, Moderator von «Deville», der Late-Night-Show im Schweizer Fernsehen, und Vater zweier wundervoll anstrengender Kinder.
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Bild: ZVG
Freitag, 24. Juni 2016

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Ein schwerer Schicksalsschlag im engeren Familienkreis.

Wo möchten Sie leben?

Im Hier und Jetzt. Wenn es da nicht all zu heiss ist und dabei gute Musik läuft, umso besser.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Morgens aufzustehen und festzustellen, dass die Kinder gesund sind, der Kaffee warm und die Agenda leer ist. Letzteres kommt leider viel zu selten vor. Aber ich arbeite daran.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Jene, die eingesehen werden, oder jene, die aus einer tiefen Überzeugung und mit Leidenschaft gemacht wurden.

Ihre liebsten Romanhelden?

Sherlock Holmes, Frankensteins Monster, der Grosse Ctulhu, Ronja Räubertochter und Fantomas.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Tochter, Mutter, Frau.

Ihr Lieblingsmaler?

Da ich Malerei in der Regel als Comics oder Bilderbücher konsumiere: Hergé, Mike Mignola und Tomi Ungerer.

Ihr Lieblingskomponist?

Ich erlaube mir, die Frage auf meine drei Platten für die Ewigkeit auszuweiten: Avalon von Roxy Music, Fresh Fruit For Rotting Vegetables von Dead Kennedys sowie Strangeways, Here We Come von The Smiths.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Humor, Furchtlosigkeit, Mitgefühl, Irrsinn.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Humor, Furchtlosigkeit, Mitgefühl, Irrsinn.

Ihre Lieblingstugend?

Tugend. Ein schreckliches Wort, das ich mit Disziplin und Soldatenehre verbinde. Ich pfeife auf die Tugend. Klingt aber doof. Ich kann nicht pfeifen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Spielen. In jeder Variation und Situation.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ich bin heute genau der, der ich schon immer sein wollte. Ist es nicht schön, wenn man das behaupten kann?

Ihr Hauptcharakterzug?

Minimaler Ehrgeiz, maximale Kreativität.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie es mit mir aushalten.

Ihr grösster Fehler?

Da ich unter Grössenwahn leide, müsste man hier wohl meine drei Heldinnen fragen. Aber die Antwort wird spärlich ausfallen, davon bin ich überzeugt.

Ihr Traum vom Glück?

Mit meinen Liebsten gesund bleiben und alt werden. Langweilige Antwort. Aber wer was anderes sagt, der lügt.

Was möchten Sie sein?

Bitte mal für eine Woche eine Katze. Aber eine, die bei mir wohnt.

Ihre Lieblingsfarbe?

Je nach Stimmung oder je nachdem, wer oder was die Farbe trägt.

Ihre Lieblingsblume?

Kopfsalat!

Ihr Lieblingsvogel?

Jener, den mir ein Korporal zeigte, als ich einst mit indianischer Kriegsbemalung in die Rekrutenschule einrückte.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Das Internet. Schade, dass es ein Grossteil der Menschheit inklusive ich hauptsächlich dazu nutzt, dämliche Katzenvideos zu gucken.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Der bewegt sich irgendwo zwischen Rocko Schamoni, Dürrenmatt und Chuck Palahniuk.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Bauarbeiter, Kassierer, Busfahrerinnen, Lehrer und Ärzte. Danke.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Cleopatra, Emmy Hennings und weil Heldin im klassischen Sinn: Regula Engel-Egli.

Ihre liebste Filmfigur?

Norman Bates.

Ihre Lieblingsnamen?

Jene, die mir mit einem Lächeln von den Lippen kommen.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Die Angst vor dem Fremden, die in Ablehnung und Hass mündet.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Jene dumpfen, brutalen und berechnenden, die man nicht einfach zum Verschwinden bringen kann, indem man einen Buchdeckel zuklappt.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Meine eigenen. Siehe Lieblingsvogel.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Wer ist Gott? Kann man das essen?

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Die Geduld und Gelassenheit meiner Schwiegermutter. Auch hier: Danke.

Wie möchten Sie sterben?

In völliger Ruhe oder grandios spektakulär!

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

So ungefähr 40 Gramm. Aber dafür gut durchkneten!

Ihr Motto?

Den Kopf werden sie dir schon nicht abreissen.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.