Proust

Amira Hafner-Al Jabaji 45, Publizistin

Amira Hafner-Al Jabaji studierte Islam- und Medienwissenschaften an der Universität Bern und ist seit 25 Jahren als Muslimin im interreligiösen Dialog aktiv. Seit 2015 moderiert sie die «Sternstunde Religion» im Schweizer Fernsehen. Für ihr langjähriges Engagement wurde sie 2016 mit dem Fischhof-Preis der Stiftung gegen Rassimus und Antisemitismus und der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz ausgezeichnet.
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Freitag, 05. Mai 2017

Was wäre für Sie das grösste Unglück?

Keinen Blick mehr für das Schöne und Gute zu haben.

Wo möchten Sie leben?

Dort, wo meine Liebsten sind.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Sauberes Trinkwasser direkt vom Wasserhahn verfügbar zu haben.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Tippfehler.

Ihre liebsten Romanhelden?

Scheherazade und Pippi Langstrumpf.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Alle Frauen, die widrigen Umständen und Unrecht widerstehen und aktiv dagegen ankämpfen.

Ihr Lieblingsmaler?

Mark Rothko.

Ihr Lieblingskomponist?

Ludovico Einaudi.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Bescheidenheit, Zurückhaltung, Achtsamkeit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Grosszügigkeit, Gelassenheit und Humor.

Ihre Lieblingstugend?

Grossmut.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Denken, in alle Richtungen und nach oben offen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Es gibt mir schon genug zu denken, wer oder was ich tatsächlich bin.

Ihr Hauptcharakterzug?

Es gibt keinen. Ich bin facettenreich.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Ihre Kritik an mir. Ihre Nachsicht mit mir. Vertrauen, Loyalität und Beständigkeit.

Ihr grösster Fehler?

Ich lobe meine Mitmenschen zu selten.

Ihr Traum vom Glück?

Glücksstreben gehört nicht zu meinem Denken und Fühlen.

Was möchten Sie sein?

Zufrieden.

Ihre Lieblingsfarbe?

Orange.

Ihre Lieblingsblume?

Die fair gehandelte und ökologisch sinnvolle.

Ihr Lieblingsvogel?

Wiedehopf.

Die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Das Internet.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Ich habe keinen.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Alle, die gegen Unrecht kämpfen, im kleinen wie im grossen in allen Gesellschaften und Ländern dieser Welt. Und besonders Männer, die sich für Frauenrechte engagieren.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Rabi’a al-Adawiyya, Fatima al-Fihri.

Ihre liebste Filmfigur?

Graf László Almásy – gespielt von Ralph Fiennes – in The English Patient.

Ihre Lieblingsnamen?

Shirin für Frauen, bei Männernamen habe ich mich nicht festgelegt.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Hochmut, Geiz und Gewalt.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Verachtung für Menschen ist grundsätzlich keine Haltung, die ich pflege. Aber es gibt Ideologien, Auffassungen, die ich ablehne. Letztlich alles und alle, die einen Absolutheitsanspruch erheben. Vom Pharao zu Moses Zeiten über Louis XIV., Hitler, Stalin, die arabischen Diktatoren, inklusive des saudischen Königshauses, bis zu Daesh, um nur einige zu nennen.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Was die Schweizer Armee in wenigen Wochen aus meinem Sohn gemacht hat: Ordnung, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung stehen plötzlich ganz hoch im Kurs.

Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen?

Ich glaube, dass Gott die Menschen dazu gemacht hat, Ihn erfinden zu müssen.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Ich wäre gerne musikalischer.

Wie möchten Sie sterben?

In Frieden.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Am Ende dieses Fragebogens: getrübt durch Unterzuckerung.

Ihr Motto?

Was gibt’s zum Dessert?

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871—1922) antwortete in der Zeit der Pariser Salons gleich zweimal auf diese Fragen — einmal als 14jähriger, dann noch einmal mit 20. Der Fragebogen gilt als Herausforderung an Geist und Witz und stellt bis heute die grossen Fragen des Lebens.